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Egon Krenz: Walter Ulbricht : Ein Fest für Walter

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Bild: Verlag Das Neue Berlin

Darauf haben betagte SED-Insider und sonstige Ostalgiker gewartet: Zum 40. Todestag steht fest, dass Ulbricht der größte DDR-Politiker aller Zeiten war - so meint Egon Krenz.

          Unter der Schlagzeile „Ein geistiger Genuss“ kommentierte das „Neue Deutschland“ am 19. Dezember 1965 die Rede Walter Ulbrichts auf dem 11. Plenum des ZK der SED - dem sogenannten „Kahlschlagplenum“, das eine der wenigen liberaleren Phasen der DDR-Politik beendete. Es sei „einfach ein ästhetisches Vergnügen zu sehen, wie mit zwingender Logik die neuen Probleme der sozialistischen Ökonomie und Gesellschaft im Zeitalter der technischen Revolution gepackt werden“, hieß es. Ähnliche Lobeshymnen über Walter Ulbricht, den ersten Staatsratsvorsitzenden der DDR, kann man nun im Jahr 2013 in einem Buch von Egon Krenz, dem letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR, nachlesen. Da wird er unter anderem zum „bedeutendsten Staatsmann der DDR“ oder zum „Förderer der Wissenschaften und der Kultur“ hochstilisiert.

          Kaum ein kritisches Wort fällt über den Gefolgsmann Stalins, der 1952 den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“ in der DDR verkündete, Zehntausende einsperren ließ und Hunderttausende außer Landes trieb, der seine innerparteilichen Gegner unerbittlich verfolgte, der Chruschtschow zum Mauerbau drängte und die auf sowjetischen Einfluss zurückzuführenden „Tauwetterperioden“ 1953 und 1956 nur widerwillig zuließ. Das Buch enthält auch wenig Erhellendes über die staatsstreichartige Entmachtung durch seinen Ziehsohn Erich Honecker im Jahr 1971, nachdem Ulbricht wegen seines Eigensinns auf den Gebieten der Wirtschafts- und Deutschland-Politik den Rückhalt bei Kreml-Chef Leonid Breschnew verloren hatte.

          Krenz dokumentiert siebzig Beiträge von Weggefährten und Zeitgenossen Ulbrichts - über weite Strecken ein Gruselkabinett der Ewiggestrigen. Das Buch ist eine Selbstvergewisserung von Teilen der ehemaligen politischen und kulturellen Elite der DDR, die immer noch glaubt, dass der SED-Staat das bessere Deutschland war, und sich von der Geschichte betrogen fühlt. Der Duktus der meisten Beiträge ist schwer erträglich - liest sich doch vieles wie Verlautbarungen des ZKs oder des Instituts für Marxismus-Leninismus. So finden sich nicht selten Formulierungen, die man längst Geschichte wähnte. Da wird von „Schreibsöldnern des Kapitals“ (ausgerechnet vom „Westler“ Diether Dehm) gesprochen oder gefordert, „die kommunistische Bewegung“ wieder zu einer „geschichtsmächtigen Kraft“ zu machen (Kurt Gossweiler).

          Egon Krenz hebt im Vorwort nicht nur die Bedeutung Ulbrichts als „Arbeiterführer“ und „Staatsmann von Format“, Marxist und antifaschistischem Kämpfer hervor, sondern vollzieht auch eine Generalabrechnung mit einer bundesrepublikanischen Geschichtspolitik, die angeblich „politisch Andersdenkende“ und die DDR insgesamt diffamiere. Der Zusammenbruch der DDR 1989/90 wird als „bittere Niederlage“ beschrieben, der verbrecherische Charakter des Regimes gänzlich verneint und implizit eine Art Siegerjustiz nach 1990 unterstellt. Krenz und seine Mitstreiter sind angetreten, nicht nur um dem Bild und der Bedeutung Walter Ulbrichts in der Geschichte den ihrer Ansicht nach gebührenden Platz zu geben, sondern auch insgesamt das Bild der DDR zurechtzurücken.

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