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Historikerstreit von 1986 : Studierte Ekel Alfred in Köln Geschichte?

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Autos im Tunnel vor dem Hauptgebäude der Universität zu Köln Bild: dpa

Bereits 1982 war die Historische Kommission beim Bundesvorstand der SPD ins Leben gerufen worden, und es waren vor allem SPD-nahe Historiker, die wie selbstverständlich davon ausgingen, ein Monopol zu besitzen, um die Erinnerung zu füllen und die Vergangenheit zu deuten.

          Streiten gehört für Historiker zum Geschäft. Nicht immer und in allen Lebenslagen - aber wenn es etwa darum geht, Geschichtsklitterungen aufzudecken oder das Vetorecht der Quellen geltend zu machen, dann ist auch die Kontroverse erlaubt. Mit ein wenig Glück bringt sie die erhoffte Klärung und, nachdem der Pulverdampf der Polemik verraucht ist, vielleicht auch neue Erkenntnis. Was auf die eine oder andere Auseinandersetzung zutreffen mag, gilt für den bis heute vielzitierten Historikerstreit nicht. Zu Recht gilt dieser Streit, der von 1986 bis 1988 in den deutschen Feuilletons tobte, als eine der bedeutendsten Debatten der Nachkriegszeit. Sein wissenschaftlicher Ertrag blieb indes recht überschaubar. Gewiss: Vordergründig ging es beim Historikerstreit um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Doch war bereits den Beteiligten bewusst, dass die Debatte nicht um Detailprobleme kreiste, sondern um das politisch-kulturelle Selbstverständnis der Bundesrepublik.

          Der Frage, worin die besondere Bedeutung dieses Streits lag, an dem sich keineswegs nur Historiker beteiligten, geht Gerrit Dworok nach. Eine erste Antwort legt bereits der Titel der Arbeit nahe, der unmissverständlich auf den Prozess der „Nationswerdung“ verweist. Damit öffnet Dworok ein Fass, das in der Bundesrepublik bis in die Ära Kohl hinein unter Verschluss gehalten wurde. Wer von einer deutschen Nation sprach und noch dazu an der Idee einer Wiedervereinigung festhielt, galt schnell als Ewiggestriger. Heinrich August Winkler etwa betrachtete die deutsche Teilung als logische Konsequenz des deutschen Großmachtstrebens; Jürgen Habermas pries die Bundesrepublik als Musterbeispiel einer postnationalen Demokratie.

          Wer hingegen von einer „geistig-moralischen Wende“ sprach und sich für die beiden großen Prestigeprojekte Helmut Kohls, das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn sowie das Deutsche Historische Museum in Berlin, einsetzte, geriet alsbald in den Ruf, die Bundesrepublik mit Hilfe einer revisionistischen Geschichtspolitik neu begründen zu wollen. Und war es nicht tatsächlich Michael Stürmer, ein Historiker aus dem Umfeld des Kanzlers, der die Formel prägte, in einem „geschichtslosen Land“ werde derjenige die Zukunft gewinnen, „der die Erinnerung füllt, die Begriffe prägt und die Vergangenheit deutet“? Jürgen Habermas, ein erklärter Verfechter des herrschaftsfreien Diskurses, hantierte in dieser unübersichtlichen Situation herrschaftlich mit der Heuristik des Verdachts. Eine Clique „neokonservativer“ Historiker, zu der er neben Michael Stürmer auch Ernst Nolte, Andreas Hillgruber und Klaus Hildebrand rechnete, so Habermas am 11. Juli 1986 in der „Zeit“, plane gewissermaßen die intellektuelle Konterrevolution. Die Anatomie der Debatte, die daraufhin - nicht frei von persönlichen Gehässigkeiten - begann, ist hinlänglich bekannt. Umso bedenkenswerter ist Dworoks Ansatz, sie in übergreifende Themenbereiche einzuordnen.

          Zum einen, so Dworok, lässt sich der Historikerstreit als Versuch verstehen, den Ort des Nationalsozialismus in der deutschen Geschichte abschließend zu bestimmen. Ernst Noltes umstrittene These von einem kausalen Nexus zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus erwies sich - nicht wissenschaftlich, wohl aber geschichtspolitisch - als eine Steilvorlage für alle, die mit Hans Mommsen davor warnten, „das Menetekel der nationalsozialistischen Verbrechen“ leichtfertig in den Wind zu schlagen. Wen kümmerte es, dass das Verdikt mit Hillgruber und Hildebrand zwei überaus verdiente Historiker traf, die zu den besten Kennern der NS-Herrschaft überhaupt gehörten? Erst mit dem Historikerstreit, so Dworok, avancierte die kritische Erinnerung an die Schoa zur ersten Bürgerpflicht.

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