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Pentagon Überblick hat nur das Pentagon

21.03.2003 ·  Das vom Pentagon gestattete "embedding", das "Einbetten" von Hunderten von Journalisten in die kämpfenden Truppen, hat am zweiten Tag des Krieges im Irak reiche Früchte getragen.

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Das vom Pentagon gestattete "embedding", das "Einbetten" von Hunderten von Journalisten in die kämpfenden Truppen, hat am zweiten Tag des Krieges im Irak reiche Früchte getragen. Auf allen amerikanischen Fernsehsendern waren nicht nur die schon aus dem Golfkrieg von 1991 bekannten Nachtaufnahmen von Bagdad zu sehen, von einschlagenden Bomben und Raketen, von brennenden Gebäuden. Es wurden auch schemenhafte Aufnahmen von Panzern gezeigt, die nach Auskunft der mitfahrenden Reporter "irgendwo im Norden Kuweits" oder "im Süden des Iraks" unterwegs seien.

Eine "Welle von Stahl" bewege sich auf breiter Front durch die menschenleere Wüste nach Norden, sagte etwa Walter Rodgers vom Nachrichtenkanal CNN. Die Kolonne bewege sich bald langsamer, bald rascher mit einer Geschwindigkeit von bis 40 Stundenkilometern vorwärts, sagte der Reporter - und was man auf dem Bildschirm sah, waren dicke schwarze Punkte auf einem sonst grünen Hintergrund. Erst nach Tagesanbruch konnte man klarer erkennen, daß es sich bei den dicken schwarzen Punkten tatsächlich um fahrende Panzer handelte und daß die grüne Fläche sich in eine sandfarbene Wüste und einen milchigen Himmel auflöste.

Einbuße an Ton- und Bildqualität

Die Qualität der Aufnahmen blieb freilich auch bei Tageslicht so schlecht, daß man auf die Erklärungen des Reporters angewiesen blieb. Denn wichtiger als die gewöhnliche Kamera ist für die Berichterstattung in "Echtzeit" inzwischen das kleinere Videophon geworden, das seine Signale über "schmalere" Satellitenkanäle sendet, als für herkömmliche Aufzeichnungen benötigt werden. Der Zugewinn an Schnelligkeit und Flexibilität wird mit einer signifikanten Einbuße an Ton- und Bildqualität bezahlt.

Daß sich aus der verwaschenen Bilderflut kein klares Bild ergibt, hängt auch damit zusammen, daß die 500 bisher "eingebetteten" Journalisten - in der Mehrzahl Amerikaner - bestimmten Restriktionen unterliegen. Sie dürfen keine Mitteilungen übermitteln, die für die Truppe, der sie zugeteilt sind, und für sich selbst zu einer Gefährdung führen könnten.

Kein Gesamtbild zu erkennen

So ergibt sich aus den vielen Einzelbildern und -mitteilungen von dieser Einheit der Marineinfanterie, von jenem Panzerbataillon oder von irgendeinem Flugzeugträger, mit denen die Fernsehzuschauer und Radiohörer, Zeitungsleser und Internet-Surfer überspült werden, kein Mosaik, auf dem man ein Gesamtbild erkennen könnte. Den Überblick hat vorerst nur das Pentagon.

Quelle: rüb. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2003, Nr. 69 / Seite 6
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