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Veröffentlicht: 03.04.2017, 10:49 Uhr

Historiker Erich Maschke Gegen den Osten immer auf Posten

Barbara Schneider beleuchtet Erich Maschkes Rolle als Ostforscher. Die erste Phase seines wissenschaftlichen Lebens begann in Königsberg als Assistent von Hans Rothfels, dem späteren renommierten Tübinger Zeithistoriker, der als Jude 1938 in die Emigration gezwungen wurde.

von Christoph Klessmann
© Jens Gyarmaty Eingangsbereich der Universitätsbibliothek Albertina der Universität Leipzig

Historiker werden zunehmend zum Gegenstand (zeit)historischer biographischer Untersuchungen. Der 1982 gestorbene Erich Maschke war Ostforscher und Mediävist. Thematische Schwerpunkte seiner Arbeit waren: völkisches Denken und „deutscher Osten“, Deutscher Ritterorden und mittelalterliche Stadtgeschichte; später dann Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs. Es liegt insofern nahe, der im Untertitel des Buches formulierten Leitfrage nach der Verflechtung von Wissenschaft und politischem Engagement in dieser Gelehrtenbiographie nachzugehen. Sie war im wörtlichen und übertragenen Sinne ziemlich abenteuerlich.

Hier soll vor allem Maschkes Rolle als Ostforscher interessieren. Die erste Phase seines wissenschaftlichen Lebens begann in Königsberg als Schüler und zeitweiliger Assistent von Hans Rothfels, dem späteren renommierten Tübinger Zeithistoriker, der als Jude 1938 in die Emigration gezwungen wurde. In diesen Jahren zeigt Maschkes Biographie viele Parallelen zu den vor allem seit dem Frankfurter Historikertag 1998 ins Visier der politischen Kritik geratenen Vätern der westdeutschen Sozialgeschichte Theodor Schieder und Werner Conze (erst mit Verspätung kam auch Hermann Aubin dazu).

Es war das jugendbewegt-völkische, nationalistische, antislawische und zum Teil auch antisemitisch geprägte Grenzlandmilieu, das politische Aktivitäten und Publikationen dieser jungen Historiker wesentlich mitbestimmte. Für Maschke spielten die bündische Zeitschrift „Weißer Ritter“ und die Gruppe der „Neupfadfinder“ eine erhebliche Rolle, in deren Vorstellungswelt Reich und Volksgemeinschaft, Führer und Gefolgschaft zentrale Begriffe waren. Aus diesem Milieu ergaben sich die Nähe zum Nationalsozialismus, die Ausrichtung an der „Volksgeschichte“, aber auch der Bruch mit einigen Traditionen des Historismus. Insofern baute er auch Brücken zur späteren Sozialgeschichte in der Bundesrepublik.

Nimmt man allein die für die dreißiger und vierziger Jahre in Barbara Schneiders Buch wiedergegebenen Zitate aus seinen Schriften und Briefen, so war Maschke ohne Frage ein überzeugter Nationalsozialist, als Parteimitglied und als Schulungsleiter, aber auch als Historiker. So versuchte er als Mediävist, die Geschichte der Staufer mit rassischen Kategorien zu interpretieren. Auch wenn er nach seinem Wechsel an die Universität Jena (1935) und seiner kurzen Soldatenzeit in Polen 1939/40 keine herausgehobenen politischen Posten hatte, gibt es an seiner damaligen Einstellung kaum Zweifel. „Die Einschätzung drängt sich geradezu auf“, konstatiert die Autorin, „dass er sich der nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungspolitik bereitwillig zur Verfügung stellte“. Sein besonderes publizistisches Interesse galt dem durch die NS-Politik buchstäblich „grenzenlos“ gewordenen „deutschen Osten“, in dem Juden und Slawen gewissermaßen Störfaktoren für die historisch und rassisch begründete und legitimierte deutsche Herrschaft bildeten.

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