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Rücktritt von Benedikt XVI. : Nach dem Papst ist vor dem Papst

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, 78 Jahre alt, Italiener Bild: dpa

Wer wird die Nachfolge von Benedikts XVI. antreten? Zwar haben die Europäer immer noch die Mehrheit im Konklave der Kardinäle. Doch auch Kandidaten aus Amerika oder Afrika könnten Chancen haben.

          Wer wird der nächste Papst? Noch ist Benedikt XVI. im Amt, noch spult er weitere zwei Wochen das normale Arbeitsprogramm der Fastenzeit ab. Doch schon sind die Gedanken bei dem Konklave, in dem die Kardinäle Mitte März den neuen Papst wählen werden. Benedikt XVI. trug bei seinem letzten Konsistorium im November 2012 selbst zu den Spekulationen bei: Er ernannte nicht einen einzigen Europäer zum Kardinal. War das ein Hinweis darauf, dass der Papst auch keinen Europäer als seinen Nachfolger sieht?

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Dem trat Vatikansprecher Federico Lombardi am Dienstag entgegen: Benedikt habe damals nur das vorherige Gleichgewicht wiederhergestellt, denn in den beiden Konsistorien zuvor seien nur Europäer zum Zuge gekommen. Nach Lombardis Worten erscheint es undenkbar, dass sich Benedikt XVI. in die Wahl seines Nachfolgers einmischen könnte. So wird weiter spekuliert. Nur eines steht fest: Der Stichtag für das aktive Wahlrecht ist der Tag des Rücktritts, also der 28. Februar. Bis dahin wird noch ein Kardinal 80 Jahre alt und darf nicht mehr mitwählen. Damit ziehen 117 wahlberechtigte Kardinäle ins Konklave, unter ihnen sechs Deutsche.

          Mehrere italienische Favoriten

          Nach mehr als 30 Jahren unter einem polnischen und einem deutschen Papst wollten die Italiener endlich wieder einen der ihren auf den Thron sehen, heißt es in der italienischen Presse. Immerhin sind 25 Prozent der Kardinäle im Konklave Italiener. Aber sie gelten als zerstritten. Und so werden mehrere italienische Favoriten genannt. Am häufigsten fällt der Name des Mailänder Erzbischofs Angelo Scola. Der 71 Jahre alte Kardinal aus der Lombardei gilt als begnadeter Theologe, aber seine Weisheit bringt er keineswegs so verständlich wie Benedikt XVI. unter die Gläubigen.

          Scola gilt als Mann des interreligiösen Dialogs und genießt das Vertrauen des Papstes. Er ist konservativ. Viele derjenigen, die Scola kritisieren, treten für den 70 Jahre alten Kardinal Gianfranco Ravasi ein, der ebenfalls aus der Lombardei stammt. Der charismatische Präsident des päpstlichen Kulturrates ist - anders als Scola, so die Kritiker - in der modernen Welt zu Haus. Er spricht mit Künstlern, schätzt das Ungewohnte, ist speziell im Dialog mit dem Judentum zuhause. Er gilt als progressiv.

          Wer in Italien diese beiden nicht will, setzt sich für den Chef der italienischen Bischofskonferenz ein, den 70 Jahre alten Kardinal Angelo Bagnasco aus der Region Brescia. Der Erzbischof von Genua wird wegen seiner Spiritualität und wegen seiner feinsinnigen Predigten geschätzt. Jetzt im Wahlkampf setzt sich Bagnasco für den derzeitigen Ministerpräsidenten Mario Monti ein; Bagnasco möchte eine zweite Amtszeit Montis, und darüber kam es offenbar zum Streit mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, einem unerschütterlichen Anhänger von Silvio Berlusconi.

          Zwei Welten stoßen beim Konklave aufeinander

          Bertone ist freilich vom 28. Februar an nicht mehr der zweite Mann im Vatikan, sondern nur noch Camerlengo (Kardinalkämmerer), denn mit dem Rücktritt Benedikts und dem Beginn der Sedisvakanz verlieren die meisten Leiter der vatikanischen Behörden ihre Ämter - der Kardinalstaatssekretär, die Präfekten der Kongregationen und die Präsidenten der Räte. Nur wenige Leitungsämter, etwa der Camerlengo der Kirche, der für das Buß- und Ablasswesen zuständige Großpönitentiar oder der Kardinalvikar für das Bistum Rom bleiben im Amt.

          Das gilt auch für den Kardinaldekan Angelo Sodano, der jetzt die Kardinäle aus aller Welt zusammen ruft, um nach dem 28. Februar, aber noch vor dem Konklave in täglichen Generalkongregationen die Zukunft der Kirche zu besprechen. Mit der Ankunft aller Kardinäle aus der Weltkirche geht der Blick über die Kurie und Italien hinaus. Von den 117 Kardinälen kommen 62 aus Europa; neben den 28 Italienern sind es unter anderem die sechs Deutschen, dazu fünf Spanier, vier Polen und vier Franzosen.

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