http://www.faz.net/-gpf-7y8ae

Wir sind die Guten : Rassistische Esoterik

Die Russland-Fahne am 16.03.2014 an der Promenade in Sewastopol, Ukraine Bild: dpa

Mathias Bröckers und Paul Schreyer werfen den deutschen Medien vor, sie hätten sich im Ukraine-Konflikt von ihrer „Pflicht zu objektiver Information verabschiedet“. Stattdessen betrieben sie Propaganda gegen Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin bis hin zu aktiver Kriegshetze.

          Wie nennt man es, wenn jemand über die Sprache eines anderen Volkes schreibt, diese sei eine „Neuerfindung“, die „als Bauernsprache keine Worte für die Tiere hat, die nicht auf Feld und Flur leben“? Volksverhetzung? Diese Formulierungen über das Ukrainische stammen aus dem Buch „Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren“ von Mathias Bröckers und Paul Schreyer. Die beiden Autoren werfen den deutschen Medien - an mehreren Stellen ausdrücklich auch dieser Zeitung - vor, sie hätten sich im Ukraine-Konflikt von ihrer „Pflicht zu objektiver Information verabschiedet“. Stattdessen betrieben sie Propaganda gegen Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin bis hin zu aktiver Kriegshetze.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Was und wie Bröckers und Schreyer schreiben, ist typisch dafür, wie die Debatte über den Ukraine-Konflikt in Deutschland von denen geführt wird, die sich selbst als „Putinversteher“ titulieren. Die Methode der Medien im Ukraine-Konflikt sei, „Gerüchte zu Tatsachen, Vermutungen zu Ereignissen und Meinungen zur Wahrheit“ mutieren zu lassen und „unpassende Fakten“ sowie Hintergründe zu den Akteuren zu „unterschlagen“, schreiben Bröckers und Schreyer. Das ist eine treffende Beschreibung - aber nicht für die von den Autoren angegriffene Berichterstattung, sondern für ihre eigene Vorgehensweise.

          Das beginnt schon im Vorwort mit der Behauptung, nach dem Abschuss des malaysischen Flugzeugs über der Ostukraine am 17. Juli seien im Westen „sofort militärische Konsequenzen gefordert“ worden. Wer wann was gefordert haben soll, nennen die beiden nicht. Es dürfte auch kaum möglich sein, einen Beleg dafür zu finden, dass Kommentatoren deutscher Medien oder deutsche Politiker ein militärisches Eingreifen in den Ukraine-Konflikt verlangt hätten. Also wird die vage Formulierung „militärische Konsequenzen“ benutzt, die äußerst dramatisch klingt, weil Bröckers und Schreyer sie in den Kontext der Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs stellen. Das hat Methode - so funktioniert ihre Argumentation über weite Strecken des Buches.

          Sowohl die Beweisführung für die angebliche Manipulation durch die Medien, als auch das von Bröckers und Schreyer entworfene Gegenbild des ukrainischen Geschehens, beruhen auf Auslassungen, teilweise gravierenden Falschdarstellungen und böswilligen Unterstellungen. Nur indem Bröckers und Schreyer große Teile der ukrainischen Geschichte komplett ausblenden, können sie zum Beispiel zu dem Schluss kommen, angesichts der gegensätzlichen Erfahrungen der Bewohner der Westukraine und der Ostukraine während des Zweiten Weltkriegs sei eine nationale Identität, welche die ganze Ukraine einschließe, „schlechterdings nicht vorstellbar“.

          Nicht nur, dass es von großem Zynismus zeugt, den Westukrainern angesichts der von den Deutschen auch an ihnen verübten Verbrechen ein „weitgehend ungebrochenes historisches Verhältnis zu Hitlers Faschismus“ zu unterstellen - was Bröckers und Schreyer schreiben, ist einfach falsch. Mit einem Minimalaufwand an Recherche hätten sie das selbst feststellen können - aber in ihr Konzept passt besser die von ihnen kaum verschleiert wiedergegebene Theorie russischer Rechtsextremisten, die Ukraine sei eine westliche Erfindung zur Schwächung Russlands.

          Weitere Themen

          Putin geht ins eisige Wasser Video-Seite öffnen

          Orthodoxe Tradition : Putin geht ins eisige Wasser

          Drei Mal tauchen sie komplett im eiskalten Wasser unter, dazwischen bekreuzigen sich die Gläubigen. Auch der russische Präsident Wladimir Putin hat an dem traditionellen Eisbad am orthodoxen Dreikönigstag teilgenommen.

          Nawalny darf nicht zur Wahl antreten Video-Seite öffnen

          Putin-Kritiker : Nawalny darf nicht zur Wahl antreten

          Die russische Wahlkommission hat den Oppositionspolitiker Alexej Nawalny offiziell von der Präsidentenwahl im kommenden Jahr ausgeschlossen. Das Gremium erklärte, der 41-Jährige sei nicht wählbar, weil er bereits straffällig geworden sei.

          Topmeldungen

          Groko-Verhandlungen : Womit die SPD jetzt punkten will

          Auf die Sondierung folgen die Koalitionsverhandlungen. Nun rückt vor allem die SPD viele Themen in den Blick, die bisher nur vage behandelt wurden. Tatsächlich stehen die Chancen auf Nachbesserungen gut. Ein Überblick.

          Eingeschneit in den Alpen : Bier und Brot für 14 Tage

          In vielen Regionen in den Alpen herrscht nach starkem Schneefall Ausnahmezustand. Wegen großer Lawinengefahr sind Straßen gesperrt, mehrere Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Oft hilft nur noch der Helikopter – oder eine gesunde Gelassenheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.