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Fritz Rück : Ganz ohne Arbeiterregierung

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Fritz Rück im Jahr 1959 Bild: Abb. aus dem bespr. Band

Elisabeth Benz bemüht sich in ihrer Biographie über Fritz Rück, einen vergessenen Funktionär der deutschen Arbeiterbewegung dem Vergessen zu entreißen. Dabei stützt sie sich vor allem auf Artikel und Schriften Rücks aus den Jahren 1917 bis 1959, hinter denen dessen Persönlichkeit verschwindet.

          Wer kennt heute noch Fritz Rück? Wahrscheinlich nur noch Fachleute der kommunistischen Arbeiterbewegung, Veteranen der Gewerkschaft „Druck und Papier“ und der Naturfreunde, zu deren Bundesvorsitzenden Rück 1955 gewählt wurde. In den großen Darstellungen über die Geschichte des „langen“ 20. Jahrhunderts findet man seinen Namen jedenfalls nicht.

          Seine erste prägende politische Sozialisation erfuhr der 1895 in Stuttgart geborene Sohn eines Schreiners durch sein sozialdemokratisches Elternhaus, in dessen Wohnzimmer ein Porträt von Karl Marx hing, und im Arbeitermilieu Stuttgarts, das während des Kaiserreichs zu den Hochburgen des linken Flügels der SPD zählte. Aus tiefer Erbitterung und Zorn über die Zustimmung der SPD-Fraktion im Reichstag zu den Kriegskrediten entwickelte sich der 1913 in die SPD eingetretene bildungshungrige Rück, für den der Sozialismus zu einem „Lebensevangelium“ geworden war, während des Kriegs zu einem radikalen, geradezu fanatischen Spartakisten.

          Wie viele andere Stuttgarter Arbeiterjugendliche sah er in Karl Liebknecht eine „Ikone des Widerstands“ gegen die SPD-Führung. Von der Notwendigkeit einer politischen und gesellschaftlichen Umwälzung nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution überzeugt, rief er als Vorsitzender des Stuttgarter Arbeiter- und Soldatenrates bereits am 4. November 1918 in der württembergischen Hauptstadt zu einem Generalstreik auf, ohne sich vorher mit den Politikern der Mehrheitssozialdemokratie und dem örtlichen Gewerkschaftskartell zu verständigen. Als die unblutig verlaufende Staatsumwälzung in Berlin wie in Württemberg am 9. November erfolgte, saß der junge Revolutionär, gegen den der Generalstaatsanwalt ein Strafverfahren wegen Hochverrats einleiten wollte, in Haft. Aus dem Arbeiter- und Soldatenrat zog sich Rück, der sich als „auserlesenes Instrument der geschichtlichen Entwicklung“ verstand, schon am 10. November wieder zurück: Sein Aufruf, die neue württembergische Regierung aus Mehrheitssozialdemokraten, Unabhängigen Sozialdemokraten - diese hatten sich 1917 von der SPD abgespalten - und Bürgerlichen zu stürzen, hatte dort keinen Rückhalt gefunden. Rücks radikale Agitation ging selbst Rosa Luxemburg zu weit, die dessen Mitarbeit in der „Roten Fahne“ ein einstweiliges Ende setzte, nachdem er die USPD-Führung hämisch attackiert hatte.

          Obwohl er sich der Parteilinie schon bald anpasste, blieb ihm eine führende Rolle in der KPD verwehrt. Der junge Revolutionär, der schon 1917 seinen Beruf als Schriftsetzer an den Nagel gehängt und sein Brot durch den Journalismus verdient hatte, schrieb für die kommunistische Presse Artikel, Gedichte und Rezensionen und agierte als wandernder Redner und Referent. Er trat als doktrinärer Kommunist auf, der trotz anfänglichen Unmuts über die Unterordnung der deutschen Kommunisten unter die Kommunistische Internationale in Moskau deren Oktrois kritiklos folgte und gemäß dem kommunistischen Geschichtsdeterminismus die kommende Weltrevolution verkündete. Dass er bei einer Reise nach Moskau und in die Ukraine im Sommer 1921 Zeuge der dort ausgebrochenen Hungerkatastrophe wurde, minderte seine Faszination für die russische Revolution nicht. Als Feuilletonredakteur der „Roten Fahne“ pries Rück, der selbst revolutionäre Agitationslyrik verfasste, eine Arbeiterdichtung im Stile Kurt Kläbers und reduzierte die Rolle der Kunst auf ihre Funktion als Instrument im Klassenkampf.

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