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Veröffentlicht: 10.04.2017, 12:15 Uhr

Franz Pfeffer von Salomon Begabt zu sein macht’s nicht allein

Mark Fraschka hat sich die Aufgabe gestellt, den preußischen Hauptmann und hochdekorierten Frontoffizier des Ersten Weltkriegs Franz Pfeffer von Salomon der Vergessenheit zu entreißen, der ein lebensweltliches Kontrastprogramm zum Typus des ungehobelten Draufgängers im SA-Führerkorps darstellte.

von Wolfram Pyta
© Abb.a.d.bespr.Band

Die Bedeutung der nationalsozialistischen „Sturmabteilung“ (SA) für den politischen Aufstieg der Hitler-Partei ist unbestritten. Als gewaltbereiter Schlägertrupp sollte die SA den politischen Gegner einschüchtern – und dazu scheint auch das SA-Führerkorps perfekt zu passen: eine Ansammlung von Rauhbeinen und finsteren Gesellen, deren Gesicht Ernst Röhm war, der vierschrötige SA-Stabschef, der geradezu lustvoll gegen bürgerliche Normvorstellungen verstieß.

Der Schatten Röhms und seiner Landsknechtsnaturen hat allerdings verdeckt, dass es ein anderer war, der die SA zu einer schlagkräftigen organisatorischen Einheit zusammenschweißte und Hitler damit ein veritables innerparteiliches Machtinstrument zur Verfügung stellte: der westfälische Adlige Franz Pfeffer von Salomon. Von 1926 bis 1930 schuf er als „Oberster SA-Führer“ (Osaf) die strukturellen Grundlagen dafür, dass die „braunen Bataillone“ immer mehr den öffentlichen Raum in Besitz nahmen. Mark Fraschka hat sich die verdienstvolle Aufgabe gestellt, den preußischen Hauptmann und hochdekorierten Frontoffizier des Ersten Weltkriegs der Vergessenheit zu entreißen, der durch seinen Bildungsgrad und seinen Familiensinn ein lebensweltliches Kontrastprogramm zum Typus des ungehobelten Draufgängers im SA-Führerkorps darstellte.

Dass ihm dieses Unterfangen nur partiell geglückt ist, hängt nicht nur mit der schwierigen Quellenlage zusammen. Gewiss erschwert der Verlust nahezu sämtlicher persönlicher Unterlagen Pfeffers eine historische Annäherung an diese Gestalt. Aber es fällt negativ ins Gewicht, dass der Verfasser das heuristische Potential nicht ausschöpft, welches sein Untersuchungsgegenstand offeriert. Dabei hat er zu einer auf der Hand liegenden Leitfrage durchaus überzeugende Antworten parat: Der 1888 geborene Pfeffer hatte durch die Erfahrungen der Kriegsniederlage und der revolutionären Unruhen die altkonservative Gesinnung seines Standes über Bord geworfen und sich zu einem völkischen Nationalisten entwickelt, dessen zweite Natur der Kampf gegen den inneren und äußeren Feind geworden war. Daher zählte Pfeffer auch zu den Freikorpsführern der ersten Stunde, der vor allem in den beiden Haupteinsatzgebieten dieser paramilitärischen Einheiten seine Spuren hinterließ: im Baltikum und in Oberschlesien. Ähnlich wie die Freikorpsführer Ehrhardt und Roßbach gelang es Pfeffer, einen auf ihn eingeschworenen Verband zu formieren und damit das Charisma des Condottiere zu mobilisieren.

Doch Pfeffer ging nicht in der Rolle des Anführers auf, der seine Männer in waghalsige militärische Abenteuer schickte. Fraschka arbeitet heraus, dass Pfeffer – und hierin unterschied er sich von nahezu allen anderen Freikorpsführern – eine genuin politische Begabung besaß, die vor allem auf seinem ausgeprägten Organisationstalent beruhte. An diesem Punkt liefert Fraschka künftiger Forschung wertvolle Anhaltspunkte, weil der Aufstieg der SA zu einer furchteinflößenden Truppe bislang viel zu wenig unter organisatorischen Aspekten beleuchtet wurde. Hier zeigte sich die Handschrift des Generalstäblers Pfeffer, der durch ein System verbindlicher schriftlicher Anweisungen nicht nur eine schließlich 80 000 Mann zählende „Sturmabteilung“ aufbaute, sondern sich mit demselben Stil von 1924 bis 1926 als einer der frühen Gauleiter der NSDAP und ihrer Vorläuferorganisationen in Westfalen profilierte.

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