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Kampf gegen den Terror : Eindämmung des Dschihadismus

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Grünen-Politiker Omid Nouripour analysiert die Vorstellungswelt des gewalttätigen Islamismus und spricht sich für verbesserte, behutsam und mit viel Geld umzusetzende Deradikalisierungsprogramme aus.

          Einem Bericht der RAND-Corporation zufolge ist die Zahl der mit al-Qaida lose verbundenen salafistischen Gruppen zwischen 2010 und 2013 auf fast 50 Organisationen angewachsen. 35 Terrorgruppen haben sich öffentlich dem „Islamischen Staat“ (IS) angeschlossen. Mehr als 25 000 ausländische Kämpfer aus über 80 Ländern sind inzwischen beim IS gelandet. Omid Nouripour zitiert diese Zahlen, um die doppelte Gefährdung durch den weltweit auftretenden gewalttätigen Islamismus – er benutzt die Vokabel Dschihadismus dafür – deutlich zu machen. Nämlich erstens die brutale Zerstörung von Menschen und Kulturgütern in Syrien, dem Irak oder Mali; zweitens den Terrorexport in die westlichen Länder, mit Hilfe dort rekrutierter Konvertiten. Zwei Seiten derselben Medaille, die freilich unterschiedliche Präventions- und Reaktionsmaßnahmen erfordern.

          Der Autor, seit 2006 Abgeordneter der Grünen im Bundestag, hat keine wissenschaftliche Studie, aber zum Glück auch nicht das typische Buch eines Berufspolitikers vorgelegt. Stattdessen bekommt der Leser im ersten Teil einen guten Einblick in die Vorstellungswelt des Dschihadismus und seine weltweite Verbreitung. Nouripour zählt 35 Länder auf, von Afghanistan bis zur Zentralafrikanischen Republik, in denen dschihadistische Terrorgruppen Fuß gefasst haben. Es kommt ihm dabei vor allem darauf an, die unterschiedlichen lokalen Ursachen für deren Aufstieg herauszuarbeiten.

          Wenn es auch sozusagen eine dschihadistische Internationale gibt, müssen alle Schritte zur Bekämpfung dieser Gruppen auf die jeweiligen lokalen Besonderheiten ausgerichtet sein. Einen überall in gleicher Weise anwendbaren Masterplan oder „Marshallpläne“ für den Kampf gegen den Dschihadismus gibt es nicht. Das ist eine richtige Einsicht. Von hier aus zu erfolgreichen Bekämpfungsmethoden gegen die verschiedenen lokalen Dschihadismen zu kommen ist aber noch ein langer Weg. Allgemeinplätze wie der folgende helfen nicht: „Nur wenn wir Lebenswelten und -modelle dort unterstützen, die attraktiver als der Dschihadismus sind, können wir den Terror am Ende besiegen.“ Gewiss, aber wie? Die Makro-Faktoren, die den Dschihadismus in der postkolonialen Welt attraktiv machen, heißen wirtschaftliche Ausbeutung, politische Instabilität, Regierungskorruption und Verachtung der Menschenrechte. Sie verstärken sich gegenseitig. Punktuelle Interventionen seitens der zu Unrecht so genannten „internationalen Gemeinschaft“ oder einzelner westlicher Länder, gleichviel, ob ökonomisch, „zivilgesellschaftlich“ oder militärisch, bewirken häufig genau das Gegenteil dessen, was sie erreichen sollen.

          Natürlich sträubt sich der Autor gegen dieses düstere Panoramabild und nimmt sich lieber den einen oder anderen Pappkameraden vor, auf deren Beschuss Linke und Grüne abonniert sind, etwa Samuel P. Huntington. Aber selbst, wenn es bei dieser Routineübung auch schon mal einen Treffer gibt (George W. Bush), die Passagen mit der Beschreibung des gegenwärtigen Dschihadismus sind weit überzeugender ausgefallen als alle parteipolitisch verfärbten Schuldzuweisungen.

          Der zweite Schwerpunkt des Buches liegt auf der „Salafismusprävention“ im eigenen Land. Die Radikalisierung einer kleinen, aber wachsenden Zahl junger Männer und Frauen und ihre Wiedergeburt als militante Salafisten ist ein komplexes Phänomen. Raffinierte Propagandamethoden via Internet spielen dabei ebenso eine Rolle wie das Gefühl, überall woanders zurückgewiesen zu werden. Nouripour beschreibt dieses so leicht ausnutzbare verkrampfte Suchen nach persönlicher Anerkennung, ohne etwas zu beschönigen oder zu dramatisieren. Hier muss die Gesellschaft entgegenhalten, denn die hausgemachten Salafisten stellen, wenn ihre Bereitschaft zu bedenkenloser Gewalttätigkeit überhandgenommen hat, ein beachtliches Gefährdungspotential dar, und zwar dort, wohin sie als „Kämpfer“ ausreisen, und nach der Rückkehr in ihre Heimatländer. Zu Recht fordert Nouripour hier verstärkte Anstrengungen in den Familien und Schulen sowie verbesserte, behutsam und mit viel Geduld umgesetzte Deradikalisierungsprogramme.

          Zu Beginn seines Buches kündigt der Autor etwas vollmundig an, es nicht bei der Problembeschreibung zu belassen, sondern Lösungen anzubieten. Ansätze dazu sind an vielen Stellen des Buches zu finden. Zusammengebunden werden sie am Schluss auf anderthalb Seiten in einem 30-Punkte-Plan. Der ist natürlich kein Plan, sondern ein Sammelsurium von mehr oder weniger sinnvollen Einzelmaßnahmen. Das meiste davon versteht sich von selbst. Das ist ein bisschen enttäuschend. Dennoch mag man sich Norbert Lammert (CDU) anschließen, der dem Buch zugutehält, dass es die Relevanz eines Themas deutlich macht, dessen Ausmaß und Bedeutung wir zu verstehen erst begonnen haben.

          Omid Nouripour: Was tun gegen Dschihadisten? Wie wir den Terror besiegen können. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2017. 304 S., 16,90 Euro.

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