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Militärattaché-Dienst : Seoul, Prag

  • -Aktualisiert am

Verabschiedung durch den Generalinspekteur der Bundeswehr General Naumann Bild: Abb. aus dem bespr. Band

Militärattachés haben die Aufgabe, aus offenen Informationsquellen über die sicherheits- und militärpolitische Lage des Gastlandes zu berichten, den Botschafter zu beraten und bilaterale Kontakte zu fördern. Einer von ihnen war Adolf Brüggemann, der in Seoul und Prag akkreditiert war.

          Militärattachés sind Stabsoffiziere, die vom Verteidigungsministerium zum Auswärtigen Amt abgeordnet und an eine Botschaft entsandt werden. Sie haben die Aufgabe, aus offenen Informationsquellen über die sicherheits- und militärpolitische Lage des Gastlandes zu berichten, den Botschafter zu beraten und bilaterale Kontakte zu fördern. Gegenwärtig sind in etwa 130 Staaten deutsche Militärattachés im Dienst. Einer von ihnen war Adolf Brüggemann, der von 1978 bis 1983 in Seoul und von 1988 bis 1993 in Prag akkreditiert war. Über seine Zeit als „Botschafter in Uniform“ legt er nun Erinnerungen vor. Nach seiner Verwendung als Bataillonskommandeur wurde er 1978 Militärattaché in Seoul. Im ersten Teil des Buches schildert er das Einleben mit der Familie im fremden Land sowie seine Aufgaben. Intensiv behandelt er die sicherheitspolitische Situation Südkoreas, die durch die geopolitische Lage, die latente Bedrohung durch Nordkorea, die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten und innenpolitische Auseinandersetzungen gekennzeichnet war.

          Aufschlussreicher ist der zweite Teil über seine Zeit in Prag während der Phase der deutschen Wiedervereinigung. Die deutsche Botschaft wurde 1989 eine Zeitlang zum Schauplatz der Geschichte, als etwa 20 000 Bürger der DDR via Prag den Weg in die Bundesrepublik suchten. Brüggemann war in der Botschaft für deren Unterbringung und Versorgung verantwortlich, stand am 30. September mit Außenminister Genscher auf dem Balkon, als dieser die Ausreise verkündete, und begleitete auch einen der sechs Züge nach Hof in Bayern. Eindrücklich schildert er die Demonstrationen in Prag, die Ende 1989 zum Rücktritt der kommunistischen Regierung führten. Abschließend widmet er sich der Auflösung des Landes Ende 1992 in die Teile Tschechien und Slowakei. Die mit Fotos angereicherten Erinnerungen enthalten kenntnisreiche Informationen über die Gastländer, aber auch weniger wichtige Details aus dem privaten oder dienstlich-gesellschaftlichen Umfeld, die einen eher begrenzten Teil von Lesern interessieren dürften.

          Adolf Brüggemann: Als Offizier der Bundeswehr im Auswärtigen Dienst. Meine Erinnerungen als Militärattaché in Seoul (Republik Korea) 1978-83 und in Prag (Tschechoslowakei/Tschechien) 1988-93. Miles Verlag, Berlin 2015. 270 S., 19,80 €.

          Quelle: F.A.Z.

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