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Papst-Rücktritt In jüngere Hände

Joseph Ratzingers Bedeutung als Theologe ist über jeden Zweifel erhaben. Zu seiner Vorstellung von Pflichterfüllung gehört, dass er die Verantwortung in einer Zeit schwerer Prüfungen in jüngere Hände legen will.

© dapd Vergrößern Stürme der Massenbegeisterung: Der Papst in Mexiko

Die Rede vom „deutschen Papst“ war, wenn auch im Überschwang nach der überraschenden Wahl des Kardinals Joseph Ratzinger verständlich, von vornherein ein Missverständnis. Der römische Bischof ist das Oberhaupt einer Weltkirche, deren Zentrale der Vatikan ist.

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Die Bindekraft dieser Kirche schwindet in der alten Welt seit Jahrzehnten, während sie in den früher sogenannten Entwicklungsländern immer noch im Wachsen begriffen ist - eine Gewichtsverschiebung, die sich im Kardinalskollegium abzählen und an den Missionsreisen Johannes Pauls II. und Benedikts XVI. ablesen lässt. Schon bei dem Konklave nach dem Tode Karol Wojtylas zählte der eine oder andere Kardinal aus der „Dritten Welt“ zu den ernsthaften Kandidaten. Überraschend war dann doch, dass der neue Papst nicht aus einer vom Katholizismus durchgeprägten Nation kam, sondern aus dem Land, dessen Geschichte in vieler Hinsicht von Reformation und Glaubensspaltung bestimmt wurde.

Über jeden Zweifel erhaben

Nicht einen Kirchenfürsten-Diplomaten, wie es viele der italienischen Päpste der jüngeren Geschichte gewesen waren, und auch nicht einen charismatischen Seelsorger wie den Polen Wojtyla wählten dann die Kardinäle, sondern einen Gelehrten und Professor. Wenn überhaupt, dann ist hier das „typisch Deutsche“ an Benedikt zu finden. Dem christlichen Denker und Religionsphilosophen blieb es wichtig, während seines Pontifikats seine Interpretation von Leben und Lehre Jesu zu schreiben. Den „Werterelativismus“ der modernen Welt verdammte er nicht ex cathedra; er führte mit weltlichen Philosophen die Diskussion über die Wahrheit des Glaubens „vor dem Gerichtshof der Vernunft“ (Kant).

Die Stürme der Massenbegeisterung, die der Papst bei seinen Reisen erlebte, waren mehr das Ergebnis von Amtscharisma und lebendiger Erinnerung an seinen Vorgänger, als dass sie der introvertierte, scheue deutsche Gelehrte auf dem Papstthron selbst geweckt hätte.

Ratzingers Bedeutung als Theologe ist über jeden Zweifel erhaben. Als Oberhaupt der Kirche hat er, der seine Rolle als Papst des Übergangs sah, sich in die Pflicht nehmen lassen. Zu seiner Vorstellung von Pflichterfüllung gehört dann auch, dass er in einer Zeit schwerer Prüfungen für die Kirche und andauernder Kritik an ihren Würdenträgern die Verantwortung in jüngere Hände legen will.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 11.02.2013, 17:50 Uhr

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Von Berthold Kohler

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