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Beate Neuss/ Hildigund Neubert (Herausgeberinnen): Mut zur Verantwortung : Und Mutti lässt schön grüßen!

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Politikerinnen der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag 2011 Bild: Abb. aus dem bespr. Band

Beate Neuss und Hildigund Neubert, die im Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung sind, geben eine Geschichte der CDU aus den Autobiographien von 58 Politikerinnen heraus.

          Der Band war überfällig: eine Geschichte der CDU aus den politischen Autobiographien von 58 Politikerinnen mit einem Vorwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Herausgeberinnen sind die Chemnitzer Politikwissenschaftlerin Beate Neuss und die Thüringer Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Hildigund Neubert, 1989 Mitgründerin des Demokratischen Aufbruchs in Berlin. Beide sind Mitglieder des Vorstands der Konrad-Adenauer-Stiftung. Frau Neubert gehört selbst zu den sich vorstellenden Politikerinnen. Frau Neuss leitet das Buch mit einer vorzüglichen Übersicht ein, die die Zeugnisse der Christdemokratinnen zusammenfasst und typologisiert.

          Die meisten Beiträge sind Interviews, einige sind selbstverfasste Lebensläufe, aber alle entlang eines strukturierten Leitfadens. Um die Entwicklung von Frauenkarrieren historisch-typologisch erfassen zu können, sind die Autorinnen nicht alphabetisch, sondern nach dem Geburtsjahr gereiht. Die Sammlung beginnt mit Marie-Elisabeth Klee (Jahrgang 1922), in den sechziger Jahren Bundestagsabgeordnete, und endet mit Kristina Schröder (Jahrgang 1977), Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend in der christlich-liberalen Koalition Angela Merkels. Alle Politikerinnen geben Auskunft über ihre Sozialisation sowie ihren privaten, beruflichen und politischen Werdegang. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem steinigen Weg der Frauen, die 1919 in Deutschland zum ersten Mal wählen durften, bis zur vollen politischen Teilhabe - ein Weg, der noch nicht zu Ende ist, trotz einer Frau im Kanzleramt. Während Konrad Adenauer eine Frau im Kabinett (Elisabeth Schwarzhaupt) noch abgerungen werden musste, weist die CDU-Seite von Angela Merkels letztem Kabinett ein ausgewogenes Verhältnis aus: einschließlich der Kanzlerin vier Männer und vier Frauen. Aber in der Fraktion und in den Parteigremien gilt es noch vieles zu verbessern.

          Beate Neuss unterscheidet zwischen drei Generationen: jener, die in der Diktatur und im Krieg geprägt wurde, der mittleren Generation der 1940er und 1950er Jahrgänge, die von der Nachkriegszeit und der gesellschaftlichen Umwälzung der 1960er Jahre beeinflusst wurde, und der jüngeren Generation, die zwischen 1960 und 1980 geboren wurde und die Auseinandersetzungen um die Friedensbewegung sowie den Wandel des Parteiensystems erlebte. Eine eigene Kategorie bilden die Frauen, die mit der Wiedervereinigung aus Ostdeutschland die CDU bereicherten. Besonders interessant ist die Frage, wie die Zeitzeuginnen selbst den Weg der Frauen in ihrer eigenen Partei sehen. Je nach Generation werden unterschiedliche Modernisierungsschübe ausgemacht. Die Älteren, darunter die frühere Bundesministerin Dorothee Wilms (geboren 1929), erfuhren die Übernahme der CDU-Führung durch Helmut Kohl und Kurt Biedenkopf 1973 als Modernisierungsmotor auch für Frauenkarrieren, nachdem der erste CDU-Kongress zum Thema „Frau und Arbeitswelt“ 1964 in Bochum noch ohne große Wirkung geblieben war. Von der mittleren Generation wird der Essener Bundesparteitag 1985 als einschneidend empfunden, den Generalsekretär Heiner Geißler unter Mitwirkung von Rita Süssmuth (geboren 1937) zum Thema einer „neuen Partnerschaft zwischen Mann und Frau“ gestaltete. Im selben Jahr wurde Süssmuth Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit und im Jahr danach Vorsitzende der Frauenvereinigung/Frauen Union der CDU.

          Fast alle Christdemokratinnen verdanken ihre Karriere der Quote beziehungsweise dem Quorum und viele der Förderung durch prominente Männer ihrer Partei, weisen aber zu Recht darauf hin, dass eine ausgesprochene oder unausgesprochene Quotierung auch bei Männern in vielerlei Gestalt (Region, Berufsbranche, Konfession) immer stattfand. Die Motive für den Einstieg in die Politik ergaben sich aus der alltäglichen Lebenswelt, besonders aus der Schulpolitik. Die Frauenorganisationen (seit 1988: Frauen Union) spielten seit 1951 eine wichtige Rolle unter der Führung von beeindruckenden Persönlichkeiten wie Helga Wex, Aenne Brauksiepe, Elisabeth Schwarzhaupt und Helene Weber. Die Frauen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration hatten mit extremen Belastungen im Privatleben zu kämpfen, konnten damit ein politisches Leben kaum verbinden und hatten, wenn sie als Mütter in die Politik gingen, sich noch mit einem konservativen Familienbild in der Partei auseinanderzusetzen.

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