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BND und Partnerdienste : Von Schnüfflern und Unterwanderern

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Ein Mann schaut am 15. Juli 1995 in Bonn durch ein Fernglas Bild: Picture-Alliance

Es gehört zum Selbstverständnis von Geheimdiensten, sich mit eigenen Mitteln Informationen aus den Regierungskanzleien und der Wirtschaft befreundeter Staaten zu beschaffen, anstatt sich auf den Wissensstand der Medien und der diplomatischen Vertretungen zu verlassen. Ungeachtet aller Bündnisverflechtungen hat das nationalstaatliche Interesse jedes einzelnen Landes bis heute den Vorrang behalten vor den anderen Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit.

          Seit dem NSA-Skandal hat das öffentliche Interesse an nachrichtendienstlicher Tätigkeit innerhalb des eigenen Bündnissystems deutlich zugenommen. Es gehört zum Selbstverständnis von Geheimdiensten, sich mit eigenen Mitteln Informationen aus den Regierungskanzleien und der Wirtschaft befreundeter Staaten zu beschaffen, anstatt sich auf den Wissensstand der Medien und der diplomatischen Vertretungen zu verlassen. Ungeachtet aller Bündnisverflechtungen im militärischen und wirtschaftlichen Bereich, ungeachtet auch der politisch-rechtlichen Integration in Europa, hat das nationalstaatliche Interesse jedes einzelnen Landes bis heute den Vorrang behalten vor den anderen Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit.

          Von dieser These ausgehend, stellen die Autoren die Frage, wie der westdeutsche Dienst – zuerst die „Organisation Gehlen“, seit 1956 der Bundesnachrichtendienst (BND) – seine Beziehungen zu den wichtigsten Nato- und EWG-Partnern und den neutralen Staaten Europas gestaltete und welche Kenntnisse bislang über das gegenseitige Ausspähen vorliegen. Obwohl Geheimdienstakten bis auf wenige Ausnahmen in allen Ländern unter Verschluss gehalten werden, gibt es genügend frei zugängliches archivalisches Material, das tiefe Einblicke in die Mentalität der Geheimdienste erlaubt. Es bringt Licht ins Halbdunkel des Umgangs der Agenten mit Repräsentanten in Politik, Wirtschaft und Kultur einzelner Staaten. Neben Italien und dem Vatikan, denen das instruktivste Kapitel gilt, werden Österreich und die Schweiz, Frankreich und Großbritannien, Dänemark, Schweden, Finnland und schließlich die Vereinigten Staaten von Amerika behandelt. Die frühen Jahrzehnte des Kalten Krieges bis zum Beginn der Entspannungspolitik um 1970 bilden den Schwerpunkt – vereinzelte Informationen über die Entwicklung seither ergeben vorerst kein zusammenhängendes Bild.

          Es kann nicht verwundern, dass in der Aufbauzeit des westdeutschen Geheimdienstes hierzulande wie in allen Partnerländern die Zeitgenossen der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkriegs den Ton angaben. Sie brachten ihre Erfahrungen aus den dreißiger und vierziger Jahren mit, und dazu gehörten auch die ideologischen Vorurteile und Feind-Zuschreibungen. In erster Linie galt das wache Misstrauen den kommunistischen Parteien im Westen und der Sowjetunion, dann aber den Vormächten der westlichen Demokratie, vor allem den Vereinigten Staaten.

          Infolge der Verflechtung von Misstrauen, Neugier und Abneigung erhielten Rom und der Vatikan bis in die 1960er Jahre eine herausgehobene Bedeutung. Über die Vatikan-Kontakte des BND konnte die rechtskonservative, antiamerikanische „Abendländische Aktion“ des Fürsten Waldburg-Zeil mit ihrer Zeitschrift „Neues Abendland“ innenpolitischen Einfluss im christdemokratisch-katholischen Lager gegen die politische Westorientierung gewinnen. Von 1958 bis 1963 richtete sich direkte Spionage gegen Papst Johannes XXIII., weil dieser wegen der Ostpolitik des Vatikans wachsenden Argwohn auf sich zog.

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