http://www.faz.net/-gpf-7qz3p

Philipp Mißfelder : Ein Mann will nach Osten

Ist derzeit abgetaucht. So tief, wie das Schwarze Meer: Philipp Mißfelder Bild: Illustration F.A.S., Foto Imago

Philipp Mißfelder sitzt im CDU-Präsidium, er fördert die Völkerverständigung mit Turkmenistan und berät einen Glamour-Verlag. Neulich besuchte er Schröders Geburtstagsparty in St. Petersburg. Als wir mehr erfahren wollen, wird er fuchsteufelswild.

          Dieser Artikel soll nicht erscheinen: Das lässt uns Philipp Mißfelder gleich vorab durch seine Anwälte ausrichten. Er hat auf viele Fragen nicht geantwortet, sich wochenlang verleugnen lassen und schließlich zwei Anwaltskanzleien in Marsch gesetzt. Der Mann ist nicht irgendwer. Sondern außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. CDU-Präsidiumsmitglied. Vorsitzender der Jungen Union. Er wollte verhindern, dass über ihn, seine Russland-Verbindungen und seine Geschäftstätigkeit geschrieben wird. Da muss man sich schon dafür interessieren, was ihn bewogen hat, nach Sankt Petersburg zu einer russischen Rubel-Party zu fliegen. Angeblich eine Privatreise. Während Russland einen unerklärten Krieg gegen die Ukraine anzettelt.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Mißfelder will sich nicht näher erklären. Oder er kann es nicht. Der außenpolitische Sprecher spricht nicht, er schweigt. Wer ihn nach Russland fragt, seinen Reisen und Vereinsmitgliedschaften, nach Gasprom oder nach seinen Geschäften, der bekommt keine Antworten, sondern es mit Anwälten zu tun. Die wurden von Mißfelder und der Jungen Union mit dem Einschüchtern beauftragt. Man fordert auf, „von weiteren Rückfragen zu dieser Thematik Abstand zu nehmen“. Vorsorglich wird uns auch für den Fall gedroht, dass wir es wagen, über die Drohung zu berichten. Eine ziemlich russische Art, mit der Presse umzuspringen.

          Philipp Mißfelder kann aber auch anders, er kann nachgerade zart sein. Beispielsweise mit seinem Idol Helmut Kohl. Oder wenn der CDU-Politiker über die Verdienste des SPD-Kanzlers Schröder redet. Wegen Kohl ist Mißfelder angeblich mit vierzehn der CDU-Jugendorganisation beigetreten. Für Schröder lässt er die Kanzlerin sitzen. Bekannt wurde Mißfelder allerdings mit harten Sprüchen über alte Menschen. „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“ Früher seien die Leute „schließlich auch auf Krücken gelaufen“. Die Folge war ein Riesenwirbel.

          Mißfelder hat beigedreht, seither ist er der engste Verbündete der Senioren Union. Ein andermal hat er eine Erhöhung der Hartz-IV-Zahlung als „Anschub für die Tabak- und Spirituosen-Industrie“ bezeichnet. Das kam auch nicht gut an. Inzwischen meidet Mißfelder politische Festlegungen. Manche denken: Der kann Kanzler werden. Es gebe wohl keinen Politiker, der sich derart schamlos zur Leere bekenne wie Mißfelder, schrieb der „Spiegel“-Autor Dirk Kurbjuweit in einem Porträt über ihn. Der Text zeigte einen schleimigen Opportunisten. Vielen tat Mißfelder hinterher leid, aber er ist weiter gut vorangekommen: in der CDU bis ins Parteipräsidium.

          Seine politische Machtbasis bildet die Junge Union, die Jugendorganisation der CDU. Die „JU“ hat etwa 120.000 Mitglieder, ohne die kein Wahlkampf zu stemmen wäre. Mißfelder kann Hunderte junge Leute zu Helmut Kohls Geburtstag auflaufen lassen oder zweitausend zu einer deutsch-französischen Feier mit der Bundeskanzlerin und dem französischen Staatspräsidenten. Die von Mißfelder modernisierte Junge Union ist für ihre Funktionäre ein Karrieremotor, und Mißfelder ist seit zwölf Jahren der Chef. Aber mit 35 ist Schluss, der Familienvater wird zu alt für die Parteijugend. Ein Nachfolgekampf ist in vollem Gange. Getreue von Mißfelder ringen mit Leuten, die von seiner „rotzigen Arroganz“, so ein früherer JU-Funktionär, die Nase voll haben.

          Weitere Themen

          Heidels verwischte Spuren

          Wiedersehen mit Mainz 05 : Heidels verwischte Spuren

          Mainz 05 war das sportliche Geschöpf von Christian Heidel. Nun begegnet er seiner alten Liebe zum dritten Mal als Sportvorstand von Schalke 04. Der ehemalige Klub hat sein Gesicht auch auf dem Platz schon stark verändert.

          Trolle gegen Clinton

          Einmischung in Wahlkampf : Trolle gegen Clinton

          Die amerikanischen Geheimdienste sind schon lange überzeugt, dass der Kreml in die Präsidentenwahl 2016 eingegriffen hat. Nun gibt es auch Beweise aus Russland selbst. Sie führen zu alten Bekannten.

          Lindner sieht Wahrscheinlichkeit bei 50:50 Video-Seite öffnen

          Jamaika-Koalition : Lindner sieht Wahrscheinlichkeit bei 50:50

          Nach der Bundestagswahl 2013 lag die FDP politisch am Boden. Im Jahr 2017 ist sie nicht nur in den Bundestag zurückgekehrt, sondern steht vor einen neuen Regierungsbeteiligung. FDP-Chef Christian Lindner hat sich jedoch zurückhaltend zu den Chancen für eine Regierung aus Union, FDP und Grünen geäußert.

          Topmeldungen

          Toronto vom Wasser aus betrachtet - auf der Seite will Google die „smart City“ bauen.

          „Smart City“ : Hier baut Google die intelligente Stadt

          Viele Roboter, wenige Autos und Müll und Pakete werden unterirdisch transportiert: Der Technologiekonzern Alphabet hat sich eine Metropole für sein nächstes großes Projekt ausgesucht. Darum geht es.
          Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy kann im Katalonien-Konflikt auf die Unterstützung aus der Opposition hoffen.

          Konflikt in Spanien : Selten harmonisch

          Von der Minderheitsregierung zur gefühlten großen Koalition: Die Katalonien-Krise eint die Parteien in Madrid. Sie wollen die Wahl eines neuen Regionalparlaments in Katalonien.
          Eine Fliege auf einem Grashalm bei Burgdorf in der Region Hannover.

          Kommentar zum Insektensterben : Sommer ohne Surren

          Das große Insektensterben zeigt: Die Industrialisierung der Landwirtschaft muss intelligenter weitergehen, als sie begonnen hat. Und vor allem auch nicht naiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.