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Nachkriegsgeschichte Adenauers Mission und de Gaulles Vision

Deutsch-französische Beziehungen vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart - meisterhaft gebündelt in zwei Nachschlagwerken.

© Archiv Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle im September 1962 in Bonn

Am 25. August 1944 feierten die Franzosen in Paris erleichtert die Befreiung ihrer Hauptstadt von der deutschen Besatzung. Zur selben Zeit ermordeten nur wenige hundert Kilometer entfernt deutsche Soldaten bei Tours 124 Dorfbewohner, weil zuvor französische Widerstandskämpfer zwei Fahrzeuge der Wehrmacht angegriffen hatten. Das Datum wirkt wie ein Kulminationspunkt der langen Geschichte feindseliger Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Vielen Zeitgenossen und Historikern ist vor diesem Hintergrund die rasche deutsch-französische Annäherung nach dem Zweiten Weltkrieg, die im Elysée-Vertrag von 1963 gipfelte, wie ein Wunder erschienen.

Doch vermeintliche Wunder haben sich in der Geschichte oft als Ergebnisse nachvollziehbarer Prozesse entpuppt. Es ist die Pflicht von Historikern, solche Begebenheiten aus ihren affektiven Bezügen herauszuschälen und einer wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen. Dieser Aufgabe stellen sich auch die beiden Autoren der jüngsten Beiträge zur elfbändigen Gesamtdarstellung der deutsch-französischen Geschichte, die seit 2005 in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erscheint. Corine Defrance und Ulrich Pfeil sprechen in ihrer Betrachtung der Nachkriegsjahre bis zum deutsch-französischen Vertrag ausdrücklich davon, „den ,Mythos 1963' dekonstruieren“ zu wollen. Sie tun das mit präzisen historiographischen Instrumenten, die nicht nur zur Präparation der politischen Handlungsstränge dienen, sondern das ganze Spektrum der nachbarschaftlichen Beziehungen entfalten.

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Dabei wird deutlich, dass der Vertrag von 1963 selbstverständlich ein wichtiger Meilenstein der Verständigung, jedoch weder deren Fundament noch deren Schlussstein war. Viel früher begann der Annäherungsprozess auf politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Ebene, gefördert von den übergeordneten Rahmenbedingungen des Ost-West-Konflikts und der aufkeimenden Globalisierung. Schon die französische Besatzungspolitik, von der Forschung lange als reine Obstruktion gegen das Wiedererstarken des deutschen Nachbarn interpretiert, erscheint hier in neuem Licht. Auch die europäische Politik, vom Schuman-Plan bis zu den Römischen Verträgen, wird jenseits der bis heute oftmals idealisierten moralischen Dimensionen als Ergebnis nüchterner Interessenpolitik erkennbar.

Zum Verständnis des Elysée-Vertrags sind allerdings nicht zuletzt die Motive der handelnden Staatsmänner zu berücksichtigen. Es war ja erstaunlich, dass ausgerechnet Charles de Gaulle und Konrad Adenauer sich trotz ihrer eigentlich gegensätzlichen Positionen zusammenfanden, um Frankreich und Deutschland dauerhaft zu verbinden. De Gaulle wollte Frankreich zu neuer Größe führen, Adenauer Deutschland - das heißt zunächst die Bundesrepublik - gleichberechtigt im demokratischen Westen verankern. Des Kanzlers letztes Ziel war es, den Deutschen ein für alle Mal jeden unheilvollen „Sonderweg“ zu versperren.

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