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Die letzten Tage als Papst Mittags spielt er gern Klavier

Noch bis Ende Februar gilt die päpstliche Routine: Um sechs Uhr klingelt der Wecker, es folgen Audienzen. Doch viel lieber sitzt Papst Benedikt XVI. an seinem Schreibtisch.

© Wilhelm Schlote Zwischen 13 und 14 Uhr ist Mittagspause

Der Papst geht; denn mit seinen bald 86 Jahren in einem sich verzehrenden Körper ist er zu schwach, um die Kirche „wirklich zu erneuern“, wie er es am Donnerstag vor dem Klerus von Rom forderte. Schon als Chef der Glaubenskongregation gehörte Professor Josef Ratzinger von 1981 an zur Kurie; aber erst als Papst wurde ihm offenbar das ganze Ausmaß der Kabalen beim Heiligen Stuhl bewusst. Schließlich wurde er selbst ihr Opfer. Der Skandal um Vatileaks, um die gestohlenen Papiere aus seinem Büro, traf ihn schwerer als jede andere Krise zuvor. Der Verrat durch seinen Kammerdiener, die Rivalität und der Individualismus unter Kaplänen und Kardinälen erschütterten ihn. Danach war der Abschied beschlossen, und er wartete nur noch eine „friedlichere Minute“ ab; denn „in der Gefahr darf man nicht davonlaufen“, wie er im Gesprächsbuch „Licht der Welt“ gesagt hatte.

Jörg Bremer Folgen:

Sieben Jahre lang rettete sich der Papst in die professorale Routine an seinem alten Schreibtisch mit seinen Büchern, um sich selbst treu zu bleiben. An jedem Dienstag legte er zusätzlich einen halben Studientag ein. Dann floh er vor dem apostolischen Hof und pflegte den gelehrten Austausch oder die Lektüre. Oft war er allein. Wenn er am 28. Februar um 20 Uhr den Fischerring abstreift und nicht mehr Benedikt XVI. sein wird, sondern der frühere Bischof von Rom, will er mit seinen engsten Mitarbeitern in Castel Gandolfo sein; er will keine Feier und keinen Zapfenstreich. Davor wird er sich um elf Uhr in der Sala Clementina von „seinen“ Kardinälen verabschiedet und um 17 Uhr seine Wohnung im apostolischen Palast für immer verlassen haben.

Karger Lebensstil, karges Essen

Doch bis dahin herrscht noch päpstliche Routine. Gemeinhin klingelt der Wecker an einem Werktag um kurz nach 6 Uhr. Der Papst bereitet sich für die Messe in seiner Privatkapelle vor. Dazu erscheint auch die „päpstliche Familie“: der 56 Jahre alte Präfekt des päpstlichen Hauses und Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein sowie der zweite Sekretär, der aus Malta stammende und zwei Jahre jüngere Alfred Xuereb; zudem vier italienische Laienschwestern, die den päpstlichen Haushalt führen. In der Regel ist auch der Kammerdiener dabei; seit dem 1. November Sandro Mariotti. Er löste den im vergangenen Mai verhafteten und im Oktober zu 16 Monaten Haft verurteilten Paolo Gabriele, den „Raben“, ab.

23244314 © Wilhelm Schlote Vergrößern Oft zeigt sich der Papst nicht mehr an seinem Fenster

Um acht Uhr gibt es Frühstück. So karg wie Benedikts Lebensstil ist meist auch sein Essen: Am Morgen gibt es Milchkaffee, Brot, Butter und Marmelade. Spätestens um 9 Uhr beginnt die Arbeit. Sein Büro ist keineswegs so prächtig wie die anderen Hallen im apostolischen Palast; aber es hängen auch dort kostbare Gemälde. Bücherschränke aus dunklem Holz und edle Teppiche verbreiten unter der goldbemalten Decke eine warme und helle Stimmung. Auf seinem Schreibtisch stehen eine gläsern-goldene Standuhr und ein silbernes Tischkreuz.

In diesem Büro empfängt der Papst seine Privatsekretäre, um den meist seit Monaten festgelegten Tagesplan noch einmal durchzusprechen. Und auf diesem Schreibtisch lagen auch die vertraulichen Dokumente, die der „Rabe“ stahl. Er klaubte sich die Papiere freilich nicht vom päpstlichen Pult, das meist aufgeräumt und besser kontrolliert wird, sondern von Gänsweins Schreibtisch in einem anderen Raum, der nicht weit entfernt liegt.

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