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Die Abwicklung : Böses Erwachen

  • -Aktualisiert am

Plakat in New York, aufgenommen am 4. April 2009 Bild: Reuters

Der Journalist George Packer räumt schonungslos und doch nüchtern auf mit der Illusion vom amerikanischen Traum, indem er die Biographien von 14 unbekannten wie prominenten Landsleuten am Leser vorüberziehen lässt.

          Wenige Bücher haben in den vergangenen Jahren auch in der breiteren amerikanischen Öffentlichkeit so viel Aufsehen erregt wie der von dem bekannten Journalisten George Packer verfasste Band zur Befindlichkeit der Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts (The Unwinding. An Inner History of the New America), der jetzt in der deutschen Übersetzung vorliegt. Packer räumt schonungslos und doch nüchtern auf mit der Illusion vom amerikanischen Traum, indem er die Biographien von 14 unbekannten wie prominenten Landsleuten am Leser vorüberziehen lässt. Nicht wenige haben das zwischen Sachbuch und Roman angelegte Werk mit den großen Erzählungen von Dos Passos bis Roth, von Steinbeck bis Mailer verglichen - jenen Arbeiten, die allesamt den Mythos von der exceptional nation, von der permanenten Aufbruchsstimmung und dem grenzenlosen Optimismus seiner Bürger beschrieben haben.

          Dass diese Zeiten der Vergangenheit angehören, davon handelt Packers tiefer Einblick in den amerikanischen Gemütszustand. Er zeigt eindrucksvoll, was die Halbzeitwahlen zum amerikanischen Kongress bestätigt haben: Amerika ist nicht nur eine gesellschaftlich zutiefst gespaltene Nation, sondern auch ein parteipolitisch in hohem Maße polarisiertes Land. Der Sieg der Republikaner und die schlechten Umfrageergebnisse für Präsident Obama zu einem Zeitpunkt, da das Land sich wirtschaftlich gerade wieder zu erholen scheint - die Arbeitslosenquote hat sich nahezu halbiert (knapp 6 Prozent), das Arbeitsministerium meldet monatlich mehr als 200 000 neue Stellen, die Zahl der offenen Stellen nimmt zu, und die Wirtschaft wuchs nicht zuletzt dank des durch Fracking bewirkten Energiewunders im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im zweiten Quartal um 4,6 Prozent -, ändern nichts an der grundsätzlich schlechten bis resignativen Stimmung im Land: Nach Umfragen sahen 60 Prozent der Amerikaner im August 2014 ihr Land im Abstieg begriffen und erklärten den amerikanischen Traum als unerreichbar für ihre Kinder.

          Der Grund hierfür ist einfach: Die meisten Amerikaner sehen spätestens seit der großen Rezession von Ende 2007 bis Mitte 2009 die Chancen auf eine wirklich nachhaltige Erholung des Landes schwinden, vor allem aber sehen sie, dass der Großteil der Erholung nur bei einem Bruchteil, nicht aber in weiten Teilen der Bevölkerung ankommt. Diejenigen, die sich nach wie vor von der geplatzten Immobilienblase erholen müssen, kämpfen unverändert mit dem Verlust von Rücklagen und dem Schock über den Arbeitsplatzverlust, selbst wenn sie eine der zirka sieben Millionen zahlreichen Teilzeitstellen im Lande finden. Das mittlere Haushaltseinkommen lag 2013 mit 52 000 Dollar in etwa auf dem Niveau von 1995 - mit nur geringen Aussichten auf eine Steigerung im kommenden Jahr. Auf der anderen Seite sitzen die großen Konzerne auf riesigen Bargeldbeständen, und die an die Aktienkurse gekoppelten Boni für Manager erfreuen sich längstens wieder erheblicher Zuwächse.

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