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Ernst von Freyberg Deutscher wird Chef der Vatikanbank

 ·  Seit Monaten war die Stelle vakant, nachdem der frühere Chef wegen interner Querelen gehen musste. Nun übernimmt der deutsche Anwalt Ernst von Freyberg den Chefposten der Vatikanbank.

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Der deutsche Anwalt Ernst von Freyberg wird neuer Chef der Vatikanbank IOR. Das gab Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitag in Rom bekannt. Die zuständige Kardinalskommission habe sich nach einer langen und intensiven Beratung auf den 54-Jährigen geeinigt, so Lombardi weiter.

Papst Benedikt XVI. habe den Auswahlprozess aus der Nähe verfolgt und sein „volles Einverständnis“ gegeben. Laut Lombardi gab es für den Posten etwa 40 Kandidaten.

Von Freyberg lebt den Angaben zufolge in Frankfurt und ist Mitglied des Malteserordens. Er stammt aus Baden-Württemberg und ist bislang Geschäftsführer von DC Advisory Partners, einem
Beratungsunternehmen für Unternehmensfinanzen.

Der Posten bei der Vatikanbank war seit Monaten vakant, nachdem der frühere IOR-Präsident Ettore Gotti Tedeschi im vergangenen Mai nach einem Misstrauensvotum des Aufsichtsrats seinen Hut hatte nehmen müssen. Die Gründe, warum er gehen musste, blieben vage.

Hintergrund war offenbar ein interner Streit um die richtige Art der Führung des wegen Geldwäschevorwürfen in der Kritik stehenden Instituts. Gotti Tedeschi soll dabei eine Ausrichtung der Vatikanbank an internationale Standards vorangetrieben haben, wogegen ein Teil des Vatikans und Vatikanstaatssekretär Tarcisio Bertone die Souveränität der IOR erhalten wollten.

Papst Benedikt XVI. hat während seiner Amtszeit versucht, für das Bankwesen im Vatikan strengere Regeln aufzustellen. Dafür richtete er im Jahr 2011 eine eigenständige Finanzaufsichtsbehörde auf. Ziel ist es, in die „weiße Liste“ der Länder aufgenommen werden, die sich an die Vorschriften der OECD gegen Geldwäsche halten. Das sogenannte „Moneyval“-Gremium kam im vergangenen Sommer in einem ersten Bericht zu dem Schluss, dass die Vatikanbank bei der Transparenz ihrer Geschäfte 9 von 16 internationalen Kernstandards erfülle und auf einem guten Weg sei. Der Heilige Stuhl solle jedoch unter anderem sein Aufsichtssystem im Finanzbereich noch verstärken, hielten die unabhängigen Experten seinerzeit fest.

Die Bank war in der Vergangenheit wegen ihres Finanzgebarens wiederholt in die Kritik geraten. Der Vatikan hat aber jede Verwicklung der Bankleitung in dunkle Machenschaften bestritten. Vor dreißig Jahren war die Vatikanbank in den Skandal um den Zusammenbruch des Geldhauses Banco Ambrosiano verwickelt, an dem sie einen geringen Anteil hielt. Die Bank wies Beschuldigen zurück, für die Pleite verantwortlich zu sein. Spektakulär wurde der Fall durch den Tod von Ambrosiano-Leiter Roberto Calvi, der erhängt unter einer Brücke in London aufgefunden wurde. Mehrere Untersuchungen konnten nicht eindeutig feststellen, ob der als „Bankier Gottes“ bezeichnete Topmanager sich selbst das Leben nahm oder ermordet wurde.

Die Geschichte der Vatikanbank („Institut für Werke der Religion“)

1942: Papst Pius XII. gründet das „Institut für Werke der Religion“ (IOR).

1971: Papst Paul VI. macht Priester Marcinkus zum IOR-Leiter.

1975: Zusammenbruch des Bankenkonsortiums um den mutmaßlichen Mafia-Geldwäscher Michele Sindona (gestorben 1986 in italienischer Haft durch Vergiftung). Als Anteilseigner verliert das IOR rund 50 Millionen Dollar.

1981: Zusammenbruch des Mailänder Bankhauses Banco Ambrosiano. Dessen ehemaliger Leiter Roberto Calvi wird 1982 gehenkt unter der Londoner Blackfriars’ Bridge aufgefunden. Der Vatikan hatte durch Marcinkus „Bürgschaftsbriefe“ für Calvi ausgestellt. Weder die britische noch die italienische Justiz können die Fakten klären.

Juli 1984: Nach dem Calvi-Marcinkus-Skandal zahlt der Vatikan 240 Millionen Dollar Entschädigung.

1987: Italien stellt einen internationalen Haftbefehl gegen Marcinkus aus. Dieser entzieht sich im Vatikan dem Zugriff der Justiz, bis der Haftbefehl aufgehoben wird.

1989: Marcinkus tritt in Ruhestand.

1. März 1990: Papst Johannes Paul II. reformiert das Institut. Es soll nun nach internationalen Regeln arbeiten.

2009: Im Zuge der Finanzkrise gerät auch der Vatikan in den Ruf einer illegalen Finanzoase. Benedikt XVI. ernennt den italienischen Bankier Ettore Gotti Tedeschi zum Leiter des IOR. Der Vatikan unterzeichnet ein Finanzabkommen mit der EU.

Frühjahr 2010: Der Vatikan verhandelt - vorerst erfolglos - mit der OECD über eine Aufnahme in die „weiße Liste“ unverdächtiger Staaten.

September 2010: Die italienische Staatsanwaltschaft friert bei der italienischen Bank Credito Artigiano 23 Millionen Euro auf einem Konto ein, das vom IOR genutzt wurde, und ermittelt gegen Tedeschi. Der Vatikan weist den Vorwurf der Geldwäsche zurück, scheitert aber mit dem Antrag auf Freigabe der Gelder.

Dezember 2010: Der Papst will gegen Geldwäsche vorgehen und kündigt Gründung einer eigenen Finanzbehörde an: Mit einem päpstlichen Schreiben in Form eines sogenannten „Motu Proprio“ richtet das katholische Kirchenoberhaupt eine neue Aufsichtsbehörde für das vatikanische Bankenwesen ein.

Mai 2012: Der Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, tritt nach einem Misstrauensvotum des Vorstands zurück.

Juli 2012:  Der Europarat bescheinigt dem Vatikan zwar deutliche Fortschritte beim Kampf gegen die Geldwäsche, doch die Kontrolle der Vatikanbank bleibe noch unzureichend. (Zum Bericht des Europarats)

 

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