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Benedikt XVI. Papst feiert letztes Angelus-Gebet

 ·  Unter dem Jubel von Zehntausenden Gläubigen hat der scheidende Papst Benedikt XVI. sein letztes Angelus-Gebet zelebriert. Das Konklave für den nächsten Papst soll am 10. März beginnen.

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© REUTERS Vergrößern Warnt vor Einmischung vor dem Konklave: Der Papst bei seinem letzten Angelus-Gebet

In seinem letzten Angelus-Gebet vor dem Rücktritt am Donnerstag hat Benedikt XVI. vor Hunderttausenden Pilgern am Sonntag auf dem Petersplatz von Rom angekündigt, er werde die Kirche nicht im Stich lassen, sondern wolle Gottes Aufforderung folgen und sich noch mehr als bisher dem Gebet und der Meditation widmen. Er werde mit derselben Hingabe und Liebe der Kirche weiter dienen, „aber in einer Weise, die meinem Alter und meinen Kräften angemessen ist“. Den deutschen Pilgern dankte Benedikt XVI. „für die vielen Zeichen der Nähe und Zuneigung, vor allem für das Gebet“.

Derweil will der Papst offenbar den Kardinälen vorschlagen, das Konklave vorzuziehen. Die Kurie warnte am Wochenende vor der Einmischung der öffentlichen Meinung in die „freie Wahl“ des Nachfolgers. Das Konklave für den nächsten Papst soll am 10. März beginnen. Das ergibt sich offenbar aus einem Moto Proprio, einem „selbst veranlassten“ päpstlichen Schreiben, mit dem Benedikt XVI. die bisher bestehende Regel für die Papstwahl dem Umstand anpasst, dass seine Amtszeit nicht durch Tod sondern Rücktritt endet. In dem nach einem Bericht der Zeitung „La Stampa“ nur einige Dutzend Zeilen langen Text, der an diesem Montag veröffentlicht werden soll, modifiziert der Papst die bisherige Vorschrift, dass das Konklave frühestens 15 und spätestens 20 Tage nach Ableben des Heiligen Vaters und Beginn der Sedisvakanz beginnen soll. Benedikt XVI. gibt den Kardinälen nun die Freiheit, das Konklave früher anzusetzen.

Der Vatikan trat am Wochenende vermeintlichen Falschmeldungen über Abgründe von Hass und Missgunst, Korruption und Sex in der Kurie entgegen und kritisierte sie als Einmischung in die „freie Wahl“ eines neuen Papstes. Am Samstag stellte das Staatssekretariat fest, dass der Heilige Stuhl „immer schon in der Geschichte die Freiheit des Kardinalskollegiums zur Wahl des Papstes verteidigt“ habe. Nur diese Freiheit könne sicherstellen, „dass die Papstwahl auf Überlegungen basiert, bei denen es allein um das Wohl der Kirche geht“. Im Lauf der Jahrhunderte hätten Kardinäle „vielfältigen Druck erlebt“; dahinter hätten meist „politische oder weltliche Gründe“ gestanden. Hätten früher meist Staaten diesen Druck ausgeübt, so versuche sich heute, „die öffentliche Meinung ins Spiel zu bringen“.

Druck auf Kardinal Mahony

In der internationalen Presse war über einen vertraulichen Bericht von drei emeritierten Kardinälen geschrieben worden. Diese wollen bei ihrer Untersuchung des „Vatileaks“-Skandals über gestohlene Dokumente aus dem Büro von Benedikt auf Abgründe menschlicher Niedertracht im Klerus der Kurie gestoßen sein, wie später Würdenträger nach ihren Gesprächen mit dem Papst berichteten. Benedikt beschloss offenbar nach Erhalt dieses Berichts am 17. Dezember endgültig, seinen lang geplanten Rücktritt auf die Fastenzeit vor Ostern zu legen. Die Tageszeitung „La Repubblica“ hatte auch über ein Netz von Homosexuellen in der Kurie berichtet. Davon aber soll in dem Bericht der Kardinäle nicht die Rede gewesen sein.

Vatikansprecher Pater Federico Lombardi sprach von „Druck“, der auf das bevorstehende Konklave ausgeübt werde. Einige versuchten derzeit, sich durch Diffamierungen und Falschinformationen einen Vorteil zu verschaffen, sagte der Jesuitenpater dem Sender Radio Vatikan. Dabei sprach er auch über den Druck, der auf den früheren Erzbischof von Los Angeles Kardinal Roger Mahony ausgeübt wird, um ihn dazu zu bewegen, nicht am Konklave teilzunehmen. Mahony soll in den achtziger Jahren den Missbrauch von Jugendlichen in der Kirche vertuscht oder verharmlost haben. Daraufhin war der 1936 geborene Mahony Anfang 2011 offiziell aus Altersgründen zurückgetreten. Er hatte 2007 ein Abkommen mit den 550 Opfern geschlossen, denen insgesamt 660 Millionen Dollar an Schmerzensgeld zugesprochen wurde.

Auch der frühere amerikanische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Miguel Diaz, forderte Mahony auf, „sich am Papst ein Beispiel zu nehmen“ und von seinem Wahlrecht zurück zu treten. Mahonys Nachfolger José Horacio Gómez in Los Angeles aber unterstützt hingegen seine Teilnahme. In seinem privaten Blog schrieb Mahony unterdessen, „ich freue mich“, nach Rom zu reisen, dem Papst zu danken und an der Wahl des Nachfolgers teilzunehmen.

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