24.03.2007 · Die Vorsitzenden von Linkspartei und WASG werben auf ihren Parteitagen für „ein neues linkes Parteiprojekt“. PDS-Geschäftsführer Bartsch befürchtet nach Informationen der Sonntagszeitung nicht, dass Lafontaine einen autoritären Führungsstil entwickeln wird.
PDS-Geschäftsführer Dietmar Bartsch befürchtet nicht, dass Oskar Lafontaine an der Spitze einer vereinigten Linkspartei einen autoritären Führungsstil entwickeln wird. Mit Blick auf die erwartete Vereinigung von PDS und WASG im Sommer und die vermutliche Übernahme eines der beiden Vorsitzenden-Posten durch den früheren SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine sagte Bartsch in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Wir sind eine demokratisch organisierte Partei. Niemand wird dort der Alleinherrscher sein. Oskar Lafontaine will das auch nicht.“
Lafontaine werde eine „prägende Rolle, vor allem im Westen“ spielen. Das könne der Partei nur gut tun: „Die PDS war dort fünfzehn Jahre im Ein-Prozent-Bereich. Nun haben wir die Chance, das zu ändern - Dank Oskar Lafontaine.“ Bartsch sagte, es sei klar, dass jemand, der wie Lafontaine lange Ministerpräsident und zweimal fast Kanzler gewesen sei, „anders gestrickt ist als wir in der PDS“. Doch werde es einen autoritären Führungsstil in der Partei nicht geben.
WASG und Linkspartei werben für Fusion
Auf getrennten Parteitagen haben die Vorsitzenden von Linkspartei und WASG ihre Mitglieder aufgerufen, den Weg zu einer Fusion freizumachen. „Ein neues linkes Parteiprojekt, eine bundesweit aktive Linke ist greifbar“, sagte der Vorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky, vor den Delegierten am Samstag in Dortmund. Nur durch eine starke gesamtdeutsche Linke könne die politische Klasse des Landes gezwungen werden, „ihre ungerechtfertigten politischen Exklusivrechte endlich aufzugeben“.
Auf dem zeitgleich ebenfalls in Dortmund stattfindenden Parteitag der „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ (WASG) warnte Parteivorstand Klaus Ernst davor, die Chance zum Aufbau einer gemeinsamen Linkspartei in Ost und West zu vertun. „Wir brauchen eine starke Linke, damit das Volk überhaupt eine Vertretung im Parlament hat“, sagte Ernst. Er warb für eine enge Zusammenarbeit der Linken mit den Gewerkschaften.
Als Vorsitzender der neuen Fusionspartei will Bisky kandidieren. Die Linkspartei hatte bei den Bundestagswahlen im Herbst 2005 8,7 Prozent der Stimmen geholt. „Ich erlebe durchaus, dass sozialistische Ideen überall dort an Attraktivität gewinnen, wo sie so verstanden werden, dass Menschen ihr Leben in die eigenen Hände nehmen“, sagte Bisky.
Allerdings gab es auf den Parteitagen auch vereinzelt Kritik an dem geplanten Zusammenschluss. So warf Lucy Redler vom WASG-Landesverband Berlin ihrer Partei vor, sich „der PDS zu unterzuwerfen“ und sich damit der „neoliberalen SPD“ anzunähern. Von der kommunistischen Plattform in der Linkspartei kam die Befürchtung, dass ihre Organisation innerhalb der Fusionslinken behindert werden könnte. Die Parteitage der Linkspartei und der WASG werden Sonntag fortgesetzt. Die Delegierten sollen über wichtige Gründungsdokumente zu der für Juni geplanten Fusion abstimmen.
Fusion - Nein !
Walter Wasilewski (wwasilewski)
- 25.03.2007, 14:24 Uhr