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Péter Eszerházy : Also: die Keule

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Der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy bedankte sich mit der hier leicht gekürzt wiedergegebenen Rede für den Friedenspreis 2004 des Deutschen Buchhandels.

          Der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy bedankte sich mit der hier leicht gekürzt wiedergegebenen Rede für den Friedenspreis 2004 des Deutschen Buchhandels. Der Börsenverein ehrt ihn als "Jüngsten der Joyceianer", als Schriftsteller, der als eine weithin vernehmbare Stimme der Nachgeborenen die Zerstörung des Menschen durch Terror und Gewalt und seine Wiederauferstehung in Trauer und Ironie gestaltet. Ein jeder Festredner ist schrecklich, so werde ich beginnen. Sagte Kornél Esti. In diesem Sommer ist ein Buch von Dezsö Kosztolányi mit dem Titel "Ein Held seiner Zeit. Die Bekenntnisse des Kornél Esti" in der Übersetzung von Christina Viragh bei Rowohlt Berlin erschienen (übrigens mit einem ganz hervorragenden Nachwort).

          "Die Hälfte meines Lebens war schon vorbei, als mir an einem windigen Frühlingstag Kornél Esti in den Sinn kam."

          Ich werde eine Festrede halten, drohte er.

          Oh, nein, nur das nicht, rief ich.

          "Estis altmodisch gelb-dünne Krawatten und seine krud-grünen Wortspiele waren mir verleidet. Ich fand seine krampfhafte Originalität ermüdend. Fortwährend verwickelte er mich in irgendwelche Skandale. Zum Beispiel riß er beim Spazieren, während wir nebeneinanderhergingen, unvermittelt ein Küchenmesser aus der Innentasche seines Jacketts und begann es zur Verblüffung der Passanten am Randstein zu wetzen. Oder er wandte sich sehr höflich an einen armen Blinden, er möge ihm doch das Staubkorn entfernen, das ihm eben ins Auge geflogen sei."

          Meine Damen und Herren. Ja, ich werde doch lieber so beginnen, das ist nicht wirklich überraschend, entspricht aber der Tradition und ist daher durchaus zu schätzen, eine schwungvolle, klare, feste, geometrische Konstruktion, Euklid, klassische griechische Proportionen . . . wobei . . . apropos Griechen . . ., meine Damen, meine Herren, aber wo bleiben meine Hermaphroditen?

          Meine Damen und Herren, liebe Hermaphroditen! Nein, das lieber doch nicht. Das gäbe vielleicht ein bißchen Gelächter, aber das darf mich nicht verführen . . . Meinen grenzenlosen Humanismus muß ich irgendwie auf andere Art zum Ausdruck bringen . . . Dann soll es zumindest um Magnifizenzen gehen. Und um Exzellenzen. Wann je werde ich wieder die Gelegenheit haben, sagen zu können: Werte Festgemeinde, Magnifizenzen, Exzellenzen! Dieser Satz spiegelt die Wirklichkeit, was meinen Sätzen nicht oft widerfährt.

          Im Zusammenhang mit dieser Spiegelung wüßte ich natürlich gern, ob denn Exzellenzen zugegen sein werden, ob sie zugegen sind. Mich dünkt, Botschafter sind von Haus aus Exzellenzen. Nur sind natürlich nicht immer alle Botschafter in der Paulskirche. Wie interessant, mir, meinen Sätzen, hilft es, wenn möglichst viele Botschafter zugegen sind, denn um so wahrhaftiger sind dann die Sätze, bei Susan Sontag fand das Gegenteil statt, in ihrem Text war ein Botschafter zugegen, der nicht zugegen war. Denn einer Festrede tut es gut, auf jemanden wütend zu sein. Da steht dann der Mensch des Geistes mit gezücktem Schwert. Auf ungarische Botschafter wütend zu sein ist komplizierter. Kis ország, nagykövet, das ist ein unübersetzbares Wortspiel, aber viel haben Sie dabei nicht versäumt.

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