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Papst-Rücktritt Eine Zeit der Rückschau ist angebrochen

Schon bald soll Benedikt XVI. in ein Kloster im Vatikan ziehen, das derzeit noch renoviert wird. Unwahrscheinlich ist, dass er vor seinem Rücktritt die Enzyklika zum Glauben abschließen kann.

© Greser & Lenz

Nur noch gut zwei Wochen versieht Papst Benedikt XVI. sein Amt. Die Hälfte dieser Zeit wird ohne Neuigkeiten aus dem Vatikan vergehen, weil sich alle Geistlichen mit dem Papst an der Spitze in der kommenden Woche wie in jedem Jahr zu Beginn der Fastenzeit zu Exerzitien zurückziehen. Zunächst aber wird Benedikt an diesem Mittwoch wie üblich seine Generalaudienz halten und die Aschermittwochsliturgie feiern. Diese wurde allerdings aus Platzgründen vom Aventin in den Petersdom verlegt.

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Am Donnerstag empfängt der scheidende Papst Priester und Mitarbeiter seines Erzbistums Rom. Zweimal werde er auch noch an einem Sonntag den Angelus vor den Gläubigen auf dem Petersplatz beten, so berichtete es Vatikansprecher Federico Lombardi in einer Fernsehsendung, in der er um den Rücktritt des Papstes ging. Das seien doch genügend Anlässe, um „wichtige Dinge“ zu sagen, fügte Lombardi hinzu. „Nun ist die Zeit der Rückschau und Zusammenfassung gekommen. Bleibt also wachsam.“

Unwahrscheinlich ist mittlerweile, dass der Papst noch seine Enzyklika über das Thema „Glauben“ vorlegen wird. Vor wenigen Tagen, als noch niemand vom Rücktritt Benedikts sprach, sagte sein Sekretär Erzbischof Georg Gänswein, der Text sei fertig. „Aber Sie wissen ja, wie lange es mit Übersetzungen und letzten redaktionellen Arbeiten dauert.“ Jetzt scheint es so, dass diese Arbeiten nicht mehr rechtzeitig ausgeführt werden können.

Nach seinem Rücktritt wird er erstmal Erholung suchen

Lombardi ließ sich am Dienstag mit den Worten zitieren, man werde die Überlegungen des Papstes „in einer anderen Form“ verbreiten. Schon im vergangenen Oktober hieß es, der Papst habe während seines Urlaubes in Castel Gandolfo den Text fertiggestellt. Nur um eine Überlappung mit dem dritten Band der Trilogie über das Leben Jesu zu vermeiden, der Ende 2012 erschien, sollte die Enzyklika erst im Januar 2013 veröffentlicht werden, hieß es.

Das vierte päpstliche Lehrschreiben sollte in zeitlicher und thematischer Nähe zu dem vom Papst ausgerufenen „Jahr des Glaubens“ veröffentlicht werden, das im Oktober begann und bis zum 24. November dauern wird. In seinen drei bisherigen Enzykliken befasste sich Benedikt mit den Themen Liebe (Deus caritas est, 2005), Hoffnung (Spe salvi, 2007) sowie mit der katholischen Soziallehre (Caritas in veritate, 2009). Eine Enzyklika über den Glauben würde die Schriften über die drei „göttlichen Tugenden“ Glaube, Hoffnung, Liebe vollständig machen. Aber nur als Papst kann Benedikt Enzykliken veröffentlichen - nach seinem für den 28. Februar um 20 Uhr angekündigten Rücktritt ist es dafür zu spät.

Noch an jenem Abend will Benedikt nach Castel Gandolfo reisen, Erholung suchen und das Ende des Umbaus seiner neuen Bleibe an der Leoninischen Mauer im Vatikan abwarten. Dort wird derzeit mitten im ausgedehnten Park das Kloster „Mater Ecclesiae“ renoviert, das einen 500 Quadratmeter großen Garten hat, aus dem der Papst bisher Gemüse und Obst für seine Küche erhielt. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte das Gebäude Anfang der neunziger Jahre für den französischen Frauenorden der Marienanbetung bauen lassen.

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Der Bau umfasste bisher auf dreieinhalb Etagen 450 Quadratmeter, mit Gemeinschaftsräumen, einer Kapelle und zwölf Klosterzellen. 2009 verließen die bisherigen Bewohner den Komplex, seit 2012 wird renoviert und ein neuer Flügel angebaut. Niemand äußerte bis zum Montag öffentlich den Gedanken, dass hier eines Tages Benedikt einziehen würde.

Schon jetzt gibt es in dem Gebäude eine kleine Bibliothek. Die werde mit dem Einzug des dann aus dem Amt geschiedenen Papstes deutlich vergrößert, heißt es im Vatikan. Endlich könne sich Benedikt wieder der Wissenschaft widmen. Dieser selbst sagte am Montag seinen Kardinälen: „Was mich betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.“ Das soll also im Haus der „Mater Ecclesiae“ geschehen, wohin ihn für die kommenden Monate dem Vernehmen nach auch sein Privatsekretär Gänswein begleiten wird. Noch gebe es ja keine neue Verwendung, wird schmunzelnd hinzugefügt.

Vatikansprecher Lombardi sagte, Benedikt werde sich „gewiss nicht“ in die Wahl seines Nachfolgers „einmischen“; und es würde seinem Charakter nicht entsprechen, den neuen Papst zu behindern. Doch könnten sich voraussichtlich schon nach Ostern der alte und der neue Papst in den Vatikanischen Gärten begegnen, wenn sie dort den Rosenkranz beten - eine unerhörte Volte der Kirchengeschichte. Zu der, so Lombardi, „interessanten“ Frage, wie man im Vatikan Benedikt XVI. nach seinem Rücktritt ansprechen wird, sagte er: „Man kann sich schwer vorstellen, dass wir ihn Kardinal nennen werden.“ Also wie? „Vielleicht emeritierter Bischof von Rom“, schlug Lombardi vor.

Wer folgt auf Benedikt XVI.? Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, 78 Jahre alt, Italiener © dpa Bilderstrecke 

Quelle: F.A.Z.

 
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