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Akten zur Auswärtigen Politik : Berlin geteilt und Bonn bedroht

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Deutschland und die nukleare Kriegsgefahr: Die Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik über die Jahre 1962, 1979 und 1980 sind eine faszinierende Lektüre.

          „Die Mauer war das Maximum dessen, was möglich war.“ Mit diesem Satz machte Kreml-Diktator Nikita Chruschtschow am 26. Februar 1962 SED-Chef Walter Ulbricht klar, wer das Sagen hatte. Angesichts des strategischen Übergewichts der Vereinigten Staaten (17 zu 1) wollte Chruschtschow um beinahe jeden Preis einen Konflikt vermeiden. Der Mauerbau war gleichzeitig Höhepunkt und Ende der Berlin-Krise. Das wusste man im Westen allerdings nicht, und so gingen die militärischen Planungen für den Ernstfall (Blockade Berlins) weiter. Die sahen schließlich vier Phasen vor: erstens „Sondierungen sowjetischer Absichten“ (mit Einsatz von Jagdschutz); zweitens „Zwischenphase“ mit Verstärkung des Drucks (unter anderem Embargo); drittens „direkter militärischer Druck“ (Luftoperationen gegen Flugplätze); viertens „nuklearer Krieg“. Für Bundeskanzler Adenauer (CDU) war das angesichts des seiner Meinung nach „schlechten Zustands“ der Nato schlichtweg „kindisch“ - wie er dem Berater des Präsidenten Kennedy für Abrüstungsfragen und ehemaligen Hochkommissar in Bonn, John McCloy, Anfang Januar 1962 sagte. Eine bewaffnete Reaktion hatte aus seiner Sicht nur Aussicht auf Erfolg, „wenn sofort nukleare Waffen eingesetzt würden“. Der Kanzler gab sich kriegerisch, tatsächlich hatte er einen Horror vor einem Nuklearkrieg.

          Seine Haltung ist nur zu verstehen vor dem Hintergrund seines Misstrauens gegenüber den Vereinigten Staaten. Zu Botschafter Hans Kroll meinte er: „Trauen Sie den Amerikanern nicht; die bringen es fertig, sich auf unserem Rücken mit den Russen zu verständigen.“ Gegenüber McCloy beklagte er sich über den amerikanischen Botschafter Thompson, der am 13. August 1961 zu Kollegen gesagt haben sollte, man müsse „Gott für den Mauerbau danken, weil dadurch der Flüchtlingsstrom aufhöre“.

          Adenauers Misstrauen machte vor niemandem halt. Das galt für Kennedy („kein Vertrauen“) genauso wie für Außenminister Dean Rusk („keine eigene Meinung“), der zudem, wie McCloy bestätigte, „keine Führerpersönlichkeit“ sei und „keine Führereigenschaften zeige“. Bonns Außenminister Gerhard Schröder hatte „immer den treuen Gefolgsmann“ von Rusk gespielt und war „genauso ein Esel“ wie sein Vorgänger Heinrich von Brentano. Und der sowjetische Botschafter in Bonn, Smirnow, war sowieso „ein falscher Halunke“, wie er dem britischen Premierminister Macmillan mit auf den Weg gab.

          Aussöhnung: Adenauer und De Gaulle im Juli 1962 in der Kathedrale von Reims
          Aussöhnung: Adenauer und De Gaulle im Juli 1962 in der Kathedrale von Reims : Bild: dpa

          Da konnte Adenauer sich letztlich nur auf Frankreichs Präsidenten de Gaulle als Verbündeten verlassen. Mit Erleichterung wurde auch ein französisches Memorandum entgegengenommen, in dem Paris gleich dreizehnmal Bedenken gegen die amerikanische Berlin- und Deutschland-Politik anmeldete, auch gegen direkte deutsch-sowjetische Gespräche, die damals die Amerikaner befürworteten. Die Deutschen sollten ruhig, wie Kennedy intern meinte, „ihre Schnauzen in den Schweinetrog Berlin stecken“. Glücklicherweise konnten und wollten die nicht, weil - wie Schröder seinen Kollegen Rusk aufklärte - „die Bundesrepublik ja Berlin niemals in der Hand gehabt habe“.

          Anfang 1962 gab es die größte Krise im deutsch-amerikanischen Verhältnis, eine „bedauerliche Trübung der Atmosphäre“, wie Bonns Botschafter in Washington, Wilhelm Grewe, das freundlich formulierte. Als die Amerikaner zurückruderten - es würde keine Autobahnbehörde mit DDR-Beteiligung geben - , war Adenauer wieder versöhnlich gestimmt. Für seine Haltung hatte er eine einfache Erklärung: „Er habe einfach nicht mehr gewusst, was los sei“, so gegenüber dem amerikanischen Botschafter Dowling. Über dessen Besuch Anfang Mai war der Kanzler „sehr glücklich“, und er bat Dowling, „dies auch dem Präsidenten zu sagen“. Nicht glücklich war Adenauer nach wie vor über die amerikanisch-sowjetischen Gespräche, hielt sie sogar für „nicht ungefährlich“, wie er ausgerechnet dem sowjetischen Botschafter Smirnow zu verstehen gab. Zehn Jahre „Burgfrieden“ könnten da die Lage entspannen. Faszinierend das entsprechende Gespräch.

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