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Plagiatsverfahren gegen Schavan Noch ist nichts entschieden

Am 5. Februar wird der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf über Annette Schavans Dissertation beraten. Die Bildungsministerin spricht von „unbegründeten Plagiatsvorwürfen“. Sicher ist: Verliert sie den Doktorgrad, ist sie ihr Amt los.

© dpa Vergrößern Bildungsministerin Annette Schavan: „Meine Dissertation ist kein Plagiat“

Kaum hat die Universität Düsseldorf das Hauptverfahren zur Aberkennung des Doktorgrades eröffnet, geht Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in die Offensive. In einer kurzen Erklärung hat sie am Mittwoch alle Vorwürfe von sich gewiesen und die Universität aufgefordert, „externe Fachgutachten einzuholen“. Die intensive Beschäftigung mit dem Text ihrer Dissertation habe sie in der Überzeugung bestärkt, „dass meine Dissertation kein Plagiat ist“, sagte sie.

Heike Schmoll Folgen:

Frau Schavan ist nach wie vor davon überzeugt, dass die „unbegründeten Plagiatsvorwürfe“ ausgeräumt werden. Für die Bundesbildungsministerin ist es mittlerweile kaum noch möglich, zwischen ihrer Verantwortung als Autorin einer 33 Jahre alten Doktorarbeit und ihrer Aufgabe als Bundesbildungsministerin zu trennen.

„Vroniplag“ war sich nicht einig

Vor etwa einem Jahr hatten die Urheber der Enthüllungsplattform „Vroniplag“ eine Website zu Schavans Doktorarbeit „Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“ aus dem Jahre 1980 eingerichtet. Mit knapper Mehrheit entschieden sie sich jedoch dagegen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, weil die fragwürdigen Textstellen einen solchen Schritt nicht zu rechtfertigen schienen.

Ein anonymes Mitglied der Plattform mit dem Decknamen „Robert Schmidt“ hat sich damit offenbar nicht abfinden können und machte am Sonntag, den 29. April allein, wofür ihm die Mehrheit verweigert wurde und sagte: „Ich halte es für belegbar, dass Frau Schavan plagiiert hat, wenn auch in geringerem Ausmaß als andere“.

Das blieb zunächst unbemerkt, bis ein Hinweis bei der Deutschen Presse-Agentur einging. Kurz vor einer Bundespressekonferenz am Mittwoch, den 2. Mai, hatte Frau Schavan von der Agentur einen Hinweis erhalten. Noch am selben Tag beauftragte der Dekan der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, der Althistoriker Bruno Bleckmann, den Promotionsausschuss unter Vorsitz des Prodekans Stefan Rohrbacher, die Vorwürfe zu prüfen. Frau Schavan bat die Universität ihrerseits, die Plagiatsvorwürfe zu prüfen.

„Volles Vertrauen in ihre Arbeit“

Eine gute Woche später sprach die Bundeskanzlerin ihrer Ministerin das Vertrauen aus, das wiederholte sie am vergangenen Wochenende. An diesem Mittwoch erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert: „Die Kanzlerin schätzt ihre Arbeit, und sie hat volles Vertrauen in ihre Arbeit“.

Am 16. Mai hatte der Promotionsausschuss beschlossen, die Erziehungswissenschaftlerin Christine Schwarzer mit einem Gutachten zu beauftragen, doch die lehnte aus persönlichen Gründen ab. Am 26. Mai wurde dann der Judaist Stefan Rohrbacher durch einstimmigen Beschluss zum Berichterstatter bestellt, weil er noch die größte fachliche Nähe zu der zwischen Erziehungswissenschaft und katholischer Theologie angesiedelten Promotion aufwies. Am 27. September legte Rohrbacher intern ein 75 Seiten umfassendes Gutachten mit einem akribischen Textvergleich vor, das vom Rektor der Universität zeitweise auch als Sachstandsbericht bezeichnet wurde. Rohrbacher warf Schavan eine plagiierende Vorgehensweise und eine „leitende Täuschungsabsicht“ vor.

Internes Gutachten wird öffentlich

Durch eine Indiskretion aus dem Promotionsausschuss geriet das vertrauliche Gutachten Rohrbachers Mitte Oktober an die Öffentlichkeit und provozierte eine Debatte über die institutionellen Schwächen der Erziehungswissenschaften um 1980, die nach Aussage von Fachleuten noch gravierender waren und weit entfernt waren von heutigen wissenschaftlichen Qualitätsmaßstäben. Andere Wissenschaftler halten die historisch bedingten Zitierstandards und den fachlichen Kontext indessen für unerheblich und verweisen darauf, dass das saubere Zitieren auch damals schon zum Handwerkszeug gezählt habe.

Rückendeckung erhielt Frau Schavan im Oktober nicht nur von ihrem Doktorvater Gerhard Wehle, der in den siebziger Jahren von der Pädagogischen Hochschule in Neuss an die Universität Düsseldorf gekommen war, sondern auch von vielen Vertretern der Wissenschaft, die es nicht fassen konnten, dass ein internes Gutachten an die Öffentlichkeit drang. Seither wird diskutiert, ob sich aus den handwerklichen Mängeln und Zitierfehlern auch eine leitende Täuschungsabsicht erkennen lässt oder nicht. Frau Schavan selbst hat die Täuschungsabsicht „entschieden“ zurückgewiesen und gesagt, „es tritt mich. Es trifft mich im Kern. Es trifft den Kern von dem, was mir wichtig ist“.

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