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Peking Nordkoreaner flüchten in deutsche Schule

03.09.2002 ·  Um ihre Ausreise zu erzwingen, sind am Dienstag 15 Nordkoreaner auf das Gelände der deutschen Schule in Peking geflüchtet.

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Eine Gruppe von 15 Nordkoreanern hat am Dienstag in der deutschen Botschaftsschule in Peking Zuflucht gesucht. Die Männer und Frauen, die vor Hunger und Verfolgung in dem stalinistischen Staat nach China geflüchtet sind, wollen ihre Ausreise erreichen.

Die deutsche Botschaft drängt auf eine humanitäre Lösung. Bei früheren Botschaftsfluchten hat China die Nordkoreaner meist nach längerem Tauziehen über Drittländer nach Südkorea ausreisen lassen.

Nachrichtensperre verhängt

Im jüngsten Fall wurde eine Nachrichtensperre verhängt, so dass sich deutsche Diplomaten nicht äußern wollten. Doch berichteten informierte Kreise, dass die 15 Flüchtlinge zunächst in den Umkleideräumen der Turnhalle auf Matten zusammen mit Sicherheitspersonal der Botschaft untergebracht werden sollten. Die Botschaft hat Kontakt zum chinesischen Außenministerium aufgenommen, um über ihr Schicksal zu verhandeln.

„Es ist nicht der erste Fall“, berichtete eine Quelle. „Auch andere wurden glücklich geregelt.“ Seit April haben sich mehr als 80 nordkoreanische Flüchtlinge in diplomatische Einrichtungen in China geflüchtet und so ihre Ausreise erzwungen. Erst am Montag waren möglicherweise bis zu zwölf Nordkoreaner festgenommen worden, als sie auf ein Wohngelände mit Botschaften flüchten wollten. Das Außenministerium sagte nicht mal, wie viele es waren.

Unterdessen haben die Philippinen grünes Licht für die Einreise von 21 Nordkoreanern gegeben, die sich in der vergangenen Woche in die südkoreanische Botschaft in Peking geflüchtet hatten. Sie sollten am Mittwoch an Bord eines chinesischen Passagierflugzeugs in Manila landen und anschließend nach Südkorea weiter fliegen.

Unbehelligt über die Mauer

Bei der neuen Aktion am Montag kletterten die 15 Nordkoreaner unbehelligt über eine zwei Meter hohe Mauer auf das Botschaftsgelände, das lediglich von einem privaten Wachdienst gesichert wird. Die Nordkoreaner rannten in ein Gebäude, in dem nur deutsche Diplomaten wohnen. Im Treppenhaus jubelten sie zuerst, doch gelangten sie in keine der Wohnungen. Deswegen entschlossen sie sich, in die direkt daneben liegende
Schule zu laufen, wo der nachmittägliche Unterricht lief. Sie versuchten vergeblich, sich Zutritt zu verschaffen. So stiegen sie eine Außentreppe am Verwaltungstrakt hoch, wo sie im ersten Stock ausharrten. Unter ihnen war auch ein älterer Mann. Einige der mindestens acht Frauen in der Gruppe waren äußerst verzweifelt und weinten, weil sich fürchteten, an die Polizei ausgeliefert zu werden.

Haft und Folter drohen

China erkennt die Nordkoreaner nicht als Flüchtlinge an und schiebt sie bei einer Ergreifung nach Nordkorea ab, wo ihnen Haft und Folter drohen. Der deutsche Botschafter verhandelte am Haupteingang zu dem Gelände mit der Polizei, die aber nicht durch das vergitterte Tor eingelassen wurde. Sicherheitskräfte riegelten die Gegend ab und stellten Kleinbusse bereit. Kamerateams wurden selbst daran gehindert, das Gebäude zu filmen.

Auf dem Gelände, das zu der zwei Kilometer entfernt liegenden Botschaft gehört, sind nur die Appartements, die Botschaftsschule mit mehr als 200 Schülern und der Kindergarten untergebracht. Für die Schule zuständige Diplomaten hatten schon vor dem Zwischenfall immer wieder betont, die Polizei dürfe nicht auf das Gelände.

Hinter einigen der Botschaftsfluchten stecken auch südkoreanische und andere Helfer. Einige haben immer wieder an die Botschaftsflucht der DDR-Bürger 1989 in Prag erinnert, die das Ende des DDR-Regimes einleitete. Sie hatten die Hoffnung geäußert, eine Fluchtwelle auszulösen, um auf das Schicksal der Nordkoreaner aufmerksam zu machen und ihre Anerkennung als Flüchtlinge in China zu erreichen.

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