http://www.faz.net/-gpf-77aix
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.02.2013, 12:15 Uhr

Ende des Pontifikats Amtszeit von Papst Benedikt XVI. beendet

Papst Benedikt XVI. ist nicht länger Oberhaupt der katholischen Kirche. Seine Amtszeit ging an diesem Donnerstag um 20 Uhr zu Ende. Mit dem Hubschrauber verließ er um 17 Uhr den Vatikan nach Castel Gandolfo. Dort verabschiedete er sich mit einem letzten Apostolischen Segen von der Bevölkerung.

© AP/dpa, Reuters Papst Benedikt XVI. hat den Vatikan verlassen

Es war sein letzter Tag im Amt: Nach seiner am 11. Februar verkündeten historischen Entscheidung, den Stuhl Petri zu verlassen, ging die Amtszeit von Papst Benedikt XVI. nach knapp acht Jahren an diesem Donnerstag um 20 Uhr zu Ende. Damit beginnt auch die Zeit der Sedisvakanz („leerer Stuhl Petri“). Er ist der erste Papst der Neuzeit, der von seinem Amt zurücktritt.

Der 85 Jahre alte Papst flog gegen 17 Uhr mit dem Hubschrauber zur päpstlichen Residenz Castel Gandolfo, wo er in den nächsten beiden Monaten als emeritierter Papst wohnen wird. Danach zieht Joseph Ratzinger in ein ehemaliges Kloster in den Vatikanischen Gärten, das für ihn hergerichtet wird.

Am späten Vormittag hatte sich Benedikt in der Sala Clementina des Vatikans von den in Rom anwesenden Kardinälen verabschiedet. Darunter waren bereits viele Purpurträger, die angereist sind, weil sie im März einen neuen Papst wählen müssen. Benedikt betrat unter dem Applaus der Kardinäle den Raum, der Dekan des Kardinalskollegiums. „Unter euch ist auch der künftige Papst, dem ich schon heute meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen Gehorsam verspreche“, sagte Benedikt.

Dunkle Momente und der Ruf nach Harmonie

Er habe strahlende Augenblicke erlebt aber auch „Momente, in denen sich Wolken zusammenballten“, sagte der Papst in der Sala Clementina. Er bitte Gott, dass zwischen den Kardinälen „weiter eine tiefe Einheit wachsen möge, damit das Kardinalskollegium wie ein Orchester ist, in dem die unterschiedlichen Ausdrucksformen der Weltkirche in eine höhere und einstimmige Harmonie einstimmen“, und endete mit dem Zitat des katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini: Die Kirche sei „keine erfundene
Institution, die am Tisch ausgezirkelt wurde, sondern eine lebendige Wirklichkeit. Sie lebt mit der Zeit auf die Zukunft hin, wie jedes Lebewesen und verändert sich“.

Angelo Sodano, bedankte sich in einer kurzen Ansprache bei Benedikt. Am Nachmittag wollten Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und Sodano dem scheidenden Pontifex noch im Vatikan verabschieden.

Die Sommerresidenz Eine Statue der Jungfrau Maria im Park: Benedikt XVI. nutzte die Idylle von Castel Gandolfo für Ruhe, Gebet und Kontemplation. © dpa Bilderstrecke 

In Castel Gandolfo südlich von Rom hielt Benedikt am frühen Abend seinen letzten öffentlichen Auftritt ab. Er verabschiedete sich von der Bevölkerung Castel Gandolfos mit einem letzten Apostolischen Segen. „Liebe Freunde, ich bin glücklich, bei euch zu sein, umgeben von der Schönheit der Schöpfung und von eurer Sympathie, die mir sehr gut tut“, sagte Benedikt XVI. „Gehen wir voran, zusammen mit Gott, zum Wohl der Kirche und der Welt.“ Der 85-Jährige wirkte bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Papst erschöpft. Nach dem Segen verabschiedete er sich mit den Worten: „Danke und gute Nacht.“ Die Schließung des Portals der Residenz soll dann um 20 Uhr das symbolische Zeichen für das Ende des Pontifikats sein. Die Schweizer Garde stellt ihren Dienst ein, für die Sicherheit des ehemaligen Kirchenoberhaupt ist dann die Gendarmerie des Vatikans zuständig.

