11.06.2003 · Der von der FDP angeregte Staatsakt für ihren früheren Spitzenpolitiker Möllemann wird immer unwahrscheinlicher. Seine Witwe hat ein Ende der Debatte gefordert.
Die Witwe des früheren FDP-Spitzenpolitikers Jürgen Möllemann hat ein Ende der Debatte um einen Staatsakt für ihn gefordert. Carola Möllemann-Appelhoff und ihre Töchter bitten um ein „Ende des unwürdigen Gezerres um einen Staatsakt für ihren Mann und Vater“, teilte ein Freund der Familie am Mittwoch in Münster mit. Die Familie habe zu keinem Zeitpunkt einen solchen Staatsakt ins Gespräch gebracht und sei von niemandem, der dazu legitimiert sei, danach gefragt worden, sagte der Vertraute.
Die Todesumstände Möllemanns werden nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Essen möglicherweise nie aufgeklärt. „Für uns geht es nur darum zu klären, ob bei dem Fallschirmabsturz Fremdverschulden vorliegt. Können wir das eindeutig ausschließen, ist es im Grunde egal, ob es Selbstmord oder ein Unfall war“, sagte der zuständige Staatsanwalt Wolfgang Reinicke am Mittwoch. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehe weiterhin der Fallschirm, mit dem Möllemann am vergangenen Donnerstag über den Flughafen Marl-Loemühle abgesprungen war.
Staatsanwaltschaft prüft Geldbewegungen
Nach Angaben Reinickes sind „alle wesentlichen Teile des Fallschirmsystems“ inzwischen gefunden worden - laut einem ersten vorläufigen Ergebnis ist ein Fremdverschulden auszuschließen. Ein Sachverständiger der GSG 9 untersuche derzeit den Fallschirm und überprüfe unter anderem ein elektronisches Sicherheitssystem, das normalerweise den Reserveschirm auslösen soll. Nach Ansicht des Staatsanwalts wird es jedoch noch einige Wochen dauern, bis ein endgültiges Fazit vorliegt. Ein bereits am vergangenen Freitag gefundenes Trennkissen dürfte zudem aus der Fallschirmausrüstung Möllemanns stammen.
Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft prüft derzeit Geldbewegungen zwischen Möllemann-Konten in Luxemburg sowie Liechtenstein und dessen Firma WebTec. In diesem Zusammenhang würde Hinweisen nachgegangen, der frühere FDP-Spitzenpolitiker habe im vergangenen Jahr rund eine Million Euro für die Finanzierung seines umstrittenen Flugblattes transferiert, erklärte Staatsanwalt Johannes Mocken. Zudem gebe es den Verdacht, dass Möllemann zwischen 1996 und 2001 umgerechnet rund 500.000 Euro gesetzeswidrig aus seinem Privatvermögen in die FDP fließen ließ.
Nach Angaben Mockens können die Unterlagen der Liechtensteiner Konten erst in einigen Wochen untersucht werden. Ob das Geld auf den Möllemann-Konten von angeblichen Schmiergeld- und Provisionszahlungen aus dem Verkauf von Fuchs-Spürpanzern nach Saudi-Arabien stammte, sei derzeit völlig unklar, betonte der Staatsanwalt. Hier bewege man sich noch auf dem Feld der „Gerüchte“, sagte Mocken. Möllemann war 1991 als Bundeswirtschaftsminister an dem Verkauf der Panzer beteiligt.