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Energiepolitik : Das Öl geht nicht aus

Ölpumpen auf einem Ölfeld in Oklahoma. Die amerikanische Ölproduktion ist seit 2008 um mehr als 70 Prozent gestiegen. Bild: dpa

Die Prognosen über die erschließbaren Vorräte haben sich regelmäßig als falsch erwiesen - das zeigt sich besonders gut an der Ölbranche. Denn wer die Endlichkeit der Ölvorkommen beschwört, übergeht den technischen Fortschritt.

          Die Ereignisse gehören zusammen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so erscheint: Die Opec-Minister kommen wegen des Ölpreisverfalls zu einem Krisentreffen zusammen, Russland stellt den Bau der Gasleitung South Stream durch das Schwarze Meer ein, und in Lima findet die UN-Klimakonferenz mit Vertretern von 190 Staaten statt. Was immer mit Energie und Klima zu tun hat, es beeinflusst sich gegenseitig.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Denn Energie und Klima sind zwei Seiten einer Medaille. Die Energiepolitik hat Folgen für das Klima, und die Beschlüsse der Klimapolitik legen den Mix der Energieträger fest. Klimapolitik ist daher ohne eine abgestimmte Energiepolitik nicht denkbar; andererseits entscheidet die Energiepolitik darüber, ob die Klimaziele erfüllt werden oder nicht.

          Eines der wichtigsten Klimaziele ist, den seit dem Jahr 1900 gemessenen Anstieg der Temperatur auf zwei Grad zu begrenzen. Die Folgen wären unabsehbar, sollte sie um 3,6 Grad steigen und sollten die Pole schmelzen. Länder wie Bangladesch, die nur wenig über der Meeresoberfläche liegen, würden überflutet; viele Millionen Menschen würden zu Flüchtlingen. Diese Gefahren drohen, wenn sich der Umgang mit Energie nicht verändert: Nach Berechnungen von Klimaforschern wird das „Budget für Kohlendioxidemissionen“, das der Welt zur Verfügung stehe, damit der Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 die angestrebten zwei Grad nicht übersteige, schon im Jahr 2040 aufgebraucht sein. Die Prognose gilt unter der Voraussetzung, dass sich an der Energiepolitik nichts ändert. Aber alle Prognosen, auch diese, sind mit Vorsicht zu genießen, denn sie basieren auf der Annahme, dass sich der Trend der Vergangenheit in der Zukunft fortsetzt. Sie blenden aus, dass der Mensch sein Handeln immer wieder ändert. Prognosen haben dennoch einen Sinn. Denn sie stoßen Änderungen der Politik an, auch der Energiepolitik.

          Höhere Subventionen für fossile Energie

          Energiepolitik wird durch die Politik gesteuert, wenn etwa die Vorgaben der Klimapolitik – wie bei der EU – den Rahmen abstecken, wenn Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz wirken und wenn Subventionen Anreize schaffen. Bei der Förderung der erneuerbaren Energie mag Europa Vorreiter sein; weltweit aber wird fossile Energie noch viermal so hoch subventioniert wie erneuerbare Energie. Energiepolitik ist aber auch durch Ereignisse getrieben, etwa durch den Konflikt mit Russland, der in Europa die Energiesicherheit zu einer vorrangigen Aufgabe macht, oder durch die Instabilität im Nahen Osten, die den Fluss von Energie jederzeit beeinträchtigen lassen kann.

          Gerade die Ölbranche ist ein Beispiel dafür, wie rasch Prognosen von der Wirklichkeit eingeholt werden können. 1980 hieß es, die nachgewiesenen Ölreserven würden bei dem damaligen Verbrauch noch dreißig Jahre reichen. Der Verbrauch ist seither um ein Drittel gestiegen, und dennoch reichen die heute nachgewiesenen Ölreserven beim aktuellen Verbrauch 54 Jahre. Das liegt daran, dass sich seit 1980 die nachgewiesenen Ölreserven von 683 auf 1690 Milliarden Barrel mehr als verdoppelt haben. Die Vertreter der These, dass das Erdöl endlich sei und bald zur Neige gehen werde, hatten den technischen Fortschritt nicht berücksichtigt.

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