25.02.2013 · Papst Benedikt XVI. hat einige Wahlbestimmungen geändert, um das Konklave früher einberufen zu können. Kardinal O’Brien trat derweil wegen des Vorwurfs „unziemlichen Verhaltens“ zurück.
Von Daniel Deckers und Gina ThomasRichtlinien für Lesermeinungen
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Vorverlegung des Konklaves . ist das Überrumpelung?
soll da mit dieser Vorverlegung verhindert werden, dass sich Reformkräfte konsolidieren können? Nach unserem Glauben wird der Papst vom Hl. Geist erwählt und geführt. Dem Hl. Geist sollte aber auch Zeit zu wirken gegeben werden, auch wenn der Stellvertreter Christi auf Erden Fahnenflucht begeht. Hat Benedikt XVI, den Hlf. Geist gefragt, ob er retireieren darf? Auch der letzte Papst, der aus der Schlangengrube geflüchtet ist, musste zuerst zum Sterben gebracht werden, damit der neue im Auftrag des Dreifaltigen sprechen konnte.
Dann lesen Sie mal den Artikel von Herrn Deckers "Der Papst und die
Kardinäle: Nicht nur Freunde":
"O’Brien sieht sich „nur“ dem Verdacht
ausgesetzt, gegenüber jungen Priesteranwärtern
übergriffig gewesen zu sein. Doch auch da versteht Papst Benedikt
keinen Spaß. Noch in den neunziger Jahren konnte sich der Wiener
Kardinal Groër, der mit seinen sexuellen Eskapaden Männer in
den Tod getrieben hatte, der Protektion durch engste Mitarbeiter von
Johannes Paul II. sicher sein. Doch Benedikt meinte es immer schon
ernst, wenn er von der „Reinheit“ der Kirche sprach. Als
Papst hat er seinen Worten Taten folgen lassen - und sich gerade unter
Kardinälen nicht nur Freunde gemacht."
Die Kernaussage des Artikels passt nicht so ganz in Ihr Konzept.
Mittlerweile glaube ich, dass Sie Papst Benedikt deshalb so vehement
angreifen, weil er gegen bestimmte Missstände so konsequent
durchgegriffen hat.
Mitschuld Ratzingers - Benedikts
Papst Benedikt selbst trägt an dieser augenblicklichen Schwemme an
Pädophiliefällen, verjährten und noch nicht
verjährten, in besonderem Maße die Schuld und Verantwortung .
Im Jahre 2001 verfasste Ratzinger das Schreiben„De delictis
gravioribus“ (Von den schwersten Verbrechen). In diesen beiden
Geheimschreiben wird die „ausschließliche Kompetenz des
Vatikans“ betont, was die Ahndung von Pädophiliefällen
anbelangt; gleichzeitig werden sämtliche Bischöfe unter Strafe
der Exkommunikation aufgefordert, alle Pädophiliefälle
ausschließlich und nur an den Vatikan zu melden.
Das Schreiben Ratzingers hatte nur ein Ziel: nichts aus den
Gemäuern der katholischen Kirche nach außen dringen zu lassen.
Genau diese Geheimschreiben hatten die „reuigen“ irischen
Bischöfe jahrzehntelang streng befolgt.
Paul Haverkamp, Lingen
Bemerkenswert. Pädophile dürfen bleiben - jene, die diese Leute anzeigen, werden exkommuniziert.
...
Papst hat avisiert, den Bericht dreier Kardinäle über homosexuelle Umtriebe im Vatikan seinem
Nachfolger übergeben und die Richtigkeit dieses Berichtes mit dem
Hinweis bestätigt, die Untersuchung der Kardinäle habe
"die Grenzen und Mangelhaftigkeit der menschlichen Komponente in
jeder Institution" aufgezeigt. Für dieses Eingeständnis
muss man ihm dankbar sein, auch wenn er in den letzten mehr als 30
Jahren als Präfekt der Glaubenskongregation und Papst derlei (und
andere) Zustände hätte vermeiden müssen.
