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Peter Harry Carstensen Held von der Küste

27.04.2005 ·  Schleswig-Holsteins neuer Ministerpräsident gibt dem Bundesland eine Identität, wie sie norddeutscher nicht sein könnte.

Von Frank Pergande
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Schleswig-Holstein hat einen neuen Ministerpräsidenten. Der sieht so aus, wie man sich einen Mann aus Schleswig-Holstein vorstellt. Ein Fels vom äußeren Erscheinungsbild her, den ein Sturm bestenfalls kühlt.

Er hat die Hände eines Fischers oder eines Bauern. Er spricht unverkennbar norddeutsch und fällt gern ins Plattdeutsche. Er hat den etwas verschlagenen Blick, der aus norddeutschem Mißtrauen kommt. Aber er hat auch das herzliche, umarmende Lachen des Norddeutschen, wenn der sein Mißtrauen erst einmal überwunden hat.

Manchmal, so sagen seine Freunde, habe er auch etwas von norddeutscher Trägheit und Bedächtigkeit. Aber das schließt blitzschnelles Reagieren nicht aus, wie in den vergangenen Wochen bewiesen.

Identität für Schleswig-Holstein

Peter Harry Carstensen ist auf Nordstrand an der Westküste geboren worden, wo er noch immer lebt. Er stammt von einem Bauernhof. Er hat früher mal sein Geld mit Windenergie verdient, was auch zu Schleswig-Holstein paßt. Er bestätigt die These, daß die Bundesländer in Zeiten der Globalisierung zur Identitätswahrung Ministerpräsidenten bekommen, die zu ihnen passen.

So wie Hamburg den weltläufigen, netten Ole von Beust bekam, Berlin den schwulen Partygänger Klaus Wowereit oder Niedersachsen den an liebenswerte Schwiegersöhne erinnernden Christian Wulff.

Ein unauffälliger Politiker

Carstensen ist 58 Jahre alt. Er war von 1983 an Bundestagsabgeordneter. Nichts hatte zunächst darauf hingedeutet, daß eine bedeutende politische Karriere noch vor ihm liegen könnte. Auch war sein Ehrgeiz nicht auf so etwas ausgerichtet. Zu gut ging es ihm in Bonn und später in Berlin.

Vor der Bundestagswahl 2002 war er zwar vom Kanzlerkandidaten der Union Edmund Stoiber (CSU) im sogenannten Kompetenzteam als Landwirtschaftsminister vorgesehen gewesen. Aber auch da fiel er nicht weiter auf.

Allerdings war es kurz zuvor zu einem Machtkampf in der ohnehin zerstrittenen CDU von Schleswig-Holstein gekommen. Der Landesvorsitzende Johann Wadephul, damals vierzig Jahre alt, wollte auch Fraktionsvorsitzender im Landtag werden und verlor gegen den altgedienten Vorsitzenden Martin Kayenburg. Daraufhin trat er auch als Vorsitzender nicht mehr an.

Vom Kompromißkandidat zum Ministerpräsidenten

Carstensen wurde der klassische Kompromißkandidat. Als Landesvorsitzender hatte er aber den Zugriff auf die Spitzenkandidatur für die nächste Landtagswahl. Er griff zu. Weil niemand etwas gegen ihn hatte und sein Rücken so breit ist, konnte er die Partei hinter sich versammeln. Die Landtagsfraktion stand genau so hinter ihm wie die CDU-Bundestagsabgeordneten aus Schleswig-Holstein, die zuvor als zwei Machtzentren mehr gegeneinander als miteinander gearbeitet hatten.

Einen Wahlsieg jedoch wollte Carstensen keiner so recht zutrauen. Tapsige Pannen wurden genüßlich weitererzählt. Carstensen hat es dennoch geschafft. Wie jubelte die CDU am Wahlabend, als die Diagrammsäule stieg und stieg - auf schließlich vierzig Prozent.

Zunächst sah es so aus, als ob Rot-Grün weitermachen könnte und der eigentliche Wahlsieger Oppositionsführer werden müßte. Die Fraktion wählte ihn jedenfalls einstimmig zu ihrem Vorsitzenden. Über einen wochenlangen Umweg hat er es nun doch noch geschafft, Ministerpräsident zu werden. Wenn auch nicht in einer Koalition mit der FDP, sondern in einer großen Koalition. Der Beifall am Mittwoch in seiner Fraktion für den eben Gewählten wollte kein Ende nehmen.

Quelle: F.A.Z., 28.04.2005, Nr. 98 / Seite 10
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Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.

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