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Der Schah-Besuch 1967 : Studenten-Tod als Notstands-Übung?

Demonstranten am 2. Juni 1967 Bild: Foto Max Scheler, Max Scheler Nachlass Hamburg

Neun Tage dauerte der Staatsbesuch des persischen Schahs Mohammed Reza Pahlavi im Mai/Juni 1967. Zur Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik wurde seine kurze Berlin-Visite am 2. Juni, weil bei einer Demonstration der Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg erschoss.

          Neun Tage dauerte der Staatsbesuch des persischen Schahs Mohammed Reza Pahlavi und seiner Frau Farah im Mai/Juni 1967. Zur Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik wurde die kurze Berlin-Visite des Kaiserpaares, weil bei einer Demonstration der Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg erschoss. Mit den Ereignissen vom 2. Juni setzte eine Dekade ein, in der sich ein Teil der akademischen Jugend „politisch radikalisierte. Eine kleine Minderheit endete im Linksterrorismus, der die Bundesrepublik bis zum ,Deutschen Herbst‘ 1977 in Atem hielt, dem Höhe- und Wendepunkt in der Auseinandersetzung zwischen Staat und Rote-Armee-Fraktion (RAF)“, schreibt der in London lehrende Historiker Eckard Michels. Er rekonstruiert exzellent und präzise auf breiter Quellenbasis Vorgeschichte, Verlauf und Folgen eines Staatsbesuches, der bisher oft einseitig dargestellt worden sei, weil sich die Perspektive der Berliner Demonstranten durchgesetzt habe. So würden die vor dem 2. Juni durch den Staatsbesuch ausgelösten bundesweiten Proteste und die überall zu verzeichnenden Sicherheitsmaßnahmen der Behörden ausgeblendet.

          Rainer  Blasius

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Zur iranischen Opposition in der Bonner Republik zählten Mitte der sechziger Jahre zwischen vier- und sechstausend Studenten; in Heidelberg formierte sich der Dachverband iranischer Studentengruppen in den Ländern Europas und in den Vereinigten Staaten CISNU. Dieser trat ab 1963 für den Sturz des autokratischen Regimes in Teheran ein. Ebenfalls befand sich das Europa-Hauptquartier des iranischen Geheimdienstes SAVAK in der Bundesrepublik. Von Köln aus wurden Auslandsstudenten überwacht und Kontakte zum Bundesamt für Verfassungsschutz unterhalten. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) habe sich bis zum Schah-Besuch 1967 relativ wenig für Iran interessiert, betont Michels. Das änderte sich durch ein im Februar 1967 erschienenes Taschenbuch „Persien, Modell eines Entwicklungslandes oder Die Diktatur der Freien Welt“ von Bahman Nirumand. Bis zum Schah-Besuch waren davon 25 000 Exemplare verkauft. Laut Michels habe es sich um ein „in statistischer Hinsicht erstaunlich überholtes Werk“ gehandelt; es schien Krisendiagnosen und Lösungen anzubieten, „um die Unterentwicklung des Iran wie der Dritten Welt insgesamt verstehen und beheben zu können“, samt flammendem Appell an die studentische Avantgarde des Westens, die „Manipulation des Bewusstseins“ zu durchbrechen „zum Wohle der Ersten wie der Dritten Welt“.

          Der Staatsbesuch bot der CISNU Gelegenheit, Verbündete im Kampf gegen das Schah-Regime zu gewinnen. In verschiedenen Städten wurden Demonstrationen geplant; die „Kommune I“ leistete ihren Beitrag zum Protest an der Spree in Form von „Flugblättern, der Herstellung von Farbeiern und Rauchbomben sowie dem Entwurf und kommerziellen Vertrieb der berühmten Papiertüten mit den aufgedruckten stilisierten Konterfeis von Mohammed Reza und Farah Pahlavi. Diese sollten sich Demonstranten über den Kopf stülpen, um das Kaiserpaar als hohle und austauschbare ,Charaktermasken‘ zu karikieren und sich zugleich vor Verfassungsschutz und SAVAK zu tarnen.“

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