http://www.faz.net/-gpf-779wn

Benedikt XVI. im Castel Gandolfo : Hier ist er Mensch, hier darf er’s sein

Eine Statue der Jungfrau Maria im Park: Benedikt XVI. nutzte die Idylle von Castel Gandolfo für Ruhe, Gebet und Kontemplation. Bild: dpa

Castel Gandolfo ist von alters her Rückzugsort der Päpste. Hierher kommen sie, wenn es ihnen in Rom zu heiß, zu stickig, zu schmutzig wird. Wenn Benedikt XVI. dort am Nachmittag landet, wird er nur noch wenige Stunden Papst sein.

          Jeder in Castel Gandolfo weiß, dass dieser Empfang ein Abschied ist: An diesem Donnerstag gegen 17.15 Uhr wird der Hubschrauber mit Benedikt XVI. aus Rom landen. Ein Elektroauto wird den Papst vom Landeplatz im Park zur päpstlichen Residenz fahren und damit auch ein kurzes Stück über den Hauptplatz des Ortes. Dort werden ihn wie sonst auch die Bürger der 9000 Seelen zählenden Ortschaft bejubeln. Dann fährt der Wagen mit dem Papst durch das mächtige Tor der Sommerresidenz, und hinter ihm schließt sich dies Tor wieder.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Das ist der Abschied; denn in all den Jahren, in denen Benedikt im Sommer zu Besuch war, blieb das Tor geöffnet, um zu zeigen, dass der Papst sich nicht vor der Ortschaft und ihren Bewohnern verschließt. Aber diesmal wird Benedikt nur noch knapp drei Stunden Papst sein. Um 20 Uhr, wenn die Glocken von San Tommaso schlagen, beginnt die Sedisvakanz, die Zeit ohne Papst. Der Mann, der einmal Papst gewesen ist, wird sich dann seinem Wunsch gemäß vor der Welt verborgen halten.

          „Seine Heiligkeit Benedikt XVI.“

          „Wir werden trotzdem mit ihm sein“, sagt Maurizio, der in seinem Geschäft am „Platz der Freiheit“ in Castel Gandolfo mit Andenken und Steingut handelt. Maurizio hat auch kostbare alte Motorradnachbildungen im Angebot, ein Hobby von ihm. Der Bischof der Diözese habe die Gemeinde zum Nachmittag nach San Tommaso gegenüber am selben Platz gebeten, um für „Seine Heiligkeit Benedikt XVI.“, so darf er sich auch weiter nennen, den Rosenkranz zu beten, berichtet Maurizio. Der zuständige Bischof ist der frühere Kardinalstaatssekretär Kardinal Angelo Sodano, der als Dekan des Kardinalskollegiums nach dem Beginn der Sedisvakanz alle Kardinäle auch offiziell nach Rom bitten wird, um die Generalkongregationen zur Vorbereitung des Konklaves zu beginnen. Dafür wird der 4. März genannt.

          Die von dem Bildhauer und Architekten Gian Lorenzo Bernini gebaute Kirche San Tommaso trägt vorne im linken Seitenschiff eine nach barockem Vorbild gefertigte Erinnerungstafel für Benedikt XVI., der bis 2011 Altar, Kirchenschiff und Außenfront renovieren ließ. Noch sind die Farben frisch, das Gold der Leuchter glänzt auf den Altären. Mit dieser Tafel und der Dedikation für die Kirche steht Benedikt in einer Reihe mit Alexander VII. und anderen noblen Spendern.

          „Er hat sich bei uns wohlgefühlt“

          Am Eingang der Kirche hängt ein kleines Plakat auf der Glastür, das den Papst wie einen Rentner an einem Brunnen zeigt. Seine Heiligkeit füttert Goldfische, tut das sichtbar mit Freude und Behagen. Händler Maurizio ist sich sicher, dass der Papst immer gerne in Castel Gandolfo gewesen ist. „Wir haben ihn so oft zu Gast gehabt; er hat sich bei uns wohlgefühlt. Das wird auch diesmal so sein.“ In zwei, drei Monaten aber werden die Räume im Vatikan umgebaut sein, und dann werde die Ära Benedikts für den Ort Castel Gandolfo zu Ende sein, bedauert Maurizio. Bis heute finden sich in seinem Postkartenständer Karten mit Johannes Paul II. Auch Benedikt XVI. werde im Angebot bleiben, versichert Maurizio - „nicht nur für die polnischen und die deutschen Besucher hier. Wir Italiener übrigens lieben den Deutschen mehr als den Polen“.

          Benedikt XVI. ist der erste Papst seit Jahrhunderten, der sein Pontifikat freiwillig beendet Bilderstrecke
          Benedikt XVI. : Im Weinberg des Herrn

          Der Winter ist kalt in den Albaner Bergen hoch über Rom. Im Sommer, wenn sich bisher der Papst von der Hitze und Schwüle der Stadt in der angenehm kühlen Höhe erholt hat, strahlten die blauen und roten Blütenköpfe der Hortensien und dufteten die Rosen zwischen den antiken Überresten der Villa von Kaiser Domitian. Der war erster Bauherr einer fürstlichen Residenz auf diesem Gelände. Jetzt, im Februar, ragen die marmornen Zeugen der römischen Vergangenheit - Statuen, Kapitelle und Mauern - nackt und bloß in den Winterhimmel, als wollten sie an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern.

          Weitere Themen

          Auf heikler Mission

          Der Papst in Burma : Auf heikler Mission

          Burmas Katholiken verfolgen mit Spannung, wie Papst Franziskus bei seinem Besuch die Vertreibung der Rohingya anspricht. Manche fürchten offenbar, selbst zum Ziel von Anfeindungen zu werden.

          Papst setzt in Bangladesch ein Zeichen Video-Seite öffnen

          Rohingya-Begriff : Papst setzt in Bangladesch ein Zeichen

          Bei seinem Besuch in Bangladesch hat Papst Franziskus muslimische Rohingya-Flüchtlinge aus dem Nachbarland Myanmar empfangen. Dabei setzte er ein Zeichen, indem er erstmals auf seiner Asien-Reise den Begriff "Rohingya" verwendete, der in Myanmar ein heikles Politikum ist.

          Balanceakt für Papst Video-Seite öffnen

          Besuch in Myanmar : Balanceakt für Papst

          Inmitten der Rohingya- Krise besucht Franziskus als erster Papst überhaupt das asiatische Land. Sein Besuch ist ein diplomatischer Drahtseilakt. Mit Spannung wird erwartet, ob sich Franziskus zur aktuellen Lage der muslimischen Minderheit positioniert.

          Topmeldungen

          Koalitionspoker : Zweifel am guten Willen

          Vor dem Gespräch mit der SPD an diesem Mittwoch gibt sich die CDU ungewohnt mild, die CSU hingegen eher scharf. Besonders in Bayern freuen sich nicht alle auf die vierte große Koalition.

          Vergewaltigung als Kriegswaffe : Das Ende der Ignoranz

          Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Angelina Jolie wollen Frauen vor sexueller Gewalt im Krieg schützen. Ihre Initiative stellt der Nato nachträglich ein Armutszeugnis aus.

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Heuchelei als Geschäftsmodell

          Abbau von Arbeitsplätzen bei Siemens, miserable Arbeitsbedingungen von Paketzustellern: Bei Frank Plasberg werden Konzerne als vaterlandslose Gesellen beschimpft. Es geht aber auch um die Verantwortung der Konsumenten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.