29.08.2002 · Bundesbildungsministerin Bulmahn bietet den Ländern zusätzliche Mittel zur Finanzierung der deutschen Teilnahme an einer Pisa-Lehrerstudie an.
Der von der OECD geplante Pisa-Test für Lehrer findet die Unterstützung der Bundesregierung. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn bot den Ländern am Donnerstag zusätzliche Mittel zur Finanzierung der deutschen Teilnahme an der internationalen Studie an. Auf Seiten der Lehrer stieß das Vorhaben auf ein weitgehend positives Echo. Lediglich der Deutsche Lehrerverband (LV) lehnte eine Überprüfung seiner Mitglieder als überflüssig ab. Unterdessen wehrte sich die Kultusministerkonferenz (KMK) gegen den Vorwurf, sie beteilige sich nur halbherzig an den Vorbereitungen für den Lehrertest.
Für die Studie sollen laut KMK von den 20 Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie von Chile und Israel bis Ende März 2003 so genannte Hintergrundberichte erstellt werden. Dafür sollen unter anderem Schulsystem und Lehrpersonal untersucht werden, außerdem die Gewinnung von kompetenten Personen für den Lehrerberuf sowie Ausbildung, Fortbildung und Zertifizierung von Lehrern.
„Halbherzige Beteiligung“
Der OECD-Koordinator Andreas Schleicher hatte in der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ der KMK vorgeworfen, sie sei nicht bereit den Besuch der externen Prüfergruppe der OECD zu bezahlen. Deutschland beteilige sich nur halbherzig an den Voruntersuchungen zu der Erhebung, kritisierte Schleicher weiter.
Die Kultusministerkonferenz wies dagegen darauf hin, dass sich nur rund ein Viertel der OECD-Staaten an der externen Überprüfung beteiligen würden. Diese sei nur eine zusätzliche Option, hieß es, die in Verbindung mit der eigentlichen Studie angeboten werde. Es könne daher keine Rede davon sein, dass sich die Bundesrepublik vor einer internationalen Untersuchung drücken wolle. Laut „Zeit“ plant die OECD unter anderem Video-Mitschnitte, um die jeweilige Unterrichtsqualität testen zu können.
Nicht alle Pädagogen reagieren positiv auf Pläne
Der Bundesvorsitzende des Philologenverbandes, Peter Heesen, sprach sich für den Lehrer-Test aus. Sein Verband verhandele gerade mit der KMK über eine Lehrerfortbildung, „die an den konkreten Bedürfnissen ausgerichtet ist“, sagte Heesen der „Rheinpfalz“. Diese solle den bei der ersten Pisa-Studie festgestellten Lehrer-Defiziten etwa bei der Diagnosefähigkeit von Schülerschwächen entgegenwirken. „Da begrüßen wir alles, was uns bei einer punktgenauen Ausrichtung hilft“, sagte Heesen, dessen Verband Gymnasiallehrer vertritt.
Auch die Vorsitzende der DGB-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva-Maria Stange, rief die Kultusminister auf, „offensiv und konstruktiv auf die OECD zuzugehen und sich an den Voruntersuchungen zu beteiligen. Wenn die KMK-Vorsitzende Dagmar Schipanski (CDU) dagegen mit zusätzlichen Kosten von 35.000 Euro argumentiere, sei dies lächerlich.
Der Deutsche Lehrerverband (DL) hält dagegen den gesamten Test für überflüssig. „Jedes Jahr eine neue Testerei durch Deutschlands Schulen zu jagen, das bringt nichts“, sagte DL-Präsident Josef Kraus dem Saarländischen Rundfunk. Er erinnerte daran, dass es schon 1996/1997 einen internationalen Leistungsvergleich der Lehrer gegeben habe. Der DL ist ein Dachverband mehrerer Lehrer-Berufsverbände.