http://www.faz.net/-gpf-76z2r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.02.2013, 13:31 Uhr

Papstwahl Konklave soll vorgezogen werden

Das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers von Papst Benedikt XVI. könnte bereits vor dem 15. März beginnen. Das sagte Vatikansprecher Lombardi am Samstag in Rom.

© AP Im Vatikan: Kardinäle besprechen sich nachdem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt ankündigte.

Das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers von Papst Benedikt XVI. könnte bereits vor dem 15. März beginnen. Das sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag in Rom. Benedikt will am 28. Februar zurücktreten. 

Normalerweise muss das Konklave, die Versammlung der wahlberechtigten Kardinäle, 15 bis 20 Tage nach dem Beginn der Sedisvakanz (“leerer Stuhl Petri“)  zusammentreten.

Die Frist von mindestens 15 Tagen dient laut Lombardi dazu, dass die Kardinäle aus aller Welt genügend Zeit zur Anreise haben. Da sie sich nach der Rücktrittsankündigung Benedikts aber entsprechend vorbereiten könnten, sei es möglich, den Beginn des Konklaves vorzuziehen.

Konklave beginnt möglicherweise schon vor 15. März © dpa Vergrößern Das Konklave beginnt möglicherweise schon vor dem 15. März: Hier versammelten sich die Kardinäle zur letzten Papstwahl in der Sixtinischen Kapelle.

Das Interesse an den letzten Auftritten des scheidenden Papstes ist derweil gewaltig: Für die letzte Generalaudienz Benedikt XVI. am 27. Februar seien bereits mehr als eine Woche vorher 35.000 Anfragen eingegangen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag in Rom. Wegen des großen Interesses wurde das letzte Treffen der Gläubigen mit dem katholischen Kirchenoberhaupt eigens von der Audienzhalle auf den benachbarten Petersplatz verlegt. Einen Tag später will Benedikt von seinem Amt zurücktreten.

„Die Kraft hört auf“

Mit dem Pontifikat soll Papst Benedikt XVI. offenbar schon vor Monaten abgeschlossen haben. Wie der deutsche Journalist Peter Seewald laut einer Mitteilung vom Samstag im Magazin „Focus“ schrieb, antwortete der 85 Jahre alte Papst bereits vor mehr als zweieinhalb Monaten auf die Frage, was von ihm noch zu erwarten sei: „Von mir? Nicht mehr viel.“ Er sei „ein alter Mann, die Kraft hört auf“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche demnach. „Ich denke, das reicht auch, was ich gemacht habe“, wurde er weiter zitiert.

Seewald berichtete in der Zeitschrift, er habe Benedikt XVI. nie zuvor so erschöpft und niedergeschlagen gesehen. Mit letzter Kraft habe der Papst den letzten Teil seiner dreibändigen Buchreihe über Jesus zu Ende gebracht. „Mein letztes Buch“, sagte der Papst demnach. Seewald schreibt nach eigenen Angaben derzeit an einer Biografie des Papstes und traf ihn dafür in den vergangenen Monaten mehrere Male. Die letzte Begegnung im Vatikan liegt demnach gut zehn Wochen zurück.

Die sogenannte Vatileaks-Affäre um die Weitergabe interner Dokumente aus dem Vatikan war nach Seewalds Angaben nicht der Anlass für die Rücktrittsankündigung Benedikts XVI. Der Verrat habe ihn nicht aus der Bahn geworfen oder amtsmüde gemacht. Es sei „nicht so, dass ich irgendwie in eine Art Verzweiflung oder Weltschmerz verfallen würde, es ist mir einfach unverständlich“, sagte der Papst demnach zu der Affäre. Bei der Aufarbeitung des Falls sei ihm wichtig gewesen, dass „im Vatikan die Unabhängigkeit der Justiz gewahrt wird“.

Benedikt XVI. hatte am Montag überraschend seinen Rücktritt zum Monatsende angekündigt. Als Grund nannte er sein hohes Alter. Bis Ostern soll ein Nachfolger bestimmt werden. Wer neuer Papst werden könnte, ist offen.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nordfrankreich Hollande: Angriff in Kirche war schändlicher Terroranschlag

Zwei Bewaffnete haben in einer Kirche in Nordfrankreich Gläubige als Geiseln genommen und einen Priester getötet. Die Polizei erschoss darauf die Geiselnehmer. Der IS bezeichnet die Angreifer als seine Soldaten. Die Polizei nahm einen Mann fest. Mehr

26.07.2016, 16:31 Uhr | Politik
Polen Papst fühlt sich stark trotz Sturz

Papst Franziskus hat im Rahmen des Weltjugendtags das wichtigste katholische Wahrzeichen Polens besucht - die Schwarze Madonna von Tschenstochau. Auf dem Weg zur Messe strauchelte er kurz, kam aber schnell wieder auf die Beine und setzte sein Programm fort. Mehr

28.07.2016, 17:55 Uhr | Politik
Anschlag in Nordfrankreich Attentat mit Fußfessel

Einer der Täter in der Kirche ist zweimal daran gescheitert, nach Syrien zu reisen. Nicht nur den französischen Behörden war er schon bekannt, bevor er in der Normandie morden konnte. Mehr

26.07.2016, 23:43 Uhr | Politik
Nach Amoklauf Gläubige beten für die Toten von München

In der Frauenkirche in München haben Gläubige an einem katholischen Gottesdienst teilgenommen. Die beiden großen Kirchen haben nach dem Amoklauf von München ihre Gemeinden aufgerufen, für die Toten und Verletzten zu beten. Eine offizielle Gedenkfeier soll in der kommenden Woche in München abgehalten werden. Mehr

24.07.2016, 21:26 Uhr | Gesellschaft
Benedikt XV. Der unauffällige Papst

Nicht nur Armenier sind ihm zu Dank verpflichtet: Jörg Ernesti erinnert an Papst Benedikt XV., der sich als Diplomat im Ersten Weltkrieg Verdienste erwarb. Doch er machte einen folgenreichen Fehler. Mehr Von Bernhard Lang

20.07.2016, 23:23 Uhr | Feuilleton

Söder persönlich

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die Kanzlerin bekräftigt „Wir schaffen das“ und die CSU bleibt leise? Nein, denn jetzt hat sich Markus Söder zu Wort gemeldet. Fragt sich nur, was er denn von der Kanzlerin erwartet hatte. Mehr 62 47

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden