Plagiatsfall Annette Schavan: Lammert wendet sich von der Uni Düsseldorf ab - Politik - FAZ
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Plagiatsfall Annette Schavan : Lammert wendet sich von der Uni Düsseldorf ab

Solidarität mit Annette Schavan: Bundestagspräsident Norbert Lammert Bild: AP

Der Bundestagspräsident sagt eine Jubiläumsrede an der Universität Düsseldorf ab – wegen ihres Umgangs mit der früheren Bildungsministerin Annette Schavan. Lammerts scharfe Kritik an der Hochschule erstaunt.

          Bundestagspräsident Norbert Lammert ist bekannt für Witz und Meinungsfreunde. Nun hat der zweite Mann im Staat die Universität Düsseldorf auf den ersten Blick völlig überraschend wegen ihres Umgangs mit der früheren Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) scharf kritisiert und eine Rede auf dem Festakt zum 50. Jahrestag der Gründung der Hochschule abgesagt. In seinem Schreiben an den Rektor der Heinrich-Heine-Universität begründet Lammert seine Absage damit, er habe „unterschätzt, welche Bedeutung das Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades von Annette Schavan noch immer nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung, sondern auch im Selbstverständnis der Düsseldorfer Hochschule hat“. Lammert verwies auf die „demonstrative Auszeichnung“ zweier Professoren, die im Aberkennungsverfahren gegen Schavan eine zentrale Rolle gespielt hatten.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Mitte Juli hatte Rektor Hans Michael Piper die Professoren Bruno Bleckmann und Stefan Rohrbacher mit der Universitätsmedaille ausgezeichnet und damit ihre „beispielhafte akademische Zivilcourage“ gewürdigt. Die beiden Hochschullehrer hätten „die Freiheit zur Kritik fehlerhafter wissenschaftlicher Arbeiten in einem Fall großer öffentlicher Einflussnahme mutig“ verteidigt. Rohrbacher hatte die Dissertation Schavans mit dem Titel „Person und Gewissen“ aus dem Jahr 1980 für die Universität bewertet. Bleckmann ist Dekan der Philosophischen Fakultät und Vorsitzender des Fakultätsrats. Im Schreiben des Bundestagspräsidenten an den Rektor heißt es nun, ihn irritiere, „dass jegliche kritische Stimmen auch und gerade von hochangesehenen Wissenschaftlern und aus den akademischen Spitzenverbänden ausnahmslos für eine unerwünschte Einmischung und unzulässige versuchte Einflussnahme erklärt werden“.

          Für einen unbefangenen Beobachter des Düsseldorfer Verfahrens könne und wolle er sich nicht halten, „aber für fragwürdig im wörtlichen Sinne halte ich es allerdings“. Das mache ihn als Festredner ungeeignet. Ein Sprecher der Universität teilte mit, da der Festakt für den November 2015 vorgesehen sei, komme die Absage noch mehr als frühzeitig.

          Erst vor wenigen Tagen hatte Professor Bleckmann einen 24 Seiten umfassenden Abschlussbericht zum Verfahren Schavan an den Senat der Universität Düsseldorf gegeben. Darin rechnete Bleckmann mit Schavan und ihren Unterstützern final ab. „Frau Schavan selbst hat in ständiger Verquickung ihrer persönlichen Betroffenheit und ihrer Rolle als Wissenschaftspolitikerin mit immer wieder neuen Äußerungen dazu beigetragen, falsche Vorstellungen über das, worüber verhandelt worden ist, zu erwecken“, heißt es in dem zwischenzeitlich vom „Tagesspiegel“ veröffentlichten Bericht unter anderem. Die gleiche Unfähigkeit zur Einsicht wie bei Schavan selbst dominierte in ihrem Umkreis. „So ist der Neusser Abgeordnete und enge Weggefährte von Frau Schavan, Bundesminister Gröhe, mit der für ein Mitglied der Exekutive doch eigentlich recht skandalösen, bezeichnenderweise aber völlig ungerügt gebliebenen Bemerkung hervorgetreten, die ,Entscheidung' zeige ,die Grenzen der gerichtlichen Überprüfbarkeit fragwürdiger universitärer Verfahren'.“

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