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Der Papst und der Protestantismus : Zu Ende, aber nicht vorbei

„Ökumenische Gastgeschenke“ hatte er keine dabei: Auf seinem Deutschlandbesuch 2011 traf der Papst auch auf den EKD-Ratspräsidenten Nikolaus Schneider Bild: REUTERS

Ein Kenner, aber sicher kein Freund: Benedikts Pontifikat war für die evangelische Kirche eine Enttäuschung. Der Papst sah im Protestantismus einen ideenpolitischen Gegner.

          Erfurt ist eine feste Burg am 23. September des Jahres 2011. Scharfschützen wachen auf den Dächern, Hundertschaften haben die Innenstadt abgeriegelt, die Zufahrtsstraßen säumen im Abstand von zwanzig Metern beidseitig Wachen. Papst Benedikt XVI., der erste Deutsche auf dem Stuhl Petri seit dem 1523 verstorbenen Hadrian IV., hat am einstigen Wirkungsort von Martin Luther gemeinsam mit den Protestanten soeben einen Gottesdienst gefeiert. Eine Geste mit historischem Maß. Nikolaus Schneider, der EKD-Ratsvorsitzende, macht sich nach der Zusammenkunft zu einem Termin auf dem Erfurter Petersberg auf. Zu Fuß. An der Straße wird er, der eben noch neben dem Papst gesessen hat, von Polizisten aufgehalten. „Hier kommen Sie nicht durch“, sagen sie. Und: „Hier fährt nachher der Papst.“

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Am Rande zu stehen, das ist auch das Gefühl, das Benedikt den Protestanten in Erfurt vermittelt hat. „Ökumenische Gastgeschenke“ habe er nicht dabei, hat er gesagt. Die auf einen kleinen Fortschritt gehofft haben - ein gemeinsames Abendmahl konfessionsverschiedener Ehepartner oder die Zulassung evangelischer Christen als Paten katholischer Täuflinge -, bescheidet Benedikt, einem „politischen Missverständnis des Glaubens und der Ökumene“ aufzusitzen. Die große ökumenische Geste des Pontifikats Benedikts fühlt sich für Protestanten an, als sei dem Papst die Hand ausgerutscht. Nikolaus Schneider macht dennoch tapfer gute Miene und überlässt die kritische Bewertung anderen. Von einer „Demonstration des römischen Zentralismus“ und „bedrückender dogmatischer Verengung“ spricht später Schneiders Vorgänger Manfred Kock.

          Beschränkt auf nette Gesten

          Man konnte als Fazit des Besuchs Benedikts in seiner Heimat hören, aber ebenso auch als vorläufiges Resümee eines Pontifikats, das aus evangelischer Sicht kaum enttäuschender hätte verlaufen können. Als Joseph Ratzinger 1981 Präfekt der Glaubenskongregation wurde, war das Verhältnis beider Konfessionen noch von Hoffnung auf fortschreitende Annäherung erfüllt. Der EKD-Ratsvorsitzende Eduard Lohse hatte 1980 bei Johannes Paul II. für die Ökumene geworben. Eine Kommission wurde eingerichtet, um wechselseitige Lehrverurteilungen zu überprüfen. Ratzinger, der frühere Dogmatikprofessor, stellte kurze Zeit später fest, der „alte massive Dissens“ existiere nicht mehr. Die Erwartung war geschürt, dass unter dem charismatischen Johannes Paul II. auch in der Ökumene eiserne Vorhänge niedergerissen werden könnten.

          Die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ und die „Gemeinsame Offizielle Feststellung“, durch die der Lutherische Weltbund und die römisch-katholische Kirche einen zentralen theologischen Dissens aus der Welt zu schaffen vorgaben, waren in gewisser Hinsicht der Höhe-, Wende- wie Endpunkt dieser Hoffnungen. Es war lediglich der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Cassidy, der bei der feierlichen Unterzeichnung in Augsburg am 31. Oktober 1999 die Tinte für den Vatikan unter das Dokument setzte. Wenige Monate später, am 6. August 2000, veröffentlichte der ranghöhere Ratzinger das Dokument „Dominus Iesus“. Die evangelischen Kirchen wurden darin lediglich als „kirchliche Gemeinschaften“ angesprochen.

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