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Adenauer-Biographien : Schlüssel in der Schublade

Bild: dapd

Zum 50. Todestag von Konrad Adenauer am 19. April sind neue Biographien des Journalisten Werner Biermann und der Historikerin Marie-Luise Recker erschienen.

          Zum 50. Todestag von Konrad Adenauer am 19. April sind neue Biographien erschienen. Sie zehren von großen Studien, die Hans-Peter Schwarz und Henning Köhler vor einem Vierteljahrhundert publizierten. Dem Journalisten Werner Biermann (1945–2016) gelingt im ersten Teil seines Buches – „Der treue Sohn seines Vaters“ – eine einfühlsam-dichte Schilderung des Aufstiegs der Adenauers in Köln aus kleinsten Verhältnissen und Konrads Blitzkarriere in der Domstadt: 1906 als Dreißigjähriger Beigeordneter, 1917 Oberbürgermeister: „Sein Führungsstil ist autoritär und wird es jetzt für immer bleiben.“ Über das am 13. März 1933 von Nazis abgesetzte Stadtoberhaupt heißt es: „Am Abend zuvor ist er noch einmal in seinem Dienstzimmer gewesen, ganz allein. (. . .) Er hat die privaten Dinge aus dem Schreibtisch genommen, hat mit dem Schlüssel des Oberbürgermeisters unten die große Rathaustür abgeschlossen – und den Schlüssel eingesteckt. Bis zu seinem Tod 1967 wird er ihn in einer kleinen, mit Samt ausgeschlagenen Schachtel in seiner Schreibtischschublade aufbewahren, als Symbol dafür, dass er, und nur er, der rechtmäßige Herr im Kölner Rathaus ist.“

          Rainer  Blasius

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Nicht immer auf der Höhe der Forschung, aber fesselnd erzählt, geht es im zweiten Teil weiter: „Kanzler im Kalten Krieg“. Über Verhandlungen mit der FDP infolge der „Spiegel“-Affäre 1962 schreibt Biermann: „Es ist ein Sieg, aber nur noch ein ganz knapper, glanzloser Sieg, zustande gekommen durch Trickserei, Täuschung und Lügen.“ Nüchterner urteilt die Zeithistorikerin Marie-Luise Recker. Nur 100 Seiten benötigt sie für ihr vorzügliches Porträt. Adenauer habe als Bundeskanzler bis Herbst 1963 seine Richtlinienkompetenz extensiv ausgelegt und sein Umfeld gern drastisch gemaßregelt. Er sei kein Erzieher zur Demokratie gewesen, sondern ein „großer Polarisierer“. Der „gravierendste Makel“ seiner Regierungszeit sei „ohne Frage das Ausbleiben eines öffentlichen Diskurses über die NS-Vergangenheit“ gewesen; dabei hätten „auch taktische Überlegungen eine Rolle“ gespielt.

          Werner Biermann: Konrad Adenauer. Ein Jahrhundertleben. Rowohlt Verlag, Berlin 2017. 614 S., 29,95 €.

          Marie-Luise Recker: Konrad Adenauer. Leben und Politik. Verlag C. H. Beck, München 2017. 112 S., 8,85 €.

          Quelle: F.A.Z.

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