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Veröffentlicht: 22.09.2011, 18:40 Uhr

Demonstration gegen den Papstbesuch „Keine Macht den Dogmen“

Während Benedikt XVI. im Bundestag spricht, formieren sich seine Gegner zu einem Protestzug auf dem Potsdamer Platz. Es geht um ein ganzes Bündel von Themen: Homophobie, die Trennung von Kirche und Staat, den Missbrauchsskandal.

von , Berlin
© dapd Protest auf dem Postdamer Platz

Drinnen, im Bundestag, hält der Papst eine anspruchsvolle Grundsatzrede, draußen, auf dem Potsdamer Platz, sind die Botschaften auf den Plakaten eher einfach: „Kondom statt Petersdom“ ist da zu lesen oder das Motto der Demonstration „Keine Macht den Dogmen“, das in seiner optischen Aufmachung auf Schildern an einem Truck an den Spruch „Keine Macht den Drogen“ erinnert. Drinnen geht es um den Glauben an einen Schöpfergott und dessen inneren Zusammenhang mit der Idee der Würde aller Menschen und ihrer Verantwortung.

Stefan Toepfer Folgen:

Draußen bewegt die Anti-Papst-Demonstranten ein ganzes Bündel von Themen, die „menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik“ des Papstes, die Trennung von Kirche und Staat, der Missbrauchsskandal. Drinnen applaudieren die Abgeordneten dem Papst stehend und dankt Bundestagspräsident Norbert Lammert ihm für seine Rede und dessen Impuls für eine „notwendige breite Auseinandersetzung mit den ethischen Grundlagen einer freiheitlichen Gesellschaft“. Draußen sind inzwischen mehr als 2000 Menschen zusammengekommen, um für ihr Verständnis von Freiheit zu demonstrieren, deren Gegner sie im Papst sehen. Zu finden sind Fahnen von Homosexuellenverbänden, der SPD und der Grünen, vom Deutschen Freidenkerverband und selbstgemalte Schilder. Auf einem steht „Die römische Kurie ist so reformfähig wie das Zentralkomitee der DDR“, auf einem Transparent mit Luftballons „Wir lassen Homophobie davonfliegen“.

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„Hort der Doppelmoral“

Fast 70 Organisationen haben sich zusammengefunden, um die Anti-Papst. Demonstration zu organisieren. Ein 63 Jahre alter Teilnehmer hält die Kirche für einen Hort der Intoleranz und der Doppelmoral, die zum Beispiel Homosexuelle ausgrenze und nicht genug gegen Priester tue, die Kinder missbraucht hätten. Ein Medizinstudent stört sich daran, dass der Papst eben auch als Religionsführer im Bundestag spreche und nicht nur als Staatsoberhaupt des Vatikan. „Eine Trennung von Staat und Kirche ist nötig“, sagt der Berliner. Und seine Freundin aus Erfurt, auch Medizinstudentin, kritisiert: „So viel Aufwand für einen einzigen Mann.“

Demonstranten auf dem Potsdamer Platz in Berlin © dapd Vergrößern Demonstranten auf dem Potsdamer Platz in Berlin

Gekommen ist auch Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung. Er findet, der Papst solle Deutschland ruhig besuchen können, „aber das Parlament darf keine Gruppe privilegieren“. Die Piratenpartei habe bei den Wahlen in Berlin am Sonntag nicht zuletzt deswegen so gut abgeschnitten , weil auf einem ihrer Plakate gestanden habe: Religion privatisieren. Auch dieses Plakat gehört zu den vielen, die die Demonstranten hochhalten. Manche Organisationen verteilen Flugblätter, auch das „Sexualisierte Misshandlungen in der Kindheit-Betroffenenteam“ aus Berlin. In ihm haben sich Menschen zusammengefunden, die von Familienangehörigen missbraucht wurden. Die Demonstration ist für sie eine Plattform, um auf sich aufmerksam zu machen. Wir und jene Menschen, die von Kirchenmännern missbraucht worden seien, gehörten zusammen, sagt eine Frau aus dem Team.

Um 18 Uhr soll sich der Zug in Bewegung setzen. Die Polizei schätzt, dass die Zahl der Teilnehmer einen „hohen vierstelligen Wert“ erreichen werde. Mittlerweile hat der Papst seine Rede beendet und sich zum Treffen mit Vertretern der Jüdischen Gemeinschaft aufgemacht. Und die Vorbereitungen für den großen Gottesdienst im Olympiastadion laufen auch schon längst. Dort werden 70.000 Menschen erwartet. Die Spruchbänder, die dort in die Höhe gehalten werden, haben freilich eine andere Botschaft: Wo Gott ist, da ist Zukunft - das Motto der Papstreise.

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Quelle: wahlrecht.de
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