01.06.2004 · Fünf Flüchtlinge aus Nordkorea haben zunächst in einer deutschen Schule in Peking Zuflucht gesucht, um dann bei der deutschen Botschaft um Asyl zu bitten.
Eine Gruppe nordkoreanischer Flüchtlinge hat in der deutschen Botschaft in Peking Zuflucht gesucht. „Fünf nach eigenen Angaben nordkoreanische Staatsbürger befinden sich auf dem Gelände der Botschaft“, bestätigte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Dienstag in Berlin. Gemeinsam mit der deutschen Botschaft in der chinesischen Hauptstadt bemühe man sich um eine rasche Lösung des Problems. Aus dem südkoreanischen Außenministerium hieß es, falls die Flüchtlinge nach Südkorea wollten, werde versucht, eine Ausreise über ein Drittland zu ermöglichen.
Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap handelt es sich bei den Flüchtlingen um vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Sie seien in ein Appartementhaus geflohen, in dem Lehrer einer Schule wohnten, die zur deutschen Botschaft gehört. Nach Darstellung des deutschen Arztes und Menschenrechtlers Norbert Vollertsen mußte ein Mann das Botschaftsgelände wieder verlassen, da er nicht nachweisen konnte, ein Flüchtling zu sein. Im September 2002 hatten 15 Nordkoreaner in der gleichen Schule Zuflucht gesucht und waren später nach Südkorea ausgereist (Flüchtlinge aus Nordkorea verlassen deutsche Schule in Peking ).
300.000 nordkoreanische Flüchtlinge
In der Hoffnung auf ein besseres Leben versuchen Nordkoreaner immer wieder über ausländische Vertretungen in China nach Südkorea zu gelangen. Die Deutsche Botschaft in Peking liegt unweit der südkoreanischen Vertretung und diente bereits zuvor als Zufluchtsort für Flüchtlinge: Im September 2002 drangen 15 Nordkoreaner in die Botschaftsschule ein und erwirkten so ihre Ausreise nach Südkorea.
Schätzungen zufolge leben 300.000 nordkoreanische Flüchtlinge illegal in China. Peking pflegt gute Beziehungen zu Pjöngjang und ist laut einem Vertrag zur Rückführung der Flüchtlinge in ihre Heimat verpflichtet. Wegen des internationalen Drucks erlaubte Peking jedoch in den vergangenen zwei Jahren rund 200 Nordkoreanern, die in Botschaften geflohen waren, die Ausreise nach Südkorea über einen Drittstaat..
Eine Sprecherin der streng abgesicherten deutschen Schule, die in der Vergangenheit schon einmal Anlaufstelle für Nordkorea-Flüchtlinge war, sagte, man habe keine „Gäste“ aufgenommen, aber es seien eventuell welche erwartet worden. Eine Stellungnahme des Auswärtigen Amts war zunächst nicht erhältlich.
Nach Schätzung von Menschenrechtsorganisationen halten sich derzeit rund 300.000 Flüchtlinge aus Nordkorea im Nordosten Chinas auf - in der Hoffnung auf eine Ausreise in ein Drittland. Offiziell gilt in China eine Vereinbarung mit Nordkorea, dass es sich bei den Nordkoreanern, die als Elendsflüchtlinge nach China kommen, um Wirtschaftsmigranten handelt, die deshalb in der Regel wieder in ihre Heimat abgeschoben werden. Gelegentlich läßt die Volksrepublik China jedoch die Ausreise der Flüchtlinge in ein Drittland zu.
Im September 2002 hatten schon einmal 15 Nordkoreaner, die aus der Armut und dem Elend im kommunistischen Nordkorea entkommen wollten, in der gleichen Schule Unterschlupf gesucht. Sie durften später nach Südkorea ausreisen.