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Bund Freiheit der Wissenschaft : Professoren in Aktion

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Bild: Abb. aus dem bspr. Bd.

Svea Koischwitz schildert die Entwicklung des Bundes Freiheit der Wissenschaft in seiner Hochzeit. Dabei sahen sich die im BFW tonangebenden Professoren durch den Druck der Studenten und die politischen Steuerungsversuche von unten und oben in die Zange genommen.

          Am 18. November 1970 kamen über 1500 Wissenschaftler und Vertreter anderer Berufsgruppen in Bad Godesberg zusammen, um den „Bund Freiheit der Wissenschaft“ (BFW) zu gründen. Bis Mitte der 1970er Jahre wuchs er auf rund 5000 Personen an. Die Professoren waren darunter in der Minderheit, prägten aber doch das Erscheinungsbild des Verbandes. Dessen Mitglieder kamen aus unterschiedlichen politischen Milieus, wobei zur Führungsriege sozialdemokratische Reformer wie etwa Hermann Lübbe zählten. Auch der Erfinder des Vereinsnamens, der Historiker Ernst Nolte, galt damals mit seiner typologisch verfahrenden Faschismusanalyse noch keineswegs als konservativ.

          Die Reformer waren über die theoretische Radikalität und praktizierte Intoleranz der Achtundsechziger erschrocken und versuchten, den Kernbestand der Universität zu verteidigen, nämlich die Lehr- und Forschungsfreiheit. Viele zogen Parallelen zur Lage der Hochschulen um 1933. Spätestens mit dem Austritt des Politikwissenschaftlers Richard Löwenthal 1978 entwickelte sich der BFW dann stärker zu einer Vorfeldorganisation der Union. Svea Koischwitz schildert in ihrer Kölner Dissertation die Entwicklung des BFW in seiner Hochzeit zuvor, als es ihm gelang, wissenschaftspolitisch Einfluss zu nehmen. Dabei sahen sich die im BFW tonangebenden Professoren durch den Druck der Studenten und die politischen Steuerungsversuche von unten und oben in die Zange genommen. Natürlich ging es den Professoren durchaus auch um ihre Standesprivilegien, zumindest um einen Teil davon, die sie aber auch inhaltlich zu begründen suchten.

          Die Autorin hatte das Pech, dass parallel zu ihrer Arbeit eine Dissertation zum selben Thema verfasst und bereits 2014 publiziert wurde (siehe F.A.Z. vom 30. Dezember 2014), ein Albtraum jedes Doktoranden. Allerdings konnte die Verfasserin noch andere Quellen heben – und natürlich ist jede geisteswissenschaftliche Arbeit anders angelegt und führt auch zu ergänzenden Erkenntnissen. Im Kern bestätigt Koischwitz aber die frühere Studie von Nikolai Wehrs, was für die Belastbarkeit der entsprechenden Erkenntnisse auch ein Gewinn ist. Damit muss endgültig die zeitgenössische Feindwahrnehmung und manch hartnäckige Legende deutlich korrigiert werden, denn die BFW-Mitglieder waren, so die Autorin, jünger, „als es die ,Verschwörungstheorie‘ suggeriert. Ihre Einstellungen waren, um Begriffe der Zeit zu nutzen, zudem ,moderner‘ und ,progressiver‘ als unterstellt. So traten sie etwa für eine notwendige Hochschulreform, die Abschaffung der Ordinariate und eine Besserstellung der Nichtordinarien und Assistenten ein. Sie standen zwar noch mit einigen ihrer Forderungen in der Tradition des ,Mythos Humboldt‘, aber sie waren keine Anhänger des ,Humboldtianismus‘. Weiterhin können sie als Vorreiter des Konzeptes der ,managerial revolution‘ und der ,unternehmerischen Universität‘ des 21. Jahrhunderts gelten. Hinsichtlich des politischen Standorts verband der BFW Mitglieder aller ,demokratisch legitimierten‘ Parteien und kann schwerlich als ,rechtsextrem‘ eingestuft werden“.

          Andere Erkenntnisse werden kaum jemanden zur Berichtigung seiner Vermutungen bewegen müssen. So schreibt die Autorin, dass die „Untersuchung der Lebensläufe von Erwin K. Scheuch, Friedrich H. Tenbruck, aber auch von Walter Rüegg“ gezeigt habe, dass „sich im BFW eher Soziologen zusammenfanden, die den Theorien der Frankfurter Schule kritisch gegenüberstanden und sich anderen Zweigen der Disziplin zuordneten“. Dazu gehörte zweifelsohne der Kölner Soziologe Scheuch, der von seinen Gegnern aus der Frankfurter Schule der Gruppe der „Fliegenbeinzähler“ – also der empirisch-sozialwissenschaftlich arbeitenden Soziologen – zugeschlagen wurde. Anders als etwa Theodor W. Adorno hatte Scheuch sich stark von den amerikanischen Methoden der empirischen Sozialforschung inspirieren lassen und setzte auf harte Empirie statt marxistisch inspirierte Kulturkritik. Scheuch war wie viele andere spätere BFW-Mitglieder aber keinesfalls ein geborener Konservativer. 1967 hatte er noch den Kölner Trauermarsch für Benno Ohnesorg angeführt und war Mitglied des „Republikanischen Clubs“ der Domstadt, einer rätedemokratischen APO-Vereinigung. Ferner opponierte Scheuch gegen die Notstandsgesetze der Großen Koalition, ein zentrales Protestthema der damaligen Zeit.

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