Home
http://www.faz.net/-gpf-7782y
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Vatikan Papst ermöglicht vorgezogenes Konklave

Papst Benedikt XVI. hat einige Wahlbestimmungen geändert, um das Konklave früher einberufen zu können. Kardinal O’Brien trat derweil wegen des Vorwurfs „unziemlichen Verhaltens“ zurück.

© Polaris/laif Vor acht Jahren: Papst Johannes Paul II. verleiht O’Brien die Kardinalswürde

Wenige Tage vor dem Ende seines Pontifikats hat Papst Benedikt XVI. einige Bestimmungen für die Wahl seines Nachfolgers geändert. In einem sogenannten Motu proprio ermächtigte der Papst das Kardinalskollegium, die Konklave genannte Wahlversammlung „einige Tage früher“ einzuberufen. Bislang konnte das Konklave frühestens am 15. Tag nach dem Ende des Pontifikats beginnen.

Daniel Deckers Folgen: Gina Thomas Folgen:

Dazu setzte der Papst fest, dass das gesamte, mehr als 200 Mitglieder umfassende Kollegium über eine Vorziehung des Konklaves entscheiden könne - allerdings erst dann, wenn alle Kardinäle in Rom eingetroffen seien, die vor dem Eintritt der sogenannten Sedisvakanz das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und somit das aktive Wahlrecht besitzen.

Wann das Konklave beginnt, ist daher völlig offen. Zwar wird erwartet, dass viele Kardinäle der Einladung des Papstes folgen, ihm am kommenden Donnerstag, dem 28. Februar, noch einmal die Ehre zu erweisen. Tags darauf werden alle Kardinäle unter Leitung des 85 Jahre alten Dekans des Kardinalskollegiums, Sodano, zu der ersten der sogenannten Generalkongregationen zusammentreten, in denen sie sich bis zum Beginn des Konklaves ein Bild vom Zustand der Kirche machen sollen. Doch werden einige wahlberechtigte Kardinäle, darunter Woelki (Berlin) und Lehmann (Mainz), erst am 4. oder 5. März in Rom eintreffen, so dass frühestens in der Mitte der kommenden Woche abgestimmt werden kann.

Zahl der wahlberechtigten Kardinäle verringert sich

Nichts gesagt ist in dem Motu proprio über die Zeit, die zwischen dem Votum über die Vorziehung und dem Konklave selbst verstreichen muss. Auch fehlen Bestimmungen über das Quorum, das für eine bindende Entscheidung über die Vorziehung des Konklaves erforderlich ist - zumal diese Entscheidung von allen und nicht nur von den wahlberechtigten Kardinälen getroffen wird. Für die Wahl des Papstes ist seit der letzten Änderung der Wahlordnung durch Papst Benedikt im Jahr 2007 grundsätzlich eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Kardinäle erforderlich. Ob ein Votum über den Beginn des Konklaves ebenfalls mit Zweidrittelmehrheit oder mit einfacher Mehrheit getroffen werden kann, bedarf noch der Präzisierung.

Die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle, die an der Papstwahl teilnehmen werden, hat sich unterdessen von 117 auf 115 verringert. In der vergangenen Woche ließ sich der emeritierte Kardinal-Erzbischof von Jakarta (Indonesien), Julius Riyadi Darmaatmadja, wegen Krankheit entschuldigen. Am Montag gab Papst Benedikt der Bitte des Erzbischofs von St. Andrews und Edinburgh, Kardinal Keith O’Brien, statt, ihn von seinem Amt zu entbinden. Am Wochenende war der ranghöchste Repräsentant der katholischen Kirche Großbritanniens wegen des Vorwurf „unangemessenen Verhaltens“ in die Schlagzeilen geraten ist. Der 2003 zum Kardinal ernannte Erzbischof, der erst vor wenigen Tagen gegenüber der BBC kundgetan hatte, wie sehr er sich freue, an der Wahl des neuen Papstes mitzuwirken, wird daher nicht am Konklave in Rom teilnehmen. Er wolle, obwohl als Kardinal immer noch stimmberechtigt, die Aufmerksamkeit nicht auf sich lenken.

Fast 30 Jahre im Amt

Großbritannien verliert damit seine einzige Stimme im Konklave zur Wahl des Nachfolgers von Benedikt XVI. Die britische Wochenzeitung „Observer“ hatte am Sonntag auf ihrer ersten Seite berichtet, dass sich drei Priester und ein ehemaliger Priester aus O’Briens Diözese beim Apostolischen Nuntius in Großbritannien über unziemliche Annäherungen beschwert und den Rücktritt des als Gegner der Homosexuellen-Ehe hervorgetretenen Erzbischofs gefordert hätten. Die mutmaßlichen Vorgänge, die O’Brien bestreitet, sollen bis in die achtziger Jahre zurückreichen.

Einer der Beschwerdeführer behauptet, O’Brien habe sich ihm nach dem Nachtgebet auf unangemessene Weise genähert. Als junger Seminarist habe er sich nicht getraut, den Vorfall zu melden. Er sei zum Priester geweiht worden, habe jedoch sein Amt niedergelegt, als O’Brien zum Bischof ernannt worden sei. Es sei angenommen worden, dass er den Priesterstand verlassen habe, um zu heiraten, sagte der Kläger gegenüber dem „Observer“. Das sei unzutreffend. Er sei gegangen, um seine Integrität zu wahren. Die drei noch amtierenden Priester beschuldigen O’Brien ähnlicher unerwünschter Avancen.

Bisher war vorgesehen, dass O’Brien Mitte März anlässlich seines 75. Geburtstages entsprechend den Bestimmungen des Kirchenrechts sein Amt als Erzbischof von St. Andrews und Edinburgh niederlegen werde. Der Papst hatte dem im November eingereichten Bitte um Amtsverzicht des seit fast 30 Jahren amtierenden Erzbischofs am 18. Februar zugestimmt.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mediensekretariat im Vatikan Bessere Presse für Franziskus

Der Papst sortiert seine Medienabteilung durch: Das neue Sekretariat für die Medien und Kommunikation soll weniger verbergen und die kirchlichen Belange offen in die Welt tragen. Zumindest der neue Leiter gilt als weltoffener Theologe. Mehr Von Jörg Bremer

30.06.2015, 15:19 Uhr | Feuilleton
Jorge Bergoglio Wer ist Papst Franziskus?

Wer ist Papst Franziskus? Jorge Mario Bergoglio ist 76, Argentinier mit italienischen Wurzeln, Jesuit - und in Buenos Aires als Kardinal der Armen beliebt. Der erste Papst aus Amerika spricht Deutsch, er hat in Deutschland studiert. Der bisherige Erzbischof der argentinischen Hauptstadt gilt als gemäßigter Konservativer und Gegner der Homo-Ehe. Umstritten ist unter anderem sein Verhalten während der Militärdiktatur in Argentinien. Mehr

13.03.2015, 10:52 Uhr | Gesellschaft
Lateinamerikareise Der Papst der Armen bei seinen Brüdern

An diesem Sonntag bricht Papst Franziskus zu einer einwöchigen Südamerika-Reise auf. Der Argentinier besucht mit Bolivien, Ecuador und Paraguay die ärmsten Länder des Kontinents. Und wird dabei nicht um den ein oder anderen politischen Spagat herumkommen. Mehr Von Matthias Rüb, La Paz

05.07.2015, 09:46 Uhr | Politik
Sehnsüchtig erwartet: Papst besucht El Alto in Bolivien

Der katholische Priester Sebastian Obermaier hat sein halbes Leben in El Alto in Bolivien verbracht. Einen Höhepunkt des geistlichen Lebens des gebürtigen Deutschen stellt die Visite von Papst Franziskus Anfang Juli dar. In Vorbereitung hat er sich in der Region für Hochzeiten und Taufen stark gemacht. Mehr

05.07.2015, 12:06 Uhr | Gesellschaft
EKD und Bischofskonferenz Annäherung auf sensiblem Boden

Trotz aller Gegensätze: Die Evangelische Kirche in Deutschland und die katholische Bischofskonferenz wollen den 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 gemeinsam begehen. In einem historischen Gottesdienst zur Versöhnung sollen sich die Gläubigen gegenseitig um Vergebung bitten für frühere Greueltaten. Mehr Von Reinhard Bingener, Hannover und Daniel Deckers, Frankfurt

28.06.2015, 15:49 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.02.2013, 17:30 Uhr

Signal an Moskau

Von Rainer Blasius

Den Krieg in der Ukraine und Putins Kraftmeiereien kann der Westen nicht einfach hinnehmen. Kleine Manöver sollen der Kreml-Führung zeigen, dass die Freiheit der Ukraine von größtem Interesse ist. Mehr 20

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden