Home
http://www.faz.net/-gpf-76z2r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Papstwahl Konklave soll vorgezogen werden

Das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers von Papst Benedikt XVI. könnte bereits vor dem 15. März beginnen. Das sagte Vatikansprecher Lombardi am Samstag in Rom.

© AP Vergrößern Im Vatikan: Kardinäle besprechen sich nachdem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt ankündigte.

Das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers von Papst Benedikt XVI. könnte bereits vor dem 15. März beginnen. Das sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag in Rom. Benedikt will am 28. Februar zurücktreten. 

Normalerweise muss das Konklave, die Versammlung der wahlberechtigten Kardinäle, 15 bis 20 Tage nach dem Beginn der Sedisvakanz (“leerer Stuhl Petri“)  zusammentreten.

Die Frist von mindestens 15 Tagen dient laut Lombardi dazu, dass die Kardinäle aus aller Welt genügend Zeit zur Anreise haben. Da sie sich nach der Rücktrittsankündigung Benedikts aber entsprechend vorbereiten könnten, sei es möglich, den Beginn des Konklaves vorzuziehen.

Konklave beginnt möglicherweise schon vor 15. März © dpa Vergrößern Das Konklave beginnt möglicherweise schon vor dem 15. März: Hier versammelten sich die Kardinäle zur letzten Papstwahl in der Sixtinischen Kapelle.

Das Interesse an den letzten Auftritten des scheidenden Papstes ist derweil gewaltig: Für die letzte Generalaudienz Benedikt XVI. am 27. Februar seien bereits mehr als eine Woche vorher 35.000 Anfragen eingegangen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag in Rom. Wegen des großen Interesses wurde das letzte Treffen der Gläubigen mit dem katholischen Kirchenoberhaupt eigens von der Audienzhalle auf den benachbarten Petersplatz verlegt. Einen Tag später will Benedikt von seinem Amt zurücktreten.

„Die Kraft hört auf“

Mit dem Pontifikat soll Papst Benedikt XVI. offenbar schon vor Monaten abgeschlossen haben. Wie der deutsche Journalist Peter Seewald laut einer Mitteilung vom Samstag im Magazin „Focus“ schrieb, antwortete der 85 Jahre alte Papst bereits vor mehr als zweieinhalb Monaten auf die Frage, was von ihm noch zu erwarten sei: „Von mir? Nicht mehr viel.“ Er sei „ein alter Mann, die Kraft hört auf“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche demnach. „Ich denke, das reicht auch, was ich gemacht habe“, wurde er weiter zitiert.

Seewald berichtete in der Zeitschrift, er habe Benedikt XVI. nie zuvor so erschöpft und niedergeschlagen gesehen. Mit letzter Kraft habe der Papst den letzten Teil seiner dreibändigen Buchreihe über Jesus zu Ende gebracht. „Mein letztes Buch“, sagte der Papst demnach. Seewald schreibt nach eigenen Angaben derzeit an einer Biografie des Papstes und traf ihn dafür in den vergangenen Monaten mehrere Male. Die letzte Begegnung im Vatikan liegt demnach gut zehn Wochen zurück.

Die sogenannte Vatileaks-Affäre um die Weitergabe interner Dokumente aus dem Vatikan war nach Seewalds Angaben nicht der Anlass für die Rücktrittsankündigung Benedikts XVI. Der Verrat habe ihn nicht aus der Bahn geworfen oder amtsmüde gemacht. Es sei „nicht so, dass ich irgendwie in eine Art Verzweiflung oder Weltschmerz verfallen würde, es ist mir einfach unverständlich“, sagte der Papst demnach zu der Affäre. Bei der Aufarbeitung des Falls sei ihm wichtig gewesen, dass „im Vatikan die Unabhängigkeit der Justiz gewahrt wird“.

Benedikt XVI. hatte am Montag überraschend seinen Rücktritt zum Monatsende angekündigt. Als Grund nannte er sein hohes Alter. Bis Ostern soll ein Nachfolger bestimmt werden. Wer neuer Papst werden könnte, ist offen.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Katholische Kirche Kardinal Woelki saniert den Vatikan

Der Papst hat dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki eine neue Aufgabe zugeteilt. Er soll bei der Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls mitmachen. Mehr Von Jan Grossrth

31.03.2015, 16:58 Uhr | Wirtschaft
Bischofssynode im Vatikan Noch keine neue Haltung gegenüber Homosexuellen

Papst Franziskus hat seinen 1978 gestorbenen Vorgänger Papst Paul VI. seliggesprochen. Mit der feierlichen Zeremonie auf dem Petersplatz ging die katholische Bischofssynode im Vatikan zu Ende. Zwei Wochen lang hatten 200 Bischöfe zum Thema Familie getagt. Mehr

20.10.2014, 09:33 Uhr | Politik
Katholische Kirche Holocaust-Leugner Williamson abermals exkommuniziert

Der wegen Volksverhetzung verurteilte Geistliche Richard Williamson ist aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden. Er soll mit einer unerlaubten Bischofsweihe gegen Kirchenrecht verstoßen haben. Mehr

21.03.2015, 05:24 Uhr | Gesellschaft
Homosexuelle Gemischte Reaktionen auf neuen Tonfall des Vatikans

Auf einer Tagung von 200 Bischöfen zum Thema Familie hatte sich die Führung der katholischen Kirche entschieden, einen Schritt auf Schwule und Lesben zuzugehen. In Buenos Aires, der Heimat von Papst Franziskus, wurde das Papier mit Interesse aufgenommen. Mehr

15.10.2014, 12:18 Uhr | Politik
Mehdorn überzeugt Hauptstadtflughafen wird seine Baukosten einspielen

Der Steuerzahler wird nicht auf der Rechnung für den Hauptstadtflughafen sitzen bleiben, meint der frühere Betreiberchef Hartmut Mehdorn. Über kurz oder lang wird er sein Geld einspielen - und zwar um das Jahr 2042 herum. Mehr

21.03.2015, 11:53 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.02.2013, 13:31 Uhr

Hoffnung für Nigeria

Von Jochen Stahnke

Mit dem friedlichen Machtwechsel hat Nigeria einen weiteren Schritt in Richtung einer wahrhaften Demokratie getan. Auch wenn viele weitere nötig sind: Das gibt einem ganzen Kontinent Zuversicht. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden