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Günter Brakelmann: Peter Yorck von Wartenburg Die leisen Töne wahrnehmen

 ·  Weil die Überlieferung es so will, stand der „Kreisauer“ Peter Graf Yorck von Wartenburg bislang im Schatten von Helmuth James Graf von Moltke. Günter Brakelmann hat daran etwas geändert: Er hat etliche Briefe ausfindig gemacht.

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Sein Name ist untrennbar verbunden mit dem Kreisauer Kreis - jener Gruppierung im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die von 1940 an über ein Deutschland nach Hitler diskutierte. Dieses sollte sich auch grundlegend vom Deutschland vor Hitler unterscheiden. Der 1904 geborene Peter Graf Yorck von Wartenburg steht in der heutigen Wahrnehmung der Kreisauer im Schatten des fünf Jahre jüngeren Helmuth James Graf von Moltke, der schon im Januar 1944 von der Gestapo verhaftet und Ende Januar 1945 hingerichtet wurde. Das liegt an der Überlieferung, die für Moltke sehr dicht ist.

Immerhin ist es Günter Brakelmann gelungen, mehrere Dutzend Briefe Yorks ausfindig zu machen und ausführlich daraus zu zitieren. Das als Biographie angekündigte Buch liest sich über weite Strecken eher wie ein verbindender Text zwischen bisher unveröffentlichten und längst bekannten Quellen.

Brakelmann stellt heraus, wie sich Yorck während seines Jurastudiums „vom prinzipiellen Anti-Demokratismus seiner Standesgenossen abgewandt hatte“. Das belege die Dissertation über „Die Haftung der Körperschaften des öffentlichen Rechts für Maßnahmen der Arbeiter- und Soldatenräte“, in der er Verständnis für den Umbruch von 1918/19 aufbrachte. Im „Dritten Reich“ weigerte sich York, in die NSDAP einzutreten und brachte es dennoch zum Oberregierungsrat. Am „Polenfeldzug“ nahm er als Leutnant der Reserve teil, wurde jedoch im Herbst 1939 „wegen Bandscheibenproblemen felddienstuntauglich“ geschrieben.

Durch seine Berliner Tätigkeit im „Wirtschaftsstab Ost“ kannte er die Realität des Eroberungs-, Ausbeutungs- und Vernichtungskrieges genau. Er war laut Brakelmann ein Mitwisser und Mittäter. Viele Männer im Widerstand waren „Angehörige von Funktionseliten im Dienst eines verbrecherischen Systems, das sie gleichzeitig zutiefst ablehnten, aber nicht kurzfristig aufheben konnten. Sie waren Gefangene in einem System, das sich nicht durch einen einfachen moralischen Aufstand aufbrechen, sondern nur durch eine organisierte politische Konspiration mit dem Ziel der Anwendung militärischer Gegenmacht überwinden ließ.“

Brakelmann schätzt die Vorstellungen der Kreisauer als „basisdemokratisch“ ein, als „Angriff auf die überkommenen Mentalitäten der meisten Deutschen“. Eindrucksvoll zu lesen sind Yorks Briefe an seine Mutter, die noch an den „Endsieg“ glaubte, als der Sohn den Nationalsozialismus längst als „Verrat an deutscher und abendländischer Vergangenheit“ empfand. Beim „Dröhnen des Krieges“ bestehe „die Gefahr, das man die leisen Töne gar nicht wahrnimmt“, meinte der fromme Protestant 1943.

Im Gegensatz zu Moltke stellte er seine anfänglichen Bedenken gegen einen „Tyrannenmord“ zurück und unterstützte die Staatsstreich-Vorbereitungen seines Vetters Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler stand York Anfang August 1944 vor dem Volksgerichtshof. Das Todesurteil gegen ihn wurde am 8. August vollstreckt.

Günter Brakelmann: Peter Yorck von Wartenburg. 1904-1944. Eine Biographie. Verlag C. H. Beck, München 2012. 336 Seiten, 24,95 Euro.

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Jahrgang 1952, Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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