Home
http://www.faz.net/-hpb-7782y
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vatikan Papst ermöglicht vorgezogenes Konklave

 ·  Papst Benedikt XVI. hat einige Wahlbestimmungen geändert, um das Konklave früher einberufen zu können. Kardinal O’Brien trat derweil wegen des Vorwurfs „unziemlichen Verhaltens“ zurück.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (18)
© Polaris/laif Vergrößern Vor acht Jahren: Papst Johannes Paul II. verleiht O’Brien die Kardinalswürde

Wenige Tage vor dem Ende seines Pontifikats hat Papst Benedikt XVI. einige Bestimmungen für die Wahl seines Nachfolgers geändert. In einem sogenannten Motu proprio ermächtigte der Papst das Kardinalskollegium, die Konklave genannte Wahlversammlung „einige Tage früher“ einzuberufen. Bislang konnte das Konklave frühestens am 15. Tag nach dem Ende des Pontifikats beginnen.

Dazu setzte der Papst fest, dass das gesamte, mehr als 200 Mitglieder umfassende Kollegium über eine Vorziehung des Konklaves entscheiden könne - allerdings erst dann, wenn alle Kardinäle in Rom eingetroffen seien, die vor dem Eintritt der sogenannten Sedisvakanz das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und somit das aktive Wahlrecht besitzen.

Wann das Konklave beginnt, ist daher völlig offen. Zwar wird erwartet, dass viele Kardinäle der Einladung des Papstes folgen, ihm am kommenden Donnerstag, dem 28. Februar, noch einmal die Ehre zu erweisen. Tags darauf werden alle Kardinäle unter Leitung des 85 Jahre alten Dekans des Kardinalskollegiums, Sodano, zu der ersten der sogenannten Generalkongregationen zusammentreten, in denen sie sich bis zum Beginn des Konklaves ein Bild vom Zustand der Kirche machen sollen. Doch werden einige wahlberechtigte Kardinäle, darunter Woelki (Berlin) und Lehmann (Mainz), erst am 4. oder 5. März in Rom eintreffen, so dass frühestens in der Mitte der kommenden Woche abgestimmt werden kann.

Zahl der wahlberechtigten Kardinäle verringert sich

Nichts gesagt ist in dem Motu proprio über die Zeit, die zwischen dem Votum über die Vorziehung und dem Konklave selbst verstreichen muss. Auch fehlen Bestimmungen über das Quorum, das für eine bindende Entscheidung über die Vorziehung des Konklaves erforderlich ist - zumal diese Entscheidung von allen und nicht nur von den wahlberechtigten Kardinälen getroffen wird. Für die Wahl des Papstes ist seit der letzten Änderung der Wahlordnung durch Papst Benedikt im Jahr 2007 grundsätzlich eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Kardinäle erforderlich. Ob ein Votum über den Beginn des Konklaves ebenfalls mit Zweidrittelmehrheit oder mit einfacher Mehrheit getroffen werden kann, bedarf noch der Präzisierung.

Die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle, die an der Papstwahl teilnehmen werden, hat sich unterdessen von 117 auf 115 verringert. In der vergangenen Woche ließ sich der emeritierte Kardinal-Erzbischof von Jakarta (Indonesien), Julius Riyadi Darmaatmadja, wegen Krankheit entschuldigen. Am Montag gab Papst Benedikt der Bitte des Erzbischofs von St. Andrews und Edinburgh, Kardinal Keith O’Brien, statt, ihn von seinem Amt zu entbinden. Am Wochenende war der ranghöchste Repräsentant der katholischen Kirche Großbritanniens wegen des Vorwurf „unangemessenen Verhaltens“ in die Schlagzeilen geraten ist. Der 2003 zum Kardinal ernannte Erzbischof, der erst vor wenigen Tagen gegenüber der BBC kundgetan hatte, wie sehr er sich freue, an der Wahl des neuen Papstes mitzuwirken, wird daher nicht am Konklave in Rom teilnehmen. Er wolle, obwohl als Kardinal immer noch stimmberechtigt, die Aufmerksamkeit nicht auf sich lenken.

Fast 30 Jahre im Amt

Großbritannien verliert damit seine einzige Stimme im Konklave zur Wahl des Nachfolgers von Benedikt XVI. Die britische Wochenzeitung „Observer“ hatte am Sonntag auf ihrer ersten Seite berichtet, dass sich drei Priester und ein ehemaliger Priester aus O’Briens Diözese beim Apostolischen Nuntius in Großbritannien über unziemliche Annäherungen beschwert und den Rücktritt des als Gegner der Homosexuellen-Ehe hervorgetretenen Erzbischofs gefordert hätten. Die mutmaßlichen Vorgänge, die O’Brien bestreitet, sollen bis in die achtziger Jahre zurückreichen.

Einer der Beschwerdeführer behauptet, O’Brien habe sich ihm nach dem Nachtgebet auf unangemessene Weise genähert. Als junger Seminarist habe er sich nicht getraut, den Vorfall zu melden. Er sei zum Priester geweiht worden, habe jedoch sein Amt niedergelegt, als O’Brien zum Bischof ernannt worden sei. Es sei angenommen worden, dass er den Priesterstand verlassen habe, um zu heiraten, sagte der Kläger gegenüber dem „Observer“. Das sei unzutreffend. Er sei gegangen, um seine Integrität zu wahren. Die drei noch amtierenden Priester beschuldigen O’Brien ähnlicher unerwünschter Avancen.

Bisher war vorgesehen, dass O’Brien Mitte März anlässlich seines 75. Geburtstages entsprechend den Bestimmungen des Kirchenrechts sein Amt als Erzbischof von St. Andrews und Edinburgh niederlegen werde. Der Papst hatte dem im November eingereichten Bitte um Amtsverzicht des seit fast 30 Jahren amtierenden Erzbischofs am 18. Februar zugestimmt.

  Weitersagen Kommentieren (7) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Kardinal Müller im Gespräch (Teil 3) „Keine Barmherzigkeit bei Missbrauch“

Im dritten Teil des F.A.Z.-Gesprächs lässt Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller keine Zweifel an der Entschlossenheit des Vatikans, sexuelle Gewalt im Raum der Kirche nach Recht und Gesetz zu ahnden. Mehr

17.04.2014, 20:17 Uhr | Aktuell
Kardinal Müller im Gespräch „In der Theologie gab und gibt es immer auch Versuch und Irrtum“

Gerhard Kardinal Müller ist Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre. Im F.A.Z-Interview spricht er über Widerstände gegen seine Aufnahme ins Kardinalskollegium, die Pius-Brüderschaft, die Befreiungstheologie und die Entweltlichung der Kirche. Mehr

14.04.2014, 07:58 Uhr | Politik
Politik aus dem Herzen Der Papst als Weltdiplomat

Franziskus macht eine Außenpolitik aus dem Herzen und nicht nach geopolitischen Vorgaben. Der Einfluss des vatikanischen Staatssekretariates hält sich dabei in Grenzen. Mehr

18.04.2014, 15:34 Uhr | Politik

25.02.2013, 17:30 Uhr

Weitersagen

Trostpreis für Moldau und Georgien

Von Günther Nonnenmacher

Assoziierungsverträge sollen osteuropäische Länder enger an die EU binden. Im Schatten der Ukraine-Krise ist das EU-Angebot an die Republik Moldau und Georgien aber nur ein schwacher Trost. Mehr 2 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden