Der Wahl des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger zum neuen Papst folgen Reaktionen von Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt.
In Deutschland wünschte Bundespräsident Horst Köhler Ratzinger „Mut und Kraft“. Daß ein Landsmann Papst wurde, sei Anlaß zu „besonderer Freude und auch ein wenig Stolz“. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bezeichnete die Wahl als „große Ehre für unser Land“. CDU-Chefin Angela Merkel sprach von einem „historischen Moment, der uns alle tief bewegt“.
Ratzinger polarisiert
Der neue Papst Benedikt XVI. hat in der Vergangenheit nicht davor zurückgescheut, sich in die Politik anderer Staaten einzumischen. So forderte er mitten im amerikanischen Wahlkampf des vergangenen Jahres die dortigen katholischen Bischöfe auf, dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry die heilige Kommunion zu verweigern. Der Grund war, daß der Katholik Kerry das Recht der Frauen auf eine Abtreibung unterstützt.
In einem vertraulichen Memorandum vom Juni, das von dem italienischen Blatt „L'Espresso“ veröffentlicht wurde, erwähnte Ratzinger den später gescheiterten Herausforderer von Präsident George W. Bush zwar nicht namentlich. Er betonte aber unmißverständlich, daß solchen Politikern die Kommunion zu verweigern sei, die sich kontinuierlich für das Recht auf Abtreibung einsetzten.
Denn diese Politiker kooperierten bei der „schweren Sünde“ des Schwangerschaftsabbruchs. Die 275 katholischen Bischöfe Nordamerikas berieten damals in einer Versammlung über Ratzingers Memorandum, konnten sich aber nicht auf eine gemeinsame Linie einigen. Deshalb entschieden sie schließlich, daß jeder Priester selbst entscheiden müsse, ob er einem Politiker die Kommunion vorenthalte oder nicht.
Es wird erwartet, daß er auch künftig seine Meinung unmißverständlich kundtun und Mittel suchen wird, Gegner zu brandmarken.
Weitere Reaktionen:
UN-Generalsekretär Kofi Annan: „Seine Heiligkeit bringt eine Fülle von Erfahrungen für das erhabene Amt mit. Die Vereinten Nationen und der Heilige Stuhl teilen ihr großes Bekenntnis zu Frieden, sozialer Gerechtigkeit, der Würde des Menschen, Religionsfreiheit und gegenseitigem Respekt zwischen den Religionen der Welt. Der Generalsekretär freut sich auf die Beiträge, die seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. zur Stärkung dieser Werte leisten wird.“
Der amerikanische Präsident George W. Bush: Der neue Papst ist „ein Mann großer Weisheit und Wissens. Er ist ein Mensch, der dem Herrn dient.“
Der britische Premierminister Tony Blair: „Ich freue mich darauf, unsere Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl in Angelegenheiten von internationaler Bedeutung wie Afrika und Entwicklung fortzusetzen.“
Frankreichs Präsident Jaques Chirac: „Ich sende Papst Benedikt XVI. meine herzlichsten Glückwünsche und aufrichtig guten Wünsche für die bedeutende Mission, mit der er soeben betraut wurde. Frankreich ... wird den vertrauensvollen Dialog mit dem Heiligen Stuhl fortsetzen, den es immer geführt hat, insbesondere bei dem gemeinsamen Kämpfen für Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und die Würde des Menschen.“
Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero: „Ich möchte den Wunsch der spanischen Regierung zum Ausdruck bringen, die historischen Beziehungen zwischen Spanien und dem Heiligen Stuhl zu bewahren und mit seiner Heiligkeit ... zusammenzuarbeiten.“
Italiens Präsident Carlo Azeglio Ciampi: „Es ist ein Moment großer Freude für alle Italiener.“
Irlands Präsidentin Mary McAleese: „Die Welt hat mit Kummer auf den Tod von Johannes Paul II. reagiert. Die Wahl seines Nachfolgers war vielen Menschen in der ganzen Welt ein wichtiges Anliegen. Sie verkörpern ihre Hoffnungen nach größerer Eintracht zwischen den Völkern. Ihre Führung durch die Schwierigkeiten des modernen Lebens wird von entscheidender Bedeutung sein.“
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas: „Wir hoffen, daß die engen und historischen Beziehungen zwischen Palästina und dem Vatikan so eng sein werden wie zuvor und daß der Vatikan seine Unterstützung für einen gerechten Frieden im Heiligen Land fortsetzt.“
Israels Außenminister Silwan Schalom: „Der Außenminister bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, daß sich dieser Papst unter Berücksichtigung seiner historischen Erfahrungen insbesondere einem kompromißlosen Kampf gegen den Anti-Semitismus verpflichtet.“
Chinesische Bischofskonferenz: „Es ist unsere aufrichtigste Hoffnung, daß Sie das chinesisch-vatikanische Verhältnis im Namen Jesu Christi verbessern. Wir danken dem allmächtigen Gott, daß er Sie als Vertreter Christi auf Erden, als Nachfolger Petri, ausgewählt hat.“
Stanislas Lavanne, Sprecher der Französischen Bischofskonferenz und früherer Schüler Ratzingers: „Als ich ihn traf, mochte ich die Klarheit seiner Äußerungen, die seltene Intelligenz, sein außerordentliches Wissen, seinen außerordentlichen Glauben - und das er trotzdem eine Art hat, in einer ganz einfachen Sprache mit einem zu sprechen.“
Lawrence Cunningham, Professor für Theologie an der Universität Notre Dame in Indiana, USA: „Ich war aus einer Reihe von Gründen überrascht. Der eine ist das Alter ... Der zweite ist, daß ich gedacht habe, er ist eine Person, die zu sehr polarisiert. Aber möglicherweise haben die Kardinäle diesen Eindruck nicht geteilt. Es ist klar, daß er ein Papst sein wird, der die Probleme der katholischen Kirche in Europa sehr ernst nehmen wird.“
Mary Grant, US-Netzwerk für Mißbrauchsopfer katholischer Priester: „Für viele ist Ratzinger eine polarisierende Person, die die Streitlust dem Kompromiß und dem Mitgefühl vorzuziehen scheint. Dennoch wünschen wir ihm alles Gute. Es ist wichtig, daß der neue Papst die Worte von Johannes Paul II. befolgt, der sagte, 'für jemanden, der jungen Menschen Schaden zufügt, ist kein Platz im Priestertum'.“
Vater Gerald Fogarty, Geschichtsprofessor der Universität von Virginia, USA: „Es mußte ein Kompromiß gesucht werden, weil es einen starken Widerstand der Kardinäle Kasper und Lehmann gab, besonders von Kasper. Irgendwie muß es im Konklave zu einer Einigung gekommen sein. Sie denken sicherlich, daß es nur ein Übergangspapst ist.“