Allerdings: Die Kirche stellt sich ja sonst nicht auf dieselbe
moralische Stufe wie andere Institutionen.
P.S. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, noch dazu, wenn Ranghöhere Rangniedrigere bedrängen,
ist immer widerlich und verachtenswert.
Das möchte ich noch klargestellt haben für den Fall, daß
jemand aus meinem vorherigen Post herauslesen möchte, daß ich
das - mutmaßliche - Fehlverhalten des Kardinals
"entschuldigen" oder "schönreden" möchte.
Nein, ganz gewiß nicht!
Mir fällt nur auf, wie mit zweierlei Maß gemessen wird. Und
da springt einem nicht nur das merkwürdige Verhältnis der
GRÜNEN und der Humanistischen Union zu Pädophilen (sofern sie
nicht der Kirche angehören, versteht sich) in die Augen.
Auch die Kommentare zum Artikel einer jungen Frau, die in der FAZ
über ihre Erfahrungen an einer Ivy League Universität in den
USA bzw. über die sexuelle Belästigung durch ihren Doktorvater
berichtet, sprechen Bände.
Eine große Mehrheit der Foristen zweifelt den Wahrheitsgehalt des
Berichtes an ("Studentinnen baggern Profs an!"), unterstellt
Eifersucht und Rachegelüste als Motiv für die
Veröffentlichung des Sachverhalts und macht sich über das
Opfer lustig.
Seltsam, nicht?
Die Tragik bester Absicht erfahren Katholiken in der unwiderrufenen Rücktrittsankündigung des Papstes. Nicht nur vollzieht sich ihnen in den päpstlichen Mätzchen spöttisch die Paarung eines ratzingerianischen Individualismus mit selbigem Relativismus, sondern die Einheit ihrer Kirche, die seit der Todesohnmacht ihres Gründers am Kreuz Bestand hat, wird vom Nachfolger selbst insofern demontiert, wie er die Suche nach einem Erbnehmer provoziert, bevor dieser durch dessen Tod in die Nachfolge berufen ist. Nachfolge Christi endet nicht vor dem Tod! Will der Stellvertreter Christi kirchliche Einheit dennoch nicht mehr in eigener Ohnmacht tragen, so liegt es bei den Kardinälen, diese im Verzicht auf ein Konklave unschismatisch zu wahren bis erlösender und eben nicht inszenierter Tod in die Nachfolge ruft. Als Senatoren können sie zusammen mit den nicht mehr wahlberechtigten Kollegen kommissarisch nötige Geschäfte einvernehmlich (wenn auch unerlaubt) so doch gültig fortführen.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 26.02.2013 15:38 UhrAlternative
Neben der Verweigerung einer Durchführung des Konklave oder der vollkommen unüblichen, vorerst unbefristeten Einsetzung eines "geschäftsführenden Vorstandes" über die katholische Kirche gäbe es noch die dritte Möglichkeit, daß das Konklave ein Zeichen setzt und Benedikt XVI. als ersten Papst der Geschichte in eine zweite Amtszeit wählt.
Ja, Frau Holtmann, es ist in der Tat erschreckend, wie mit zweierlei Maß gemessen wird
Die Formulierung, das Fehlverhalten würde "bis in die 80er
Jahre zurückreichen", läßt (absichtlich?) im
Unklaren, daß es nicht über 30 Jahre lang stattfand, sondern
vor 33 Jahren.
Da wäre selbst bei Totschlag die Tat inzwischen verjährt.
Ist es nicht seltsam?
Linke, die dafür gesorgt haben, daß Mißbrauch von
Kindern juristisch nur als Vergehen (Strafmaß unter 1 Jahr)
bewertet wird, wollen aber bei irgendwelchen angeblichen oder
tatsächlichen Annäherungen unter Erwachsenen hier - weil es um
die Kirche geht - anscheinend am liebsten Köpfe rollen sehen.
Wie gesagt:
- 1985 stellten die GRÜNEN im Parlament den Antrag Sex mit Kindern
zu "entkriminalisieren",
- noch im Jahr 2000 konnten sich in der Humanistische Union (der
Leutheusser-Schnarrenberger angehört) 44% NICHT dazu durchringen,
für einen Beschluß zu stimmen, der besagt, daß die HU
pädosexuelle Kontakte "weder billigt noch
unterstützt" (HU-Mitteilungen 172, S. 85)
Aber Verstöße gegen den Zölibat? - Unverzeihlich!
Kardinal O’Brien ist undankbar,
da wird er trotz allem Kardinal und wird jetzt fahnenflüchtig das
ist nicht nett und 75 wird er erst nach der Wahl wenn ich mich nicht
irre. PS Das Bild wirkt schon ein wenig homoerotisch in Verbindung mit
der Büßerhaltung mit Anteilen von Sado-Maso. Bitte jetzt aufregen.
PS Wer die katholische Kirche nicht mag sollte austreten, ich
überlege mir einzutreten wegen der schönen Rituale und
Liturgien und Gebäude , allein mir fehlt der Glaube. Das sie nicht
demokratisch organisiert ist weis auch jeder. Warum also ständig
diese Aufregung?
Herr Keller, nur für den Fall, daß irgendwas halbwegs ernst Gemeintes
hinter Ihrem Post steht:
Wie wäre es, mal "Und wenn es ihn DOCH gibt?" zu lesen
oder (für literarisch Anspruchsvollere und philosophisch ein wenig
Vorgebildete) "Wunder - möglich? wahrscheinlich?
undenkbar?" von C.S.Lewis?
Beides ist nicht nur informativ, sondern auch nett zu lesen (ersteres)
bzw. ein absoluter Lese-Genuß (Lewis).
Das ist...
...Quatsch, was Sie da schreiben, Herr Fischer.
Aber das wissen Sie selbst. Sie wollen eben provozieren.
Ist ja auch Ihr gutes Recht.
Bei aller mehr oder weniger berechtigten Kritik an der KK im Allgemeinen
oder an einzelnen homo-/pädophilen oder dies vertuschenden
Geistlichen im Besonderen, über allem stehen die durch die
Glaubenslehre der KK verbreiteten Ideale, die u.A. das Handeln vieler
sozialer und caritativer Einrichtungen bestimmen und sich nicht zuletzt
in der leider viel zu wenig beachteten Katholischen Soziallehre wiederfinden.
Das und die wunderbaren Gedanken dieses großen Papstes und
Theologen Benedikt XVI., wie sie z.B. in der Enzyklika "Caritas in
veritate" zu lesen sind, ist das, was für mich zählt.
Und nur das !!
Möchten Sie sich von Gott, oder von einer homo- und pädophilen Amtskirche regulieren lassen,
Herr Thielsen?
Sie wären sicher nicht der Einzige...
...dem als Katholik der Glaube fehlt.
Das muß jeder mit sich selbst ausmachen.
Aber es soll auch Katholiken geben, die allein aus dem Grund in der
Kirche sind, weil sie um die Unverzichtbarkeit eines übergeordneten
Regulativs für Ethik und Moral wissen.
Zumindest Oskar Lafontaine hat sich vor Kurzem erst wieder
öffentlich als solcher bekannt.
Ich habe schon die Kommentare zu einem anderen Artikel gelesen und stelle fest:
Es ist erschreckend, wie schnell ein Mensch vorverurteilt wird.
Verurteilt von Menschen die sich als aufgeklärt begreifen und
voller Verachtung auf vergangene Zeiten blicken.
NICHTS ist bewiesen, und der Kardinal erklärt auch, fälschlich
beschuldigt zu werden. Der Kardinal erklärt, er trete zurück,
um seiner Kirche Diskussionen zu ersparen.
Ich kann nicht beurteilen, ob der Kardinal fälschlicherweise
beschuldigt wird oder nicht. Es ist aber erschreckend, wie schnell die
öffentliche Meinung den Rücktritt lediglich als ein
Schuldeingeständnis wertet. Warum wird noch nicht einmal die
Möglichkeit in Betracht gezogen, dass er redlich ist?
Ich habe in der Schule erlebt, dass Schülerinnen einen Sportlehrer
fälschlich sexueller Übergriffe beschuldigt haben. Der Schaden
hielt sich in Grenzen, weil sich die beiden Mädchen recht schnell
in Widersprüche verwickelt hatten. Aber wenn die Mädchen etwas
geschickter gewesen wären, hätten sie das Leben des
Sportlehrers ruinieren können.
@Bandas Naike: Wahrscheinlichkeitsrechnung
Herr Naike, wie Sie selbst zitiert haben, habe ich von "sofort vorstellbar" gesprochen und nicht von "wissen". Es ist oft genug vorgekommen, dass Sexualstraftäter ihre Tat geleugnet haben. Das dürfte in der "Regel" so sein, mit Ausnahmen natürlich, wie das bei Regeln eben so ist. Dem gegenüber ist es noch nicht so oft vorgekommen, dass Priester sich verabreden, um einen Glaubensbruder gemeinschaftlich zu Unrecht der sexueller Übergrifflichkeit zu bezichtigen. Das wäre nicht gerade die Regel, sondern ein extrem ungewöhnliche Ausnahme. Die 4 Priester sind also "wahrscheinlich" glaubwürdig, der Kardinal "wahrscheinlich" unglaubwürdig. Nicht mehr und nicht weniger habe ich gesagt.
@Frau Geng: Woher wissen sie das schon wieder?
"Dass der Herr Kardinal lügen könnte, ist sofort
vorstellbar. Das ist die Regel in solchen Fällen."
Haben Ihnen das ihre tiefenpsycholgischen Eklektizismen geflüstert,
Frau Geng, oder woher wollen sie das wissen? Waren sie dabei?
@Cornelia Holtmann: Frage nach dem Motiv für eine etwaige gemeinschaftliche Lüge
Da ein Beweis für die Anschuldigungen gegen den Kardinal schwerlich
zu führen ist, bleibt die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Priester.
Haben Sie den Hauch von einer Idee, welche Motive die geweihten
Männer haben könnten, gemeinschaftlich zu lügen?
Dass der Herr Kardinal lügen könnte, ist sofort vorstellbar.
Das ist die Regel in solchen Fällen.
Die Möglichkeit, dass die Priester die Wahrheit sagen, habe ich in Betracht gezogen, Frau Geng.
Sonst hätte ich ja nicht geschrieben, dass ich nicht weiß, ob der Kardinal fälschlicherweise beschudigt wird.
1 Kardinalsaussage schwergewichtiger als 4 Priesteraussagen?
"Es ist aber erschreckend, wie schnell die öffentliche Meinung
den Rücktritt lediglich als ein Schuldeingeständnis wertet.
Warum wird noch nicht einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen,
dass er redlich ist?"(Holtmann)
Warum, Frau Holtmann, ziehen Sie noch nicht einmal die Möglichkeit
in Betracht, dass die drei Priester und der ehemalige Priester redlich sind?
Welche schäbigen Absichten unterstellen Sie den Geistlichen, wenn
Sie indirekt behaupten, sie hätten sich womöglich gegen den
Kardinal mit dem Mittel der gemeinschaftlichen Lüge verschworen?
Wiegen etwa die vier Priesteraussagen in Ihren Augen weniger als die
eine Kardinalsaussage? Ist das die neue römisch-katholische
"Höhere" Mathematik?
Daniel Deckers Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
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