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Papst Benedikt XVI. Distanziert von Deutschland

Offiziell kam Benedikt XVI. erst sechs Jahre nach seiner Wahl in die Heimat. Sein Verhältnis zur Kirche in Deutschland und ihren Repräsentanten war von Distanz geprägt.

© Wohlfahrt, Rainer Vergrößern Grüße an die Treuen: Der Papst 2011 in Freiburg

Erzbischof Leonardo Sandri war um einfühlsame Worte nicht verlegen. „An diesem Abend fühlen wir uns alle wie Waisen“, so fasste der Argentinier am Abend des 3. April 2005 auf dem Petersplatz die Gefühle von Millionen Menschen in Worte, die weltweit den Tod des Mannes betrauerten, der als Papst Johannes Paul II. annähernd 27 Jahre lang das geistliche Oberhaupt der katholischen Kirche gewesen war. Knapp acht Jahre später rührte die Nachricht vom Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. niemanden öffentlich zu Tränen. Angelo Sodano, dem Dekan des Kardinalskollegiums, fiel es zu, das Geschehen vor der Versammlung der Kardinäle zu deuten: „Wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ habe ihn die Ankündigung des Papstes getroffen, sein Amt niederzulegen.

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Auch in Deutschland war die Nachricht aus Rom wie ein Blitz eingeschlagen - wenn sie im ersten Moment überhaupt ernst genommen wurde: Nicht nur die Narren in den Hochburgen des rheinischen Frohsinns hielten die ersten Meldungen aus Rom für einen Karnevalsscherz. Doch auch der Kölner Kardinal Meisner, der auf seine Nähe zu den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. nie etwas hatte kommen lassen, brauchte Stunden, um die Sprache wiederzufinden. Er war von der unter größter Geheimhaltung vorbereiteten Rücktrittsankündigung genauso überrascht worden wie alle anderen Kardinäle und Bischöfe in Deutschland auch.

Aus heiterem Himmel war der Blitz aus Rom in Deutschland indes nicht eingeschlagen. Denn obwohl in der Person von Benedikt XVI. alias Joseph Ratzinger zum ersten Mal seit dem 16. Jahrhundert wieder ein Theologe deutscher Zunge an der Spitze der katholischen Kirche stand, so waren die Deutschen zwischen 2005 und 2013 genauso wenig Papst, wie Benedikt sich als deutscher Papst verstand.

Gewachsene Enttäuschung

Zwar führte die erste Auslandsreise des neuen Papstes im August 2005 gleich nach Deutschland. Doch der Anlass war der XX. Weltjugendtag der katholischen Kirche, der im Rheinland seinen Abschluss fand. Der neue Papst wurde von Millionen Jugendlicher und junger Erwachsener umjubelt, pflichtschuldig kam es in Köln auch zu Begegnungen mit Repräsentanten anderer christlicher Kirchen sowie des Judentums und des Islam. Zu politischen Gesten gegenüber seinem Heimatland, etwa einem Besuch in Berlin, sah sich Benedikt nicht verpflichtet. Der Besuch des Papstes in seiner bayerischen Heimat im September 2006 folgte einer ähnlich unpolitischen Choreographie: Rückkehr an die Orte der Kindheit und Jugend, an die Wirkungsstätten als Professor und Erzbischof. Die politischen Grenzen Bayerns überschritt Benedikt nicht. Deutschland in all seiner religionskulturellen Verschiedenheit stand erst im Herbst 2011 auf dem Reiseplan des Papstes: Berlin, Erfurt, das Eichsfeld und Freiburg waren die Stationen. Ausgerechnet in Freiburg und damit im katholischen Herzland des Südwestens war die Begeisterung der Gläubigen am geringsten. Die Zahl der Gottesdienstbesucher war so beschämend gering, dass sie kirchenoffiziell erheblich geschönt wurde.

Denn gerade im Südwesten mischt sich bis heute in den Respekt gegenüber dem Theologen Joseph Ratzinger eine in Jahrzehnten gewachsene Enttäuschung über das Verhalten des Joseph Kardinal Ratzinger in vielen seelsorglichen und kirchenpolitischen Fragen.

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