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Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg : Der Preis der Befreiung

Besucher sitzen im Juni 2012 am Denkmal «Westerplatte» in Gdansk (Danzig). Die Westerplatte ist in Polen das Symbol des Widerstandes gegen das nationalsozialistische Deutschland. Am 1. September 1939 begann mit dem Beschuss dieses polnischen Stützpunktes der deutsche Angriff auf Polen. Bild: dpa

Zum 75. Jahrestag des Kriegsbeginns liegt eine Gesamtschau des Zweiten Weltkrieges in fünfzig Kapiteln vor. In diesem Meisterwerk springt Antony Beevor in einem atemberaubenden Erzähltempo zwischen den verschiedenen Kriegsschauplätzen und Machtzentren hin und her.

          Bestseller über die Schlachten um Kreta, Stalingrad, die Normandie und Berlin sowie eine Edition der Papiere des sowjetischen Schriftstellers jüdischer Herkunft Wassili Grossman machten den britischen Militärhistoriker Anthony Beevor bekannt. Zum 75. Jahrestag des Kriegsbeginns 1939 liegt jetzt seine Gesamtschau des Zweiten Weltkrieges in fünfzig Kapiteln vor. In diesem Meisterwerk springt der Autor in einem atemberaubenden Erzähltempo zwischen den verschiedenen Kriegsschauplätzen und Machtzentren hin und her, um deutlich zu machen, wie einzelne Aktionen und Entscheidungen direkt und indirekt aufeinander einwirkten.

          Rainer  Blasius

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Bei der August-Krise von 1939 stellt Beevor Hitlers Entschlossenheit heraus: „Nazideutschland heizte seinen Propagandakrieg gegen Polen an. Die Schuld für die Invasion, die bereits intensiv vorbereitet wurde, sollte diesem zugeschoben werden. Hitler vermied sorgfältig jegliche Verhandlungen.“ Einerseits habe das NS-Regime Berichte über „die Unterdrückung der rund 800 000 ethnischen Deutschen, die in Polen lebten“, bedenkenlos manipuliert. Andererseits hätten Hitlers Drohungen gegen Polen „diskriminierende Maßnahmen gegen die deutschen Polen zur Folge“ gehabt, „worauf 70 000 Ende August ins Reichsgebiet flüchteten. Polnische Behauptungen, Deutsche seien vor Beginn des Konflikts in Subversions-Akte verwickelt gewesen, trafen ziemlich sicher nicht zu“, konstatiert Beevor.

          Als Reaktion auf den deutschen Angriff am 1. September 1939 und die Kriegserklärungen Großbritanniens und Frankreichs zwei Tage später seien die meisten Deutschen „verwirrt und deprimiert“ gewesen. Demgegenüber habe die Nachricht von der „zweifachen Kriegserklärung“ in Warschau „einen Freudentaumel“ ausgelöst: „Viele Polen waren in ihrem Optimismus überzeugt, die versprochene französische Offensive werde das Blatt in diesem Krieg rasch zu ihren Gunsten wenden.“ Es kam anders, zumal am 17. September sowjetische Truppen die Ostgrenze Polens überschritten. In Übereinstimmung mit der jüngeren Forschung sieht Beevor im Polenfeldzug und den nachfolgenden „Ereignissen“ den opferreichen „Probelauf für Hitlers späteren Rassenkrieg gegen die Sowjetunion“.

          Während der Phase der „drôle de guerre“ 1939/40 war in Frankreich „kaum zu übersehen“, dass „dieser Krieg keine Unterstützung fand. Die deutsche Behauptung, die Franzosen seien von den Briten in den Krieg gezwungen worden und würden die Hauptlast der Kämpfe zu tragen haben, tat ihre Wirkung.“ Zeitgleich mit dem deutschen „Sturmlauf im Westen“ am 10. Mai 1940 vollzog sich in London der Wechsel von Neville Chamberlain zu Winston Churchill. Der neue Regierungschef konnte noch vor der Kapitulation Frankreichs große Teile des britischen Expeditionskorps über den Kanal zurückführen. Churchill lehnte Verhandlungen mit Hitler ab in der Überzeugung, „dass dessen Bedingungen Großbritannien zu einem ,Sklavenstaat‘ unter einer Marionettenregierung erniedrigen würden“. Der „Luftschlacht um England“ widmet Beevor ein eigenes Kapitel und würdigt dabei, dass die Exil-Polen das größte ausländische Kontingent mit über 8000 Angehörigen der Luftstreitkräfte stellten. Die außergewöhnlichen Belastungen der Piloten aller Staaten hebt er hervor: Angst, Erschöpfung, Stress. Und er arbeitet für einzelne Fronten Probleme der Koalitions-Kriegführung - insbesondere die Eifersüchteleien unter den Oberbefehlshabern - eindrucksvoll heraus, ob nun in Nordafrika, auf Sizilien oder im Pazifik.

          Der deutsche Einmarsch in die Sowjetunion im Juni 1941 und der japanische Überfall auf Pearl Harbor im Dezember schmiedeten die „große Allianz“ mit Churchill, Stalin und Roosevelt an der Spitze. Wenige Wochen später fand die berüchtigte Wannsee-Konferenz statt, weil - so Beevor - aus Hitlers Sicht „der Konflikt wahrhaft global geworden“ sei und nach seiner „verqueren Logik“ die Juden nun „büßen“ sollten. Um den millionenfachen Mord „so weit wie möglich geheim zu halten“, habe das NS-Regime alles getan, „aber Zehntausende waren daran beteiligt“. Durch die „aktive Beteiligung von Wehrmacht, von Beamten fast aller Ministerien, eines großen Teils der Industrie und des Verkehrswesens machten sich derart viele Menschen schuldig, dass die deutsche Nachkriegsgesellschaft lange brauchte, um dies einzugestehen“.

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