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Georg von Witzleben: „Wenn es gegen den Satan Hitler geht...“ : Feldmarschall des Widerstands

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Verbündete: Ludwig Beck (links) und Erwin von Witzleben (1938) Bild: Abb. aus dem bespr. Band

Präzise wird die Rolle Erwin von Witzlebens in der Putschüberlegung des Jahres 1938 herausgearbeitet, die General Franz Halder hegt und die vom Autor etwas euphorisch gleich als „Witzleben-Verschwörung“ apostrophiert wird.

          Über Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben, den ranghöchsten Offizier im deutschen Widerstand gegen Hitler, lagen auf Grund der schlechten Quellenlage bisher lediglich kleinere Aufsätze vor. Die vorliegende Biographie basiert zum einen auf umfassenden Archiv- und Literaturstudien. Zum anderen aber gelingt dem Autor - einem entfernten Verwandten des Generalfeldmarschalls - vor allem mit Hilfe der Schilderungen der zum Zeitpunkt der Befragung immerhin bereits fast hundertjährigen Tochter Witzlebens, Frau Edelgarde Reimer, aber auch anderer Zeitzeugen eine anschauliche Beschreibung der Persönlichkeit dieses, für den geplanten Staatsstreich des 20. Juli 1944, so wichtigen Offiziers.

          Der 1881 geborene Witzleben tritt mit elf Jahren in das Kadettenkorps der preußischen Armee nicht zuletzt auch deshalb ein, weil sein Vater, der 1874 als pensionierter Hauptmann die Armee verlassen hat und bereits 1896 versterben wird, nur über geringe finanzielle Mittel verfügt. Der junge, 1901 zum Leutnant beförderte Offizier macht in den folgenden Jahren eine geradlinige militärische Karriere, die ihn als Hauptmann und Kompaniechef in den Ersten Weltkrieg führt. Nach Heilung einer schweren Verwundung absolviert er 1917 die Generalstabsausbildung und durchläuft ab 1919, nach dem Eintritt in das 100 000-Mann-Heer, den für einen Generalstabsoffizier typischen Wechsel zwischen Truppen- und Stabsverwendungen.

          Im Februar 1934 zum Generalmajor und Kommandeur der 3. Division und - bedingt durch die Strukturveränderung der Reichswehr - noch im September des gleichen Jahres zum Generalleutnant und Kommandeur des III. Armeekorps in Berlin befördert, lernt Witzleben das nationalsozialistische Regime aus nächster Nähe kennen. Bereits die Überprüfung der arischen Abstammung der Wehrmachtsangehörigen sowie die sofortige Entlassung der nichtarischen Soldaten, aber vor allem die ungesühnt bleibende Ermordung der beiden Reichswehr-Generale Kurt von Schleicher und Ferdinand von Bredow rufen seine Empörung hervor. Die Distanz zum „Dritten Reich“ verstärkt sich im Februar 1938 durch die von Hitler verfügten Entlassungen des Oberbefehlshabers der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Werner von Blomberg, sowie des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst Werner Freiherr von Fritsch, vor allem aber wegen des immer deutlicher werdenden Kriegskurses Hitlers. So kann es nicht überraschen, dass der im November 1936 zum General der Infanterie Beförderte gute und vertrauliche Kontakte zu Männern wie Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg oder Hans Oster und anderen Personen pflegt, die zur Verhinderung eines Krieges ein Vorgehen des Militärs gegen Hitler sowie den Sturz des NS-Regimes favorisieren.

          Im August 1938 tritt der Chef des Generalstabes und spätere Widerständler Generaloberst Ludwig Beck aus Opposition gegen die Absicht Hitlers, einen Krieg gegen die Tschechoslowakei zu entfesseln, zurück. Präzise wird die Rolle Witzlebens in der folgenden Putschüberlegung des Jahres 1938 herausgearbeitet, die der Nachfolger Becks, General Franz Halder, hegt und die vom Autor etwas euphorisch gleich als „Witzleben-Verschwörung“ apostrophiert wird. Durch den für Hitler unwillkommenen Vermittlungsversuch der Westmächte (Münchener Abkommen) entfällt allerdings der aus Sicht Halders für einen Putsch unbedingt erforderliche Angriffsbefehl des „Führers“.

          Die erfolgreichen Feldzüge gegen Polen und Frankreich bieten den zum Staatsstreich bereiten Offizieren keine Gelegenheit, ihre Absichten umzusetzen. Am 19. Juli 1940 wird Witzleben von Hitler zum Generalfeldmarschall befördert und im März 1942 in die Führerreserve verabschiedet. Den Offizieren des Widerstandes unter Becks Führung fällt es nicht schwer, den Generalfeldmarschall davon zu überzeugen, dass er nach einem erfolgreichen Umsturz den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht übernehmen müsse. Im Sommer beziehungsweise im Herbst 1943 unterschreibt Witzleben Befehle, die er in dieser Funktion nach einem erfolgreichen Staatsstreich erlassen soll. Der erste am 20. Juli 1944 mit seiner Unterschrift herausgehende Befehl beginnt mit dem Satz „Der Führer Adolf Hitler ist tot“. Tatsächlich aber hat der das Attentat überlebt. Witzleben wird verhaftet, gefoltert, vor Gericht gestellt und am 8. August 1944 zum Tode verurteilt und in Plötzensee gehängt.

          Die Biographie umfasst 227 Seiten, weitere 150 Seiten enthalten fast zweitausend Anmerkungen, Tabellen sowie Übersichten, die den Lebenslauf und die militärische Karriere des Feldmarschalls minutiös nachzeichnen. Es folgt ein Beitrag des Autors zur „Rezeption des deutschen Widerstands“. Schließlich runden ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Personenverzeichnis den verdienstvollen Band ab.

          Georg von Witzleben: „Wenn es gegen den Satan Hitler geht . . .“. Erwin von Witzleben im Widerstand. Mit einem Geleitwort von Rüdiger von Voss. Osburg Verlag, Hamburg 2013. 446 S., 26,90 €.

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