http://www.faz.net/-gpf-777pe
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.02.2013, 12:51 Uhr

Katholische Kirche Schottischer Kardinal Keith O’Brien zurückgetreten

Wegen „unangemessenen Verhaltens“ ist Kardinal Keith O’Brien zurückgetreten. Benedikt XVI. nahm das Rücktrittsgesuch an. Der Papst selbst ermöglichte unterdessen, dass das Konklave zur Wahl seines eigenen Nachfolgers früher beginnen kann, als die bisherigen Regeln es zuließen.

© dpa Zurückgetreten: Der Erzbischof von Edinburgh und Saint Andrews, Kardinal Keith O’Brien

Der ranghöchste Würdenträger der katholischen Kirche in Großbritannien, Kardinal Keith O’Brien, ist zurückgetreten. Das teilte die katholische Kirche von Schottland am Montag mit. Papst Benedikt XVI. habe das Rücktrittsgesuch bereits am 18. Februar angenommen, hieß es in der Mitteilung, die auf Berichte über „unangemessenes Verhalten“ O’Briens im Umgang mit Glaubensbrüdern folgte. O’Brien selbst teilte mit, der Papst habe den Rücktritt O’Briens als Erzbischof von Edinburgh und Saint Andrews auf den 25. Februar festgesetzt.

O’Brien zählte bislang zu den 117 Kardinälen, die an der Wahl eines neuen Papstes nach der Rücktrittsankündigung Papst Benedikts teilnehmen sollten. Er erklärte nun aber, er werde nicht an dem Konklave zur Papstwahl teilnehmen.

Mehrere Priester erhoben einem Zeitungsbericht zufolge schwere Vorwürfe gegen O’Brien. Dieser habe bei diversen nächtlichen Aktivitäten „unangemessenes Verhalten“ an den Tag gelegt, berichtete die Sonntagszeitung „The Observer“ über eine angebliche Beschwerde an den Vatikan. Demnach geht es um Vorkommnisse vor 33 Jahren, die drei amtierende und ein ehemaliger Priester gemeldet hätten. Er selbst wies die Vorwürfe zurück.

Der Papst habe den Amtsverzicht unter  Berufung auf den Kirchenrechtskanon 401, Paragraf 1, angenommen,  meldete Radio Vatikan am Montag. Der Paragraf schreibt  Diözesanbischöfen vor, mit Vollendung des 75. Lebensjahres ihren  Rücktritt anzubieten; O’Brien erreicht dieses Alter am 17. März.

Konklave kann vorgezogen werden

Ebenfalls am Montag wurde bekannt, dass das Konklave zur Wahl des neuen Papstes früher beginnen kann. Benedikt XVI. hat kurz vor dem Ende seines Pontifikats die entsprechenden Regeln so geändert, dass die Kardinäle jetzt auch schon vor dem 15. März zusammentreten können.

Rücktritt von Papst Benedikt XVI. © dpa Vergrößern Ein Bild von Papst Benedikt XVI. am Domforum in Köln

Das Kardinalskollegium könne den Beginn der Papst-Wahl vorziehen, sofern alle Kardinäle in Rom anwesend seien, teilte der Vatikan mit. Das Apostolische Schreiben (Motu proprio) des Papstes legt es damit in die Hand der Kardinäle, das Konklave entgegen der bisherigen Frist bereits vor dem 15. März zu eröffnen.

In Rom war seit Tagen spekuliert worden, diese Versammlung werde bereits am 10. oder 11. März beginnen. Nach dem Rücktritt Benedikts am kommenden Donnerstag können die Kardinäle darüber entscheiden. Die vorgesehene Frist von 15 bis 20 Tagen nach Beginn der Sedisvakanz („leerer Stuhl Petri“) bis zum Konklave soll wahlberechtigten Kardinälen normalerweise Zeit geben, um aus aller Welt nach Rom zu reisen. Da Benedikt seinen Rücktritt früh angekündigt hatte, können sich die wahlberechtigten Kardinäle auf eine baldige Anreise einstellen

Mehr zum Thema

Quelle: AFP

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Böhmermanns Gedicht Merkel bereut voreilige Äußerung

Bundeskanzlerin Merkel hat einen Fehler im Umgang mit der Affäre um das umstrittene Gedicht des Satirikers Böhmermann eingestanden. Die Ermächtigung für Ermittlungen nach Paragraph 103 sei aber richtig, sagte Merkel. Mehr

22.04.2016, 18:45 Uhr | Politik
Video Papst Franziskus besucht Flüchtlinge auf Lesbos

Papst Franziskus ist zu einem Besuch auf der griechischen Insel Lesbos eingetroffen. Dort will sich das Oberhaupt der katholischen Kirche mit Flüchtlingen untern anderem aus Syrien und Irak treffen, die in griechischen Auffanglagern quartiert sind. Der Papst plädierte für mehr Solidarität gegenüber den Flüchtlingen. Mehr

17.04.2016, 19:16 Uhr | Politik
Anzeige gegen heute-show Majestätsbeleidigung eines FPÖ-Kandidaten?

Als Reaktion auf den Wahlerfolg der rechten FPÖ in Österreich veröffentlichte die ZDF-heute-show ein Schnitzel in Hakenkreuzform mit einem Kommentar. Nun liegen Strafanzeigen vor. Mehr Von Ann-Katrin Gehrmann

28.04.2016, 16:11 Uhr | Feuilleton
Video Papst nimmt Flüchtlinge im Vatikan auf

Nach seinem Besuch in einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos hat Papst Franziskus zwölf syrische Flüchtlinge mit in den Vatikan genommen. Es handelt sich um drei Familien muslimischen Glaubens, die im Vatikan untergebracht werden sollen. Bei seinem Besuch auf Lesbos hatte der Papst die internationale Gemeinschaft aufgerufen, mit Menschlichkeit auf die Flüchtlingskrise zu reagieren. Mehr

17.04.2016, 13:38 Uhr | Politik
Botschaft von Papst Franziskus Glück kann man nicht herunterladen

Neue Apps oder schicke Mode machen nur kurzfristig glücklich, sagt der Papst. Bei einer Messe im Vatikan warnt Franziskus junge Menschen vor Materialismus – und empfiehlt ein emotionales Update. Mehr

24.04.2016, 18:53 Uhr | Gesellschaft
Vorwahlen in Amerika

Die Nationalkonservativen

Von Jasper von Altenbockum, Stuttgart

Wie sich die AfD den Fahrplan in ein anderes Deutschland vorstellt. Eindrücke vom Programmparteitag in Stuttgart. Mehr 135 96

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden