Gegen die Teilnahme eines umstrittenen amerikanischen Kardinals an der Wahl des nächsten Papstes regt sich in den Vereinigten Staaten Widerstand. Der frühere Erzbischof von Los Angeles, Kardinal Roger Mahony, soll versucht haben, Fälle sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zu vertuschen und beschuldigte Geistliche zu schützen. Die Organisation „Catholics United“ fordert von Mahony nun in einer Petition, nicht zum Konklave zur Wahl des Nachfolgers von Benedikt XVI. nach Rom zu fahren. Auch mehrere amerikanische Medien äußerten sich kritisch.
Mahony habe das Recht, an der Papst-Wahl teilzunehmen, sagte der vatikanische Jurist und Kurienkardinal Velasio de Paolis. „Sicher, die Situation ist befremdlich, die Regeln (für die Wahl eines Papstes) werden jedoch respektiert“, sagte er der römischen Tageszeitung „La Repubblica“. Da werde es schon notwendig sein, Kardinal Mahony davon zu überzeugen, nicht anzureisen. „Er muss nach seinem Gewissen entscheiden, ob er kommt“, erläuterte der Kurienkardinal.
In Italien setzte sich auch die katholische Wochenzeitung „Famiglia Cristiana“ ausführlich und kritisch mit dem Fall Mahony auseinander. Online lancierte das katholische Medium eine Umfrage zu der Frage: „Mahony beim Konklave, ja oder nein?“
„Brutal und schmerzlich zu lesen“
Der 76 Jahre alte Mahony soll in seiner Zeit als Bistumsleiter von 1985 bis 2011 laut Archivunterlagen, die das Erzbistum im Januar veröffentlichte, pädophile Priester gezielt vor der staatlichen Strafverfolgung geschützt haben. Sein Nachfolger Erzbischof Jose Gomez nannte die Akten „brutal und schmerzlich zu lesen“. In einem für die amerikanische Kirche beispiellosen Vorgang enthob er Mahony von allen verbliebenen Ämtern und untersagte ihm ein öffentliches Wirken in Los Angeles.
Von seinem Amt als Erzbischof von Los Angeles hatte Mahony sich bereits 2011 aus Altersgründen zurückgezogen. Er blieb aber Kardinal und kann damit im März über den nächsten Papst mitentscheiden. Der umstrittene Geistliche wurde im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche bereits mehrfach von der amerikanischen Justiz befragt, eine weitere Anhörung ist für diesen Samstag geplant.
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