http://www.faz.net/-gpf-8wbvk

Historiker Erich Maschke : Gegen den Osten immer auf Posten

  • -Aktualisiert am

Eingangsbereich der Universitätsbibliothek Albertina der Universität Leipzig Bild: Jens Gyarmaty

Barbara Schneider beleuchtet Erich Maschkes Rolle als Ostforscher. Die erste Phase seines wissenschaftlichen Lebens begann in Königsberg als Assistent von Hans Rothfels, dem späteren renommierten Tübinger Zeithistoriker, der als Jude 1938 in die Emigration gezwungen wurde.

          Historiker werden zunehmend zum Gegenstand (zeit)historischer biographischer Untersuchungen. Der 1982 gestorbene Erich Maschke war Ostforscher und Mediävist. Thematische Schwerpunkte seiner Arbeit waren: völkisches Denken und „deutscher Osten“, Deutscher Ritterorden und mittelalterliche Stadtgeschichte; später dann Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs. Es liegt insofern nahe, der im Untertitel des Buches formulierten Leitfrage nach der Verflechtung von Wissenschaft und politischem Engagement in dieser Gelehrtenbiographie nachzugehen. Sie war im wörtlichen und übertragenen Sinne ziemlich abenteuerlich.

          Hier soll vor allem Maschkes Rolle als Ostforscher interessieren. Die erste Phase seines wissenschaftlichen Lebens begann in Königsberg als Schüler und zeitweiliger Assistent von Hans Rothfels, dem späteren renommierten Tübinger Zeithistoriker, der als Jude 1938 in die Emigration gezwungen wurde. In diesen Jahren zeigt Maschkes Biographie viele Parallelen zu den vor allem seit dem Frankfurter Historikertag 1998 ins Visier der politischen Kritik geratenen Vätern der westdeutschen Sozialgeschichte Theodor Schieder und Werner Conze (erst mit Verspätung kam auch Hermann Aubin dazu).

          Es war das jugendbewegt-völkische, nationalistische, antislawische und zum Teil auch antisemitisch geprägte Grenzlandmilieu, das politische Aktivitäten und Publikationen dieser jungen Historiker wesentlich mitbestimmte. Für Maschke spielten die bündische Zeitschrift „Weißer Ritter“ und die Gruppe der „Neupfadfinder“ eine erhebliche Rolle, in deren Vorstellungswelt Reich und Volksgemeinschaft, Führer und Gefolgschaft zentrale Begriffe waren. Aus diesem Milieu ergaben sich die Nähe zum Nationalsozialismus, die Ausrichtung an der „Volksgeschichte“, aber auch der Bruch mit einigen Traditionen des Historismus. Insofern baute er auch Brücken zur späteren Sozialgeschichte in der Bundesrepublik.

          Nimmt man allein die für die dreißiger und vierziger Jahre in Barbara Schneiders Buch wiedergegebenen Zitate aus seinen Schriften und Briefen, so war Maschke ohne Frage ein überzeugter Nationalsozialist, als Parteimitglied und als Schulungsleiter, aber auch als Historiker. So versuchte er als Mediävist, die Geschichte der Staufer mit rassischen Kategorien zu interpretieren. Auch wenn er nach seinem Wechsel an die Universität Jena (1935) und seiner kurzen Soldatenzeit in Polen 1939/40 keine herausgehobenen politischen Posten hatte, gibt es an seiner damaligen Einstellung kaum Zweifel. „Die Einschätzung drängt sich geradezu auf“, konstatiert die Autorin, „dass er sich der nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungspolitik bereitwillig zur Verfügung stellte“. Sein besonderes publizistisches Interesse galt dem durch die NS-Politik buchstäblich „grenzenlos“ gewordenen „deutschen Osten“, in dem Juden und Slawen gewissermaßen Störfaktoren für die historisch und rassisch begründete und legitimierte deutsche Herrschaft bildeten.

          Weitere Themen

          Gefühlt im Recht

          Rechtspopulismus : Gefühlt im Recht

          Hass, Wut, Angst – was treibt Menschen an, rechtspopulistischen Bewegungen ihre Stimme zu geben? In seinem Essay über „Zornpolitik“ versucht Uffa Jensen, politische Emotionen zu erklären.

          Die Wahlplakate im Check Video-Seite öffnen

          So sehen Fotografen Politiker : Die Wahlplakate im Check

          Wie inszenieren sich Politiker wie Angela Merkel und Martin Schulz vor Fotografen? Seit mehreren Jahrzehnten ist Fotograf Marc Darchinger Mitglied der Bundespressekonferenz. Er analysiert die Fotos und Wahlplakate, die derzeit das Bild auf den deutschen Straßen bestimmen.

          Tabubrecher AfD

          Dritte Kraft im Bundestag : Tabubrecher AfD

          Nun ist die AfD im Bundestag, mit demokratischem Gütesiegel und Millionen an Staatsgeldern. Doch im Parlament wäre sie nicht die erste Partei, die vorgeführt wird.

          Topmeldungen

          Merkel nach der Wahl : Die Unerschütterliche

          Angela Merkel hätte, nachdem der Union so viele Wähler davongelaufen sind, Grund genug, ihre Politik zu ändern. Doch die Kanzlerin will das nicht erkennen. Ein Kommentar.
          Emmanuel Macron an der Sorbonne.

          Macrons Europa-Rede : Albtraum für Paris

          Frankreichs Präsident stellt seine Vision für Europa vor. Doch für ihn könnte ein Albtraum wahr werden: In einer Jamaika-Koalition säße die FDP, die unter neuer Führung klar gegen den Irrweg Transferunion Stellung bezieht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.