Dankgottesdienste in Deutschland

In Deutschland wurden am Abend in vielen katholischen Kirchen die Glocken geläutet. Außerdem gab es Dankgottesdienste, darunter einen zentralen in der Kathedrale St. Hedwig in Berlin, dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel beiwohnte. Neben der Kanzlerin nahmen Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sowie zahlreiche Kabinettskollegen und andere Bundes- und Landespolitiker in den Bankreihen Platz. Die Kammersynphonie Berlin und der Chor der Hedwigs-Kathedrale proben noch einmal das „Kyrie“ aus Mozarts Orgelsolomesse.

Dankgottesdienst für Papst Benedikt XVI © dpa Vergrößern Kanzlerin Merkel beim Dankgottesdienst für Papst Benedikt XVI

Bei seinem bewegenden letzten öffentlichen Auftritt in Rom hatte sich Benedikt am Mittwoch von etwa 150.000 Gläubigen und Touristen verabschiedet. Er dankte in der Generalaudienz allen und sprach von schwierigen Augenblicken in seinem von Krisen geprägten Pontifikat. Am Abend kamen viele Gläubige auf den Petersplatz, um mit Kerzen und Gebeten Abschied von Benedikt zu nehmen.

Am Freitag sollen die Kardinäle in einem Brief aufgefordert werden, sich in Rom zu versammeln. Der Vatikan geht davon aus, dass sich das Kollegium dann Anfang nächster Woche trifft, um die Wahl eines neuen Papstes vorzubereiten. Wann das Konklave beginnt, ist noch offen.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Priesterjubiläum Franziskus ehrt seinen Vorgänger

Vor 65 Jahren wurde der ehemalige Papst Benedikt Priester. Sein Nachfolger Franziskus hat ihn nun zu einem Festakt in den Vatikan geladen. Das Treffen sagt viel über das Verhältnis der beiden aus. Mehr Von Jörg Bremer, Rom

28.06.2016, 16:02 Uhr | Gesellschaft
Brexit Papst fordert Kreativität und Erneuerung für EU

Papst Franziskus hat sich nach dem Brexit-Referendum in Großbritannien zum Zustand der Europäischen Union geäußert. Etwas funktioniere nicht, an der schwerfälligen Gemeinschaft, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf einem Flug nach Rom. Mehr

27.06.2016, 15:18 Uhr | Politik
Papst Franziskus Wir Kindsköpfe

Der Papst spricht seinen Zeitgenossen ab, bei Eheschließungen zu wissen, wofür sie sich entschieden haben. Und macht sie so zu unselbständigen Anhängseln einer Kultur der Vorläufigkeit. Mehr Von Christian Geyer

23.06.2016, 22:10 Uhr | Feuilleton
Polen Wie die PiS-Regierung die Kirche instrumentalisiert

In Polen rücken Politik und katholische Kirche immer näher zusammen. Die PiS-Regierung instrumentalisiert die Kirche, die ihrerseits mehr Einfluss im Staat anstrebt. Nur wenige Kirchenvertreter kritisieren das. Mehr

03.06.2016, 15:27 Uhr | Politik
Katholische Kirche Die meisten Opfer sind Jungen

Ein Forschungsprojekt zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche liefert erste Ergebnisse. Bei einem Drittel der Taten liegt demzufolge eine erhebliche Schwere vor. Mehr

27.06.2016, 08:08 Uhr | Gesellschaft

Europäische Lektionen

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die EU-Kommission spielt mit ihrer Haltung zum Ceta-Abkommen den Europa-Gegnern in die Hände und alles, was mit dem Brexit zu tun hat, ist heillos kompliziert. Das zeigt - momentan zählt vor allem Pragmatismus. Mehr 15

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden