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NS-Finanzpolitik : Schwarze Zahlen für das braune München

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Deutsche Reichsmark aus dem Jahr 1938 Bild: AP

Viele taten es. Sie „erahnten“ den Willen Hitlers und übten vorauseilenden Gehorsam. Ein Beispiel aus München.

          Kommunen im „Dritten Reich“ waren keinesfalls willfährige Vollstrecker des Willens der großen und kleinen „Führer“ im Reich wie in der Provinz. Vielmehr verfügten Städte über Handlungsspielräume. Sie entwickelten rasch Eigeninitiative, die den Prozess der „kumulativen Radikalisierung“ im NS-Staat nach 1933 beschleunigt hat. Davon zeugen zahllose (Zwangs-)Eingemeindungen oder generell die antisemitische Politik der Kommunen. Das Agieren der Stadtverwaltungen könnte man als Selbstbehauptung durch Selbstgleichschaltung oder aber als Adaption des Verwaltungshandelns an die ideologischen Vorgaben des Regimes interpretieren.

          In München brachte Stadtkämmerer Andreas Pfeiffer – bereits seit Juli 1914 im Dienst der Stadt – bei der Einbringung des 1935 wieder aus schwarzen Zahlen bestehenden Haushaltsplans diese „immer treue“ Haltung der Beamtenschaft prägnant zum Ausdruck. Der im Sommer 1933 der NSDAP beigetretene Spitzenbeamte mahnte: Dem „Willen des Führers Rechnung zu tragen, ist Ehrenpflicht der Stadt.“ Und Hitler dankte es München mit dem Ehrentitel „Hauptstadt der Bewegung“, der freilich eine gigantomane Stadtplanung nach sich ziehen sollte.

          Um das „Braune Haus“, die Parteizentrale der NSDAP, war nach 1933 ein ganzes Parteiviertel mit rund 60 Gebäuden entstanden. Darunter befanden sich mit „Führerbau“ und „Verwaltungsbau der NSDAP“ zwei bis heute bestehende Monumentalbauten. Am 30. Januar 1937 gab Hitler im Reichstag den Startschuss für den planmäßigen Ausbau der „Führerstädte“ Berlin, Hamburg, München und Nürnberg. Linz kam später dazu. Prunkstücke der Münchner Planungen waren ein neuer Hauptbahnhof sowie eine Prachtstraße mit zwei Hochhäusern, eines als KdF-Hotel geplant, das andere als künftiger Sitz des Parteiverlags Eher ins Auge gefasst. Unglaubliche Baukosten in Höhe von 817 Millionen Reichsmark wurden vom Stadtbauamt errechnet, wovon der Reichskredit nicht einmal zehn Prozent abdeckte. Tatsächlich gebaut wurde während des Krieges kaum etwas; trotzdem blieb die Stadt 1945 auf Kosten von 50 Millionen RM sitzen.

          Ein bezeichnendes Beispiel für den vorauseilenden Gehorsam der Stadtverwaltung ist die kommunale Ehebeigabe. Als Geschenk erhielten Neuvermählte ein Exemplar von Hitlers „Mein Kampf“. Oberbürgermeister Karl Fiehler hatte auf Drängen von Eher-Verlagsdirektor Max Amann in seiner Funktion als Vorsitzender des Deutschen Gemeindetags erwirkt, dass das Buchpräsent allen Mitgliedstädten empfohlen wurde. Schließlich wies ein Erlass des Reichsministeriums des Innern vom April 1936 alle Standesämter an, den Brautpaaren das „Buch des Führers“ kostenlos auszuhändigen, „soweit die finanzielle Lage der Gemeinden dies nicht ausschließe“. Die Kosten der Aktion trug München widerspruchslos – den „Führerwillen erahnend“. Die Stadt erwarb 76 137 Exemplare. Auf diese Weise flossen Adolf Hitler in Form von Tantiemen allein aus dem Münchner Stadtsäckel indirekt knapp 78 000 RM zu, die der „Führer“ bekanntlich nicht zu versteuern hatte.

          Dem Historiker Paul-Moritz Rabe ist mit seiner Studie zu Stadt und Geld im Nationalsozialismus ein großer Wurf gelungen, indem er den kommunalen „Haushalt als Herrschaftsinstrument“ in den Fokus nahm. Er hat ein Feld erschlossen, das weiter bestellt werden will. Trotz der vorzüglichen Analyse stört freilich die häufige Verwendung der ersten Person Singular. Subjektivität scheint Objektivität zu verdrängen. Auffallend bleibt zudem, dass auch diese Untersuchung mit der „Stunde null“ abbricht. Hieran krankt die Erforschung des Nationalsozialismus bis heute. Sie weigert sich, die Besatzungsjahre in den Blick zu nehmen. Sonst hätte sicherlich auch für München eine erstaunliche personelle Kontinuität der Stadtverwaltung herausgearbeitet werden können, frei nach dem Diktum: Verfassungsrecht vergeht, Verwaltungsrecht besteht!

          Wie kann abschließend die NS-Finanzpolitik zusammengefasst werden? Von 1933 bis 1945 fand eine „Verlagerung von der Substanz zum Gelde“ statt, wie es der Finanzausschuss des Deutschen Gemeindetages bereits im Juni 1939 formuliert hat. Durch die nicht-investive NS-Finanzpolitik im Krieg und die alliierten Bombenangriffe hatten die meisten Städte einen beachtlichen Substanzverlust erlitten, bis dann mit der Währungsreform vom Juni 1948 auch noch das städtische Kapital de facto seinen Wert verlor. Die Kommunen waren doppelt geschädigt.

          Paul-Moritz Rabe: Die Stadt und das Geld. Haushalt und Herrschaft im nationalsozialistischen München (München im Nationalsozialismus, Band 3).

          Wallstein Verlag, Göttingen 2017. 399 S., 38,– .

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