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Albert Speer : Spätere Hinrichtung nicht ausgeschlossen ...

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Ausstellung „Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit“ im Dokumentationszentrum in Nürnberg Bild: dpa

Den Speer-Biographen Joachim C. Fest und Gitta Sereny wirft der Historiker Brechtken vor, ob aus Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit, die Archive nicht konsultiert zu haben. Sie hätten die „Fabeln“ Speers immer weiter kolportiert und ihnen literarische Qualität und Popularität verschafft.

          Er sei Hitlers einziger Freund gewesen, so behauptete der Architekt Albert Speer nach seiner Gefängniszeit. Es war wohl diese Suggestion einer besonderen Nähe zu dem Diktator, die ihm eine zweite Karriere als Medienstar ermöglichte. Er wurde der meistzitierte Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts, wie Magnus Brechtken, der stellvertretende Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München, in einer neuen Biographie hervorhebt. Speer sei es gelungen, sich als verführter Bürger und unpolitischer Technokrat darzustellen, der aber bei seiner fleißigen Arbeit als Rüstungsminister des „Führers“ kaum etwas von den Verbrechen des NS-Regimes wahrgenommen habe. Er zeigte sich als reumütiger Sünder, der sich zwar keiner persönlichen Schuld bewusst sei und guten Glaubens dem von ihm verehrten Diktator diente, distanzierte sich aber nun von allen Bösewichtern an der Führungsspitze. Speer gab sich als der „gute“ Nazi, gebildet und gutbürgerlich, der sich als Mahner an die Nachwelt wandte.

          Brechtken hat die weithin bekannte Speer-Geschichte jetzt noch einmal aufgegriffen und versteht sie als exemplarisch für Millionen Deutsche, die im Sinne Hitlers „funktionierten“. Gemeint ist der „Typus des bürgerlichen Deutschen“, der dem Regime willig diente und nach 1945 nicht die Einsicht hatte, sich über seine Taten eine „ehrliche“ Rechenschaft zu geben. So werden bei Brechtken aus Mitläufern unterschiedslos Mittäter. Für ihn zählen nur die Taten. Ein Nazi sei derjenige, der nationalsozialistisch „handelt“. Deshalb gelten nicht die Einlassungen nach 1945, sondern allein die Zeitdokumente. Nur sie erzählen die Wahrheit, und wer die nationalsozialistische Zeit verstehen wolle, müsse sich die Mühe machen, in die Archive zu gehen.

          Dass die historische Forschung (etwa Ludolf Herbst, Klaus-Dietmar Henke und die Arbeiten des Rezensenten zur Rüstungspolitik) viele Einlassungen Speers über seine Rolle im Zweiten Weltkrieg schon bald nach seinen Bestseller-Erfolgen kritisch hinterfragt und widerlegt hat, ist dem Verfasser kaum eine Erwähnung wert. In seinem kurzen Prolog hebt der Autor die „Arbeiten vieler meist wenig bekannter Historikerinnen und Historiker“ hervor, die als Fachleute aus den Archiven Puzzlesteine geholt hätten, die bislang aber nicht zu einem größeren Bild zusammengesetzt worden seien.

          Die erste Hälfte der Biographie folgt dem Lebenslauf Speers bis 1945. Dass dessen Memoiren und weitere Einlassungen oft bis ins Detail geschönt oder verzerrt worden sind, füge sich in ein Lügengebäude, das der Architekt Speer geschickt errichtet habe. Ihm sei es sein ganzes Leben lang allein darum gegangen, für sich selbst stets das Beste herauszuholen. Schon der Bericht über seine Geburt sei – abgesehen von Ort und Datum – frei erfunden. Speer beruft sich allerdings auf Erzählungen seiner Mutter, die sich an Gewitterdonner erinnern wollte, der das Glockenläuten der nahen Christuskirche in Mannheim übertönt habe. Dass ein Gewitter an jenem Tag erst nachmittags in Erscheinung getreten ist und von der Kirche damals noch nicht einmal das Fundament gestanden habe, hat schon Matthias Schmidt 1982 in seiner Arbeit über das Ende des Speer-Mythos enthüllt. Wie sich dieser Säugling zu einem ehrgeizigen jungen Mann und innerhalb weniger Jahre zum Star-Architekten und Baumeister des „Dritten Reiches“ entwickelte, lässt auf besondere Talente schließen. Seine Skrupellosigkeit und Durchsetzungsfähigkeit vermochten ihre Wirkung nur zu entfalten, weil es Speer gelang, Hitler als seinen väterlichen Freund zu gewinnen. Für den Diktator, der gern an den Künstler in sich glauben wollte, wurde Speer ein verhätscheltes Alter Ego.